Abschied auf der Couch 

Ex-Nationalspieler beenden Karriere: Vier Große und ein leiser Abschied

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Zwei Weltmeister von 2007 auf einem Bild: Holger Glandorf (links) zieht ab, rechts beobachtet Ex-Nationalmannschaftskollege Michael Haaß die Aktion des Rückraumschützen. Das Bild entstand bei der Europameisterschaft 2012 in Serbien. 

Kassel – Die große Bühne bekommen sie nicht – zumindest vorerst. Wegen des Saisonabbruchs in der Handball-Bundesliga werden vier ehemalige deutsche Nationalspieler ihr Karriereende auf der heimischen Couch erleben.

Holger Glandorf von der SG Flensburg-Handewitt, Martin Strobel vom HBW Balingen-Weilstetten, Christoph Theuerkauf vom TBV Lemgo Lippe und Michael Haaß vom HC Erlangen müssen sich somit während der Corona-Krise mit einem leisen Abgang begnügen.

Dass dieses Quartett einen anderen Abschied verdient hätte, darin sind sich langjährige Weggefährten einig. „Das sind echte Typen, die sich nie etwas zu Schulden haben kommen lassen“, sagt beispielsweise Michael Müller von den Füchsen Berlin. Der Halbrechte hat mit allen vier Akteuren zusammen in der DHB-Auswahl gespielt. Mit Strobel teilte er sich beim DHB-Team sogar ein Zimmer.

Wir blicken mit dem Ex-Melsunger Müller auf die Qualitäten der vier Spieler:

Holger Glandorf (543 Bundesligaspiele/170 Länderspiele): Vor Glandorf hat Müller größten Respekt. Zwar stand er ihm im Nationalteam „immer ein bisschen im Weg“, weil sie beide im rechten Rückraum eingesetzt werden, die konsequenten Vorstöße haben Müller aber imponiert: „Holger hat sich und seinen Körper nie geschont. Das kommt meinem Naturell auch sehr nahe.“ In der Bundesliga erzielte der mittlerweile 37-Jährige für die HSG Nordhorn, den TBV Lemgo und Flensburg-Handewitt 2429 Tore. Bei der SG erhält er im Sommer einen Job in der Geschäftsstelle. 2007 wurde Glandorf mit der deutschen Auswahl in Köln Weltmeister.

Martin Strobel (434 Bundesliga-Spiele/147 Länderspiele): „Martin“, sagt Müller, „war in den letzten Jahren als Spielmacher sehr dominant. So einen Typen wie ihn sehe ich im deutschen Handball auf der Mitte-Position zurzeit nicht.“ Gefürchtet war Strobel, der im Juni seinen 34. Geburtstag feiert, vor allem für seine gewaltigen Schlagwürfe. Von 2008 bis 2013 stand er in Lemgo unter Vertrag. Davor und danach lenkte er das Spiel in Balingen. Mit der DHB-Auswahl gelangen ihm zwei große Erfolge: 2016 holte sich mit dem Team zunächst EM-Gold, später gab es noch Olympia-Bronze in Rio.

Michael Haaß (433 Bundesliga-Spiele/120 Länderspiele): Genau wie Glandorf gehört er zu den Weltmeistern von 2007. Müller schätzte Haaß vor allem für seine Defensivqualitäten, sagt aber auch: „Er war ein guter Denker und Lenker.“

„Hassan“ oder „Hasi“, wie Kollegen und Freunde den 36-Jährigen rufen, übernimmt im Sommer das Traineramt beim fränkischen Erstligisten Erlangen. Dort endete auch die lange Bundesliga-Reise des gebürtigen Esseners. Seine Profi-Laufbahn begann bei Tusem Essen. Danach ging es einmal quer durch die Republik: Düsseldorf, Rhein-Neckar Löwen, GWD Minden, Frisch Auf Göppingen, SC Magdeburg, HC Erlangen.

Christoph Theuerkauf (486 Bundesliga-Spiele/57 Länderspiele): Der waschechte Magdeburger spielte nach seinem Abschied vom SC Magdeburg 2010 für Lemgo und Balingen. Beim TBV übernimmt er künftig eine Aufgabe in der Geschäftsstelle. „Theuer ist sehr ehrgeizig. Mit ihm kannst du aber auch immer viel Spaß haben“, lobt Müller den Kreisläufer, der bekanntlich den Schelm im Nacken sitzen hat.

Gefürchtet war Theuerkauf aber insbesondere, weil er seinen Körper am Kreis extrem gut einzusetzen wusste. Mit dem Nationalteam blieb ihm ein echter Triumph aber verwehrt. Seine Klasse bewies er trotzdem zum Beispiel beim 34:34 in der Vorrunde der EM 2010 gegen Slowenien, als ihm sieben Treffer gelangen.

Hintergrund: 

Auch Sigurdsson hört auf

Nach einem Vierteljahrhundert als Aktiver hat auch Islands Superstar Gudjon Valur Sigurdsson seine wohl einmalige Karriere beendet. „Nach 25 Jahren im Aktivenbereich und 21 Jahren in der Nationalmannschaft habe ich mich entschlossen, zurückzutreten“, schrieb Sigurdsson bei Instagram. Der Isländer spielte zuletzt in Paris. Titel holte Handball-Legende Sigurdsson, der 2008 mit Islands Nationalmannschaft in Peking Olympia-Silber gewann, auch in seiner Heimat, in Spanien, Dänemark und Deutschland. In der Bundesliga wurde der Linksaußen 2013 und 2014 mit dem THW Kiel sowie 2017 mit den Rhein-Neckar Löwen Deutscher Meister. Zudem triumphierte er 2015 mit dem FC Barcelona in der Champions League. Nun nimmt er Abschied.

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