Siege gegen Slowenien und Algerien

Deutsche Handballer qualifizieren sich für Olympia in Tokio

Es darf gejubelt werden: Die deutsche Mannschaft mit (von links) Fabian Böhm, Kai Häfner, Uwe Gensheimer, Andreas Wolff, Johannes Golla, Philipp Weber und Silvio Heinevetter (Nummer 12) feiert die erfolgreiche Olympia-Qualifikation.
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Es darf gejubelt werden: Die deutsche Mannschaft mit (von links) Fabian Böhm, Kai Häfner, Uwe Gensheimer, Andreas Wolff, Johannes Golla, Philipp Weber und Silvio Heinevetter (Nummer 12) feiert die erfolgreiche Olympia-Qualifikation.

Die deutschen Handballer haben sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert. In Berlin gewannen sie gegen Slowenien und Algerien.

Berlin – Das letzte deutsche Tor des Handball-Wochenendes in Berlin erzielte Riesentalent Sebastian Heymann. Auf der Bank des DHB-Teams nahm allerdings kaum noch jemand wirklich Notiz von diesem Treffer. Dort fielen sich Spieler und Verantwortliche Augenblicke später glücklich in die Arme. Nicht nur, weil der 34:26 (17:14)-Sieg über Algerien in trockenen Tüchern war, sondern weil die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason längst einen von zwei Startplätzen für das olympische Turnier in Tokio in der Tasche hatte. Das andere Ticket sicherten sich die Schweden, die durch den 32:25-Erfolg gegen Slowenien am Sonntagabend sogar das Turnier in Berlin gewannen.

„Ich war zweimal als Spieler bei Olympia. So eine Teilnahme ist auch für mich eine große Sache – noch dazu mit einer Mannschaft aus dem Land, in dem ich inzwischen fast 30 Jahre lebe“, erklärte der Isländer. Auch bei seinem Team war die Freude groß: „Es fühlt sich sehr gut an, dass wir die drei Tage so erfolgreich gestaltet haben“, betonte der Melsunger Rückraumstratege Kai Häfner.

Dabei hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der Olympia-Ausscheidung in der Max-Schmeling-Halle den vorentscheidenden Schritt Richtung Japan bereits am Samstag mit dem unerwartet deutlichen 36:27-Erfolg gegen Slowenien gemacht.

„Um gegen Slowenien ein solches Ergebnis hinzubekommen, muss alles passen – und so einen Tag hatten wir heute“, stellte Rechtsaußen Timo Kastening von der MT Melsungen fest. Eine stabile Abwehr, dazu eine starke Leistung der Torhüter – mehr brauchte es nicht, um den Gegner phasenweise förmlich zu überrollen. „Es war genau das, was wir uns erhofft haben“, bilanzierte Gislason, „von mir sind heute große Brocken abgefallen“.

Andreas Wolff war im deutschen Kasten endlich einmal der erhoffte Rückhalt für sein Team. Zwar hatte Gislason für dieses Duell ohnehin mit dem Hünen vom polnischen Topklub Kielce geplant, da sich aber Johannes Bitter beim 25:25 zum Auftakt gegen Schweden am Rücken verletzt hatte, blieb dem Isländer auch keine andere Wahl. In Anbetracht eines komfortablen Vorsprungs konnte der Bundestrainer schon nach 40 Minuten damit anfangen, die Kräfte zu verteilen. Das war nicht das schlechteste mit Blick auf die immer noch wichtige Abschlussbegegnung gegen Algerien.

Gegen den afrikanischen Vertreter ließen die Gastgeber aber trotz einer insgesamt eher mäßigen Leistung nichts anbrennen. Überragender Schütze war Melsungens Julius Kühn mit acht Toren. Vereinskollege Silvio Heinevetter überzeugte nach seiner Einwechselung mit etlichen Paraden.

Praktisch von der ersten Minute an lag der Europameister von 2016 vorn, obwohl er phasenweise nicht mehr als nötig tat. Gislason war es damit gelungen, dass seine Mannschaft die hervorragende Ausgangsposition nicht mehr aus der Hand gab.

Ein Jahr nachdem der 61-Jährige für Christian Prokop übernommen hatte, wirkte das deutsche Team mental gereift. „Alfred hat unsere Erwartungen bislang voll erfüllt. Er ist der Fels in der Brandung“, lobte DHB-Präsident Andreas Michelmann den erfahrenen Coach. „Er lässt sich nichts anmerken. Seine Ruhe strahlt auf die Mannschaft.“ Sein immenses taktisches Wissen nährt die Hoffnung, dass das Team auch in Tokio eine gute Rolle spielen wird. „Wir reisen nicht dorthin, um Zweiter zu werden“, erklärte DHB-Vize Bob Hanning vielsagend.

In Tokio dürfen die deutschen Handballer 14 Spieler einsetzen – Wechsel sind möglich. Allerdings dürfen zusätzliche Spieler erst nach ihrer Berufung ins Olympische Dorf umziehen. Das Casting für ein Ticket nach Japan hat spätestens mit dem Tor von Heymann begonnen. (Björn Mahr)

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