Interview

Handball-EM startet Donnerstag: Nationaltorwart Andreas Wolff: "Ich will die Spannung spüren"

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Ein exzellenter Rückhalt für das deutsche Team: Torwart Andreas Wolff. 

Am Donnerstag startet die Handball-EM in Norwegen, Österreich und Schweden. Beim deutschen Team steht Torwart Andreas Wolff im Fokus. Wir haben mit ihm gesprochen. 

  • Donnerstag (09.01.2020) startet die Handball EM in Norwegen, Schweden und Österreich.
  • Für die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht Andreas Wolff im Tor.
  • Im Interview spricht er über seine Vorfreude auf die EM.

Im Januar 2016 wurde er zum „Super-Wolff“. Mit Glanzparaden in Serie führte Torwart Andreas Wolff damals in Polen die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2016 zum Titelgewinn. Bei der anstehenden EM ist der 28-Jährige ein großer Hoffnungsträger der DHB-Auswahl

Wir haben vor dem Auftaktspiel am Donnerstag ab 18.15 Uhr (ZDF) gegen die Niederlande mit dem Schlussmann gesprochen. Wir berichten im Live-Ticker.

Herr Wolff, ist die Vorfreude auf die EM bei Ihnen noch einen Tick ausgeprägter als bei Ihren Kollegen?

Du freust dich immer auf ein großes Turnier und auf die Spiele mit der deutschen Mannschaft. Aber wenn du zwischendurch auch noch drei Wochen kein Handball gespielt hast, ist das ein Stückweit wie Sommerpause. Frei zu haben, ist schön. 

Doch du fragst dich dann schon, wann, zur Hölle, kann ich wieder trainieren und Handball spielen? Ich will die Spannung, ich will das Mannschaftsgefühl spüren. Deswegen freue ich mich vielleicht noch ein bisschen mehr, dass es losgeht.

Seit einem halben Jahr stehen Sie in Kielce unter Vertrag. Inwieweit kann die deutsche Mannschaft davon profitieren?

Da ich dort das Kapitänsamt bekleide, habe ich wichtige Erfahrungen gemacht. Ich habe eine andere Mentalität kennengelernt und bin menschlich weiter gereift. So kann ich einiges einbringen.

Wie wichtig war der Austausch mit Rechtsaußen Tobias Reichmann?

Natürlich redet man vor allem dann zusammen, wenn man ähnliche Erfahrungen macht. Ich erzähle ihm, wie ich es erlebe. Und er sagt mir, was zu seiner Zeit in Kielce genauso oder anders war.

Reichmann war vor der Heim-WM kurzfristig aus dem Kader gestrichen worden. Was sagen Sie zu seiner Nominierung?

Es ist ja bekannt, dass wir privat gut befreundet sind. Deswegen ist es sowohl sportlich als auch menschlich schön für mich, dass er dabei ist. Tobi hat zum einen eine große sportliche Qualität, zum anderen ist er auch ein emotionaler Leader im Team. Ich erinnere an die EM 2016. 

Da hatte er nicht nur eine Top-Quote, sondern manövrierte die Mannschaft mit seinen fantastischen Sprüngen immer wieder aus der einen oder anderen ungünstigen Situation heraus. Er kann ein sehr wichtiger Spieler für uns werden. Auf seiner Position gehören wir zu den besten Teams in der Welt.

Tobias Reichmann sagt wiederum, dass Sie sofort den Mund aufmachen, wenn es mal nicht im Team läuft.

(lacht): Das kann Tobi aber auch ganz gut.

Es gibt insbesondere für den deutschen Angriff einige Ausfälle zu beklagen - von Fabian Wiede bis zu Steffen Weinhold. Inwieweit kommt dem Deckungsspiel noch mehr Bedeutung zu?

Zunächst einmal müssen wir den Fokus darauf legen, dass wir diese Verluste in der Offensive kompensieren. Und ich finde, dass wir die Qualität von David Schmidt zum Tragen bringen müssen. Er hat in der Bundesliga gezeigt, dass er gut drauf ist.

Aus meiner Sicht lohnt auch in diesem Zusammenhang ein Rückblick auf die Europameisterschaft 2016. Damals bestritten auch einige Jungs ihr erstes großes Turnier, bewiesen dann aber, warum sie allwöchentlich Top-Leistungen in der Bundesliga geboten haben. Warum sollte nicht auch jetzt bei der EM ein Spieler eine Initialzündung haben?

Welche Rolle trauen Sie Ihrem Team zu?

Unser Bundestrainer Christian Prokop ist dafür da, dass er die Erwartungshaltung etwas bremst. Aber das ist nicht mein Job und passt auch nicht zu meinem Charakter. Für mich gibt’s immer nur Siegen. Meine Zielvorgabe ist es, das Turnier zu gewinnen.

Haben Sie die Olympia-Qualifikation im Hinterkopf?

Überhaupt nicht. Ich kann auch nur jedem meiner Mitspieler raten, den Fokus auf die EM zu legen. Schließlich haben wir die Chance, ein ganz tolles Turnier zu spielen und eine Medaille zu holen.

Inwieweit werden die Reisestrapazen den Turnierverlauf beeinträchtigen?

Die Reisen hast du bei jedem Turnier. Dass sie jetzt etwas länger werden, ist ärgerlich. Es wäre besser gewesen, wenn wir nur in Norwegen und Schweden hätten spielen müssen.

Mit Johannes Bitter haben Sie einen neuen Torwartkollegen. Wie kommen Sie miteinander zurecht?

Ich war von seiner Berufung nicht überrascht, weil ich Jogis Leistung in der Bundesliga verfolgt habe. Er hat nicht nur in dieser Saison sehr stark gespielt. Und Jogi kann aufgrund seines Charakters und seiner sportlichen Fähigkeiten der Mannschaft etwas geben. 

Wir hatten bislang noch nicht so viel persönlichen Kontakt zusammen, die Eindrücke, die ich aber bekommen habe, waren durchweg positiv. Es passt bei uns sportlich wie menschlich.

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