MT-Spieler wurde in der Nacht informiert

Handball-EM: Bundestrainer nominiert Finn Lemke für drittes Vorrundenspiel

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Nun doch in Kroatien: MT-Spieler Finn Lemke wurde für das letzte Spiel gegen Mazedonien nachnominiert.

Zagreb. Handball-Bundestrainer Christian Prokop holt bereits zum dritten Spiel bei der EM in Kroatien Europameister Finn Lemke überraschend zurück in seinen Kader.

Dieser Artikel wurde aktualisiert um 20.37 Uhr -  Bis Dienstagmorgen, kurz nach 10 Uhr, gab es im Teamhotel Panorama der deutschen Handball-Nationalmannschaft eigentlich nur ein Thema: die letzten Szenen des Gruppenspiels gegen Slowenien. Mit allem, was dazu gehört: Videobeweis, Rote Karte, Siebenmeter, glückliches 25:25-Unentschieden und den anschließenden (erfolglosen) Protest der Slowenen. Doch dann bekamen die Journalisten im Seminarraum Kala noch ein weiteres Thema auf dem Silbertablett serviert: Bundestrainer Christian Prokop teilte während der Pressekonferenz mit, dass er für die letzte EM-Vorrundenbegegnung am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) den etatmäßigen Abwehrchef Finn Lemke nachnominiert hat und diesen anstelle des Leipzigers Bastian Roscheck ab sofort einsetzen wird. „Die Mazedonier werden sehr körperbetont spielen“, begründete der Coach seine Entscheidung. Die Themen:

Thema Lemke: Vor einer Woche hatte Prokop den Europameister von der MT Melsungen aussortiert - was im Vorfeld für große Diskussionen gesorgt hatte. Nun holte er den 2,10-m-Hünen kurzfristig zurück. Lemke reiste am Dienstag aus dem MT-Trainingslager auf Fuerteventura nach Kroatien und erreichte am Abend das Mannschaftshotel. Für eine Stellungnahme war der EM-Held von Polen nicht zu erreichen. Dafür äußerte sich sein Melsunger Mannschaftskollege Julius Kühn: „Ich habe noch zu Finn gesagt, Zeiten können sich ändern. Dieser Fall ist nun eingetreten, er ist immer noch unverzichtbar für uns.“ In der Nacht zu Dienstag hatte Prokop telefonisch Kontakt zu Lemke aufgenommen und den Defensivmann berufen.

Thema Videobeweis: Im Pressezentrum der Arena Zagreb sahen sich die Reporter noch lange nach der Schlusssirene die entscheidende Phase der Partie wieder und wieder an. Die Frage aller Fragen: War es korrekt, dass die Unparteiischen auf Rote Karte gegen den Slowenen Blaz Blagotinsek und Strafwurf für Deutschland entschieden haben? Die Slowenen hatten schon gefeiert. Dann schaltete sich aber der Oberschiedsrichter ein, und die litauischen Referees nutzten den Videobeweis. Sie kamen zu dem Ergebnis: Paul Drux wurde am Mittelkreis daran gehindert, den Anwurf schnell auszuführen – und das innerhalb der letzten 30 Sekunden. Ihre Entscheidung war also richtig. Das bestätigte tags darauf die EHF und wies den Protest der Slowenen ab. „Für uns war es klar, dass es nur so ausgehen konnte, weil die Entscheidung regelkonform war“, so DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Thema Siebenmeter: Obwohl lange nicht klar war, ob die Deutschen überhaupt noch die Chance bekommen werden, machte sich Tobias Reichmann schon einmal bereit. Er hatte gesehen, dass Torwart Silvio Heinevetter ein vermeintliches Vergehen des Gegners erkannt hat. „Da habe ich mir schon mal die Jacke ausgezogen und den Ball genommen“, berichtete der Melsunger Rechtsaußen. Zwar kam Uwe Gensheimer, auch ein eiskalter Siebenmeterschütze, noch einmal auf ihn zu. Doch der Kapitän vertraute Reichmann.

„Ich habe schon sehr viele Situationen erlebt“, sagte Reichmann. Er warf in die linke untere Ecke. Wie er später erzählte, wollte er eigentlich nach rechts werfen.

Das sagt MT-Teamkollege Julius Kühn zur Nachnominierung:

Finn Lemke spielt seit 2017 bei der MT Melsungen und ist seit 2014 Handball-Nationalspieler. Lesen Sie hier mehr über den Handball-Nationalspieler.

Slowenien erwägt Ausstieg aus der EM

Nach dem abgewiesenen Protest gegen die Wertung des 25:25-Unentschiedens gegen die deutschen Handballer erwägt Slowenien den Ausstieg aus der EM in Kroatien. „Was hier passiert ist, sprengt alle Grenzen“, sagte der Sekretär des slowenischen Handballverbandes, Goran Cvijic: „Der Verband denkt ernsthaft darüber nach, die EM zu verlassen. Auf der anderen Seite sind wir uns über die negativen Folgen auch für die kommende Generation bewusst.“ Zuvor berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA, der Verband habe eine Beschwerde gegen die Schiedsrichter eingereicht, von denen sich die Slowenen ungerecht behandelt fühlen. (mit dpa)

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