Kasseler Handballer räumte vor 40 Jahren ab 

Als Uli Gnau einen historischen Vierfach-Triumph feierte

Duell der Giganten: Beim Spiel des TV Großwallstadt gegen den VfL Gummersbach am 27. Dezember 1985 (14:16) beobachtet Uli Gnau (Mitte/14) eine Aktion von Heiner Brand. Links Frank Damann (links) und Karl Gaydoul. Das kleine Bild zeigt Gnau im März 1982. FotoS: picture alliance / dpa UND SVEN SIMON

Im Mai 1980 hat sich der Kasseler Handballer Uli Gnau in die Geschichtsbücher eingetragen. Wir blicken mit ihm zurück. 

Es war ein Triumphzug, wie ihn seither nur noch der THW Kiel 2007 geschafft hat. Der TV Großwallstadt feierte 1980 mit neun Punkten Vorsprung den Gewinn der Deutschen Handball-Meisterschaft, holte den Europapokal der Landesmeister im Finale gegen Reykjavik, Europas Supercup gegen Alicante und gegen Nettelstedt erstmals auch den DHB-Pokal. Mehr geht nicht. Mittendrin statt nur dabei vor 40 Jahren beim spektakulären Vierfach-Erfolg des unterfränkischen Dorfvereins: Ulrich Gnau, Kreisläufer aus der Handball-Provinz Kassel.

„Es lief fast wie von selbst, eine unglaubliche Euphorie hat uns getragen“, sagt Gnau (63) heute über die tollen zehn Wochen. Damals war er 23, ein nordhessischer Noname in Europas mit Abstand bester Mannschaft, im Team der Weltmeister von 1978. Kapitän Kurt Klühspies, Spielmacher Peter Meisinger („Wir waren im Rausch“) und Manfred Freisler spielten im Rückraum, Manfred Hofmann war der beste Torwart der Welt, auf Linksaußen wirbelte Thoma Sinsel, und Gnau telte sich den Knochenjob am Kreis mit Claus Hormel. „Ich war besser in der Abwehr als er und variabler, deshalb bekam ich auch viele Spielanteile“, berichtet Gnau, wie er sich im Starensemble behauptete.

„Wir waren bestens eingespielt, hatten schon 1978 und 1979 den Titel geholt und so eine großartige Basis“, erklärt Gnau. Trainer Klaus Zöll hatte ihn im Jugend-Nationalteam gesehen und zum TVH gelotst. „Er hat mit großartiger Arbeit den Grundstein gelegt. Wir waren die ersten in der Liga, die viermal pro Woche trainierten, die ersten, die es fünfmal machten, und die ersten auch, die sechsmal am Ball waren.“ Die Folge: „Wir waren deutlich fitter als Fußballstars, vor allem aber fitter als unsere Konkurreten.“ Zumal der größte Rivale Gummersbach auf tragische Weise Jo Deckarm verloren hatte.

Bezeichnend: Der aus Hann. Münden stammende Trainer „Sir“ Rüdiger Schmacke war zwar Pate des Vierfach-Triumphes, musste nach diesem einem Jahr aber schon wieder den Platz räumen für Rückkehrer Zöll. „Schmacke hat uns technisch und taktisch viel gebracht, hat die Mannschaft geführt“, sagte Kapitän Klühspies später. „Aber wir wussten, dass wir zu wenig gemacht haben. Um erfolgreich zu bleiben, brauchten wir wieder jemanden mit Peitsche, jemanden mehr Druck.“

Uli Gnau sieht insbesondere auch den großen Teamgeist als Erfolgsfaktor. „Die Lust auf Erfolg hat uns gelockt, nicht das Geld. Es gab keine Söldner, jeder Einzelne hat sich voll mit Verein und Umfeld identifiziert“, berichtet er. Allesamt waren sie berufstätig oder studierten. „Hofman arbeitete bei einer Bank, Klühspies pendelte wegen einer Umschulung nach Gießen. Geld gab es entsprechend der Trainingsbeteiligung und 30 Mark pro Punkt“, sagt Gnau. „Das hat zum Leben gereicht.“ Ihm jedenfalls. Auch wenn er das Lehramt-Studium schießlich mangels Stellenangeboten später aufgab und heute als Abteilungsleiter im Elektro-Großhandel arbeitet.

Drei Jahre zuvor, 1977, hatte Gnau den TSV Jahn Gensungen in der zweitklassigen Regionalliga verlassen. „Wir waren dreimal als Zweiter knapp am Aufstieg gescheitert. Erst als ich weg war hat es geklappt und Gensungen hat tatsächlich auch ein Jahr erste Liga gespielt“, sagt er rückblickend. Der Schritt zum TVG sei richtig gewesen, im Süden ist er heimisch geworden. „Es gab für mich nicht einzelne Spiele, die herausragten, die ganze Zeit war einfach top.“ Natürlich blieb das nicht immer so. Aber bis 1991 - also 14 Jahre lang - trug er noch das Großwallstädter Trikot. Dann bereitete die erste Knieoperation diesem Sport ein Ende. Gerade befindet sich Gnau in der Reha nach einem zweiten Eingriff.

Mit dem Handball hat er ziemlich abgeschlossen. „Irgendwann war die Lust weg.“ Er geht nur noch in die Halle, wenn Neffe Lasse (16) mit der HSG Zwehren gastiert. Nur eines grämt Uli Gnau: „Die 40-Jahr-Feier zum Jubiläum unseres Vierfach-Triumphes war als große Sause jetzt im Mai geplant. Schade, dass sie ausfallen muss. Ich hätte die Jungs gern wiedergesehen.“

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