Vor Ort beim Finale der Handball-WM: Einige Deutsche blieben bis zum Turnierende

Auf zum letzten Einsatz: Die beiden akkreditierten deutschen Sportjournalisten Felix Buß (links) und Julia Nikoleit vor der Accor Hotels Arena in Paris Bercy. Foto:  Mahr

Paris. Hier, so hatten es sich viele deutsche Fans gewünscht, sollte eigentlich die deutsche Handball-Nationalmannschaft um Weltmeisterschafts-Gold spielen.

Hier, am nördlichen Ende des Parks von Paris-Bercy, sollten die Wolffs, Heinevetters und Gensheimers zu einem neuen schwarz-rot-goldenen Wintermärchen beitragen. Hier, in der Accor Hotels Arena, sollte mal wieder ein weiteres Kapitel deutscher Sportgeschichte geschrieben werden. Ex-Tennisstar Boris Becker gewann in dieser Halle, die damals noch den Namen Palais Omnisport trug, dreimal das traditionsreiche Masters-Turnier – zuletzt vor 25 Jahren gegen Lokalmatador Guy Forget. Leichtathletin Sabine Braun eroberte unter dem Dach dieses Pyramidenbaus 1997 im Fünfkampf WM-Gold.

Aber jetzt? Jetzt verbinden die Fans der DHB-Auswahl mit dieser Halle den katarischen Albtraum. Genau eine Woche zuvor ereilte den Europameister in der Arena – nach einer eindrucksvollen Siegesserie zuvor am Spielort in Rouen – gegen den Außenseiter aus dem Wüstenstaat das vorzeitige Aus. Das Endspiel bestreiten Frankreich und Norwegen. Wir haben uns am Finaltag dennoch mal vor und in der Halle von Bercy auf die Suche nach deutschen Gästen gemacht – und haben zumindest noch einige wenige gefunden.

Die Reporter

Als das DHB-Team noch mitmischte, berichteten 50 Journalisten für deutsche Medien. Am Finaltag sind es noch acht Journalisten, die die Tore zur Arena passieren – inklusive Fotografen. Das Online-Portal Handball World hat sogar zwei Berichterstatter im Einsatz. „Zu zweit lässt sich einfach mehr machen“, sagt Julia Nikoleit, die sich die Arbeit mit Felix Buß teilt. Dass sie beide zum Endspiel Zugang bekommen haben, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit – wenn das Duell Frankreich gegen Norwegen heißt. Erst am frühen Sonntagmorgen wurde ihre Akkreditierung um einem kleinen Aufkleber ergänzt: Die Garantie auf den Reporterplatz am Abend.

Diese Legitimation kann auch Christoph Dach, freier Mitarbeiter für den Berliner Tagesspiegel, vorweisen. Während viele Vertreter anderer Zeitungen am Freitag abgereist sind, blieb er da. „Ich bin auch ein Fan dieses Sports“, sagt Dach, „und da habe ich die Arbeit einfach mit ein bisschen Urlaub verbunden.“

Die Fans

Schon fünf Stunden vor dem Anwurf sind rund um die Arena Blau, Weiß und Rot die beherrschenden Farben. Einige Menschen haben sich bei fünf Grad Außentemperatur und stark bewölktem Himmel die Flaggen wie eine Jacke über die Schultern gelegt. Da die Fahne der Norweger zumindest farblich Ähnlichkeiten aufweist, muss man aber schon genau hinschauen. Bei Männern ist die Unterscheidung etwas einfacher – der Skandinavier kommt zum Handball mit? Ja, genau, mit Wikinger-Helm.

Einträchtig teilen sich Franzosen und Norweger die Plätze im Café Bercy – einer kleinen Eck-Kneipe vis-à-vis nur einen Handball-Weitwurf von der Halle entfernt. Im Fernsehen läuft währenddesen noch einmal das WM-Finale von Frankreichs Heim-Triumph 2001 – und das in voller Länge.

Und was ist mit Anhängern aus Deutschland? Bis zum Nachmittag weit und breit nichts zu sehen. In der Arena geben sich dann doch noch einige zu erkennen: Steffi Rundel und Axel Schühmann kommen aus Ulm, Astrid Lehmann und Marc Wilhelm aus Braunschweig, und Natalie ist mit Schwester Christina Barbosa, die in Genf lebt, dabei. Außerdem noch Simone und Nina aus Speyer sowie vier Handball-Fans aus Göppingen, die trotzdem sichtlich ihren Spaß haben. „Wir haben uns auf früheren Turnieren kennengelernt und treffen uns nun immer wieder bei diesen Meisterschaften“, erzählen sie, „für die genaue Planung haben wir eine Whatsapp-Gruppe.“

Das nächste internationale Turnier ist die Europameisterschaft 2018 in Kroatien. Dort will das deutsche Team den Titel von 2016 verteidigen.

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