Saison 2020/21

Handball-Bundesliga: Start im Oktober mit Zuschauern

So soll es wieder werden: Ein Duell der Bundesliga-Nachbarn MT Melsungen und TSV Hannover-Burgdorf vor vollen Tribünen in der Rothenbach-Halle. Hier MT-Spieler Kai Häfner (Mitte) gegen Ilija Brozovic und vor Fabian Böhm.
+
Die Handball-Bundesliga soll im Oktober wieder starten. 

Die Handball-Bundesliga will am 1. Oktober in die neue Saison starten - mit Zuschauern. Am Corona-Hygienekonzept wird noch gearbeitet.  Davon hängt ab, ob und wie viele Zuschauer in die Hallen dürfen.

  • Aufgrund von Corona wurde die vergangene Handball-Saison vorzeitig abgebrochen
  • Am 1. Oktober soll die Saison der Bundesliga starten
  • Falls das Hygiene-Konzept ausreicht, dürfen auch wieder Zuschauer in die Hallen

Die Handball-Bundesliga will am 1. Oktober in die Saison 2020/21 starten – mit Zuschauern. „Nach reiflicher Abwägung halten wir am klassischen Saisonmodell fest“, erklärte Geschäftsführer Frank Bohmann am Mittwoch die Entscheidung des HBL-Präsidiums in Abstimmung mit den Klubs der ersten und zweiten Liga. Andere Varianten seien nicht ausreichend praktikabel, wirtschaftlich und fair.

Kann trotz der anhaltenden Corona-Krise tatsächlich am 1. Oktober in die Mammutsaison mit 20 Klubs, 38 Spieltagen, dem Final Four im DHB-Pokal, Europapokal, Länderspielen sowie EM-Qualifikation im November, WM in Ägypten im Januar, Olympia-Qualifikation sowie hoffentlich Olympischen Spielen im Sommer gestartet werden? Das entscheiden allein die Behörden. 

Handball-Bundesliga nach der Corona-Krise: Zuschauer in den Hallen ist das Ziel

HBL-Präsident Uwe Schwenker versicherte aber, dass „wir weiter alles in unserer Macht stehende unternehmen, um passende Rahmenbedingungen für die Aufnahme des Spielbetriebs mit Zuschauern zu ermöglichen. Das bleibt unser Ziel.“ Ebenso der Saisonabschluss der Handball-Bundesliga zum 30. Juni 21.

Die Saisoneröffnung mit dem Supercupspiel zwischen Meister THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt soll am 26./27. September im Düsseldorfer ISS-Dome stattfinden.

Die sehr „komplexe Saison“ werde allen „aufgrund der hohen Termindichte viel Flexibilität und Solidarität abverlangen“, sagt Bohmann. Dies hätten alle Beteiligten verinnerlicht. Und so ist auch Axel Geerken heilfroh, „dass wir jetzt ein konkretes Ziel haben, dass dieser Entschluss jetzt allen – Klubs und Mannschaften, aber auch Fans uns Sponsoren – als ein erstes wichtiges Signal Perspektiven aufzeigt“.

Axel GeerkenMT Melsungen

Handball-Bundesliga nach Corona: Hygienekonzepte werden entwickelt

Dem Vorstand der MT Melsungen ist wichtig, „dass der Sport nun schnell aus der Rolle des Reagierenden wieder in die Position des Agierenden kommt, um den Handball wieder nach vorn zu bringen“.

Geerken berichtet, dass in der HBL bereits seit Wochen parallel an sorgfältigen Konzepten gearbeitet wird, wie Corona-Hygiene- und Abstandsregeln in den Hallen umgesetzt werden können, damit Zuschauer zugelassen werden. „Im Trainingsbetrieb läuft es ja gut, auch beim Nachwuchs. Wir sind schon lange im engen Kontakt mit den Gesundheitsbehörden“, sagt Geerken.

Gleichwohl seien viele Fragen offen, beispielsweise die Quarantäneregelungen für ausländische Spieler und die Perspektiven des Kartenverkaufs. „Sobald das HBL-Konzept steht, werden wir auch mit den Behörden die nächsten Schritte planen.“ Einen ersten, recht groben Spielplan erhofft er schon kurzfristig.

Sven-Sören ChristophersenTSV Hannover-Burgdorf

Handball-Bundesliga nach Corona: 1. Oktober ist "größtmöglicher Konsens"

„Es ist gut, dass die Liga jetzt eine Entscheidung getroffen hat. Wir erhalten etwas an Klarheit, was für die nächsten Schritte sehr wichtig ist“, erklärte Eike Korsen, Geschäftsführer der TSV Hannover-Burgdorf. „Der Starttermin im Oktober ist unter allen Gesichtspunkten der größtmögliche Konsens.“ 

Auch Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen ist mit dem Termin für die Handball-Bundesliga nach der Corona-Krise zufrieden: „Wir werden Mitte Juli sukzessive mit der Aufnahme des Trainings beginnen. Dann haben wir rund zweieinhalb Monate Zeit zur Vorbereitung auf die neue Saison und können Verletzungen vorbeugen.“

Finn LemkeMT Melsungen

Finn Lemke genießt derweil angesichts der Perspektive einer Mammutsaison mit bis zu 80 Spielen noch jede freie Minute mit der Familie.

 „Aber ich bin froh, dass es jetzt Klarheit gibt, dass wir endlich ein Datum als festes Ziel haben“, sagt der MT-Kapitän. Trotz der Unwägbarkeiten sei „es doch gut für den Kopf, dass es wieder losgehen soll, dass wir auf diesen Tag jetzt hinarbeiten können“.  sam/sid/haz Archivfotos: A. Fischer/2, H.Anschütz/GSD

Kommentar zur Handball-Bundesliga nach Corona: Kampf ums Überleben 

„Ohne Zuschauer entfällt das Geschäftsmodell einer Profiliga.“ Hat Gernot Tripcke gesagt, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga. Im Klartext: Wenn niemand die Spiele der meisten Sportler sehen will oder sehen kann, dann sind diese entbehrlich, überflüssig, pleite.

Das Ziel der Handballer, Anfang Oktober in die neue Saison zu starten, eben mit Zuschauern, ist somit ein wichtiges Signal im Überlebenskampf nicht nur eines Sports, sondern eines Wirtschaftsbetriebs mit vielen Beschäftigten im Rampenlicht, in den Teams hinter den Teams, bei Zulieferern, Hallenbetreibern und Gastronomie. Ein Signal, das auch im Eishockey, Basketball und Volleyball genau beobachtet wird, ja Hoffnung weckt.

Aber: Der Plan der Handballer ist auch nicht mehr als die Aussage „wir wollen“. Ob sie tatsächlich im Oktober wieder spielen dürfen, bleibt womöglich noch lange Zeit ungewiss. Und der Plan wird vollends rasch Makulatur, wenn auch Unverbesserliche dafür sorgen, dass das Coronavirus wieder Raum greift. Das Geschehen in der Fleischindustrie, in den Göttinger Hochhäusern und bei Djokovics Tennisturnieren sollten Mahnung genug sein.

Ja, es geht ums Überleben des Handballs und der anderen professionellen Sportarten. Und egal, wie viele Zuschauer ab Oktober die Plätze besetzen können, 50 Prozent oder sogar mehr, die Chance auf Schadensbegrenzung lebt.

ger@hna.de

Von Gerald Schaumburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.