DHB-Spitze gerät in Bedrängnis

EM-Nachnominierung von Finn Lemke soll anders abgelaufen sein als mitgeteilt

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Finn Lemke: Erst zum dritten Spiel gegen Mazedonien zur EM dazugestoßen

Kassel. Die Nachnominierung von MT-Spieler Finn Lemke soll anders abgelaufen sein als bisher bekannt. Erst durch eine Initiative der MT Melsungen soll es überhaupt geklappt haben, Lemke rechtzeitig nach Kroatien zu bringen.

Am kommenden Freitag zeigt sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft zum ersten Mal seit dem EM-Debakel von Kroatien wieder in der Öffentlichkeit. In Leipzig trifft sie beim Allstarspiel (ab 19 Uhr live im Free-TV bei Sky Sport News HD) auf eine Bundesliga-Auswahl. Dann wird Christian Prokop wieder als Bundestrainer auf der deutschen Bank Platz nehmen. Doch der Druck auf den 39-Jährigen wächst immer weiter.

Mittlerweile wurden weitere Details zur Personalie Finn Lemke bekannt. Wie die Handballwoche in ihrer Dienstagausgabe berichtet, ist die Nachnominierung des Abwehrchefs Lemke gänzlich anders abgelaufen, als der Deutsche Handballbund (DHB) in Zagreb erklärte. Es sei der Initiative der MT Melsungen und seinen Verantwortlichen zu verdanken, dass Lemke rechtzeitig zum dritten EM-Spiel gegen Mazedonien in Kroatien eintraf.

Informationen erst als Lemke schon in der Luft war

Dem Vernehmen nach ließ der DHB den Spieler komplett im Unklaren. Zudem waren im Verband nicht alle Verantwortlichen in diese Pläne involviert gewesen. „Erst als der Flieger mit Finn Lemke um 11.40 Uhr schon abgehoben hatte, meldete sich DHB-Sportvorstand Axel Kromer, der von der Nachnominierung zu diesem Zeitpunkt auch noch nichts wusste. Später dann auch noch Bob Hanning, da war allerdings schon alles erledigt“, wird Melsungens Manager Axel Geerken in einer Vorab-Information der Handballwoche zitiert.

Der MT-Vorstand erklärt in diesem Zusammenhang, Prokop scheine als Bundestrainer überfordert und sei schon jetzt verbrannt. Das Fachmagazin hatte schon vor ein paar Tagen mit Geerken Kontakt aufgenommen. „Ich bin gefragt worden und habe meine Meinung geäußert. Das Thema bewegt zurzeit alle – auch die Fans“, erläuterte der 45-Jährige gegenüber dieser Zeitung. Noch hat kein weiterer Manager derart eindeutig Position bezogen. Es wäre aber keine Überraschung, wenn in den nächsten Tagen nicht noch weitere Bundesliga-Geschäftsführer Kritik formulieren.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: "Keine Worte mehr"

Kritik von MT-Trainer: "Als Nationaltrainer verbraucht"

Unterstützung bekommt Geerken von Melsungens Coach Michael Roth: „Wenn jetzt nichts passiert, dann kann das fatale Folgen haben.“ Der Vize-Olympiasieger von 1984 betont, Prokop sei als deutscher Nationaltrainer verbraucht: „Wenn er jetzt auch nur einen kleinen Fehler macht, werden alle auf ihn drauf springen.“ Bei der MT trainiert Roth drei aktuelle Auswahlspieler: Julius Kühn, Tobias Reichmann und Finn Lemke. Am Rande des Allstar-Spiels in Leipzig wird das Präsidium des DHB zu einer lange anberaumten Vorstandssitzung zusammenkommen. Wie Ligaboss Uwe Schwenker bereits angekündigt hat, werden „wir offen und transparent einige Fragen stellen und diese beantworten“.

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