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Handballer gewinnen letzten WM-Test gegen Island – Bangen um Häfner

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Von: Björn Mahr

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In glänzender Form: Deutschlands Nummer eins Andreas Wolff ballt hier nach einem gehaltenen Ball im Testspiel in Hannover gegen Island die Faust.
In glänzender Form: Deutschlands Nummer eins Andreas Wolff ballt hier nach einem gehaltenen Ball im Testspiel in Hannover gegen Island die Faust. © Axel Heimken/dpa

Die deutschen Handballer gewinnen im letzten Test vor der WM in Polen und Schweden gegen Island 33:31.

Hannover – Es hätte kurz vor Ende eng werden können für die deutschen Handballer. Beim Stand von 32:30 unterlief ihnen im letzten Test vor der WM in Polen und Schweden gegen Island im Angriff ein leichter Ballverlust. Aber Bjarki Mar Elisson scheiterte in der mit 10 043 Zuschauern ausverkauften ZAG-Arena in Hannover an Andreas Wolff.

Es war die 14. Parade des Schlussmanns an diesem Nachmittag, der damit beim 33:31 (19:14)-Erfolg zu einem der Sieggaranten avancierte. Neben Mittelmann Juri Knorr, dem sage und schreibe 13 Treffer gelangen.

Nicht wieder verlieren

„Wir sollten die Bälle flach halten. Man muss auch wissen, dass bei den Isländern im zweiten Test zwei wichtige Spieler gefehlt haben“, stellte Knorr nüchtern fest. Im ersten Vergleich des Wochenendes waren die Deutschen trotz zwischenzeitlicher 23:17-Führung am Vortag in Bremen den Isländern noch mit 30:31 (18:17) unterlegen. Erste Vorgabe also für die Begegnung in der ZAG-Arena: nicht wieder verlieren. Es ließ sich auch ganz ordentlich an.

Deutscher Torjäger: Juri Knorr.
Deutscher Torjäger: Juri Knorr. © Axel Heimken/dpa

Weil Spielmacher Knorr das tat, was ihm in dieser Bundesliga-Saison auch vortrefflich bei den Rhein-Neckar Löwen gelingt: klug Regie führen und Siebenmeter verwandeln. Und weil Torwart Wolff mehrere freie Würfe parierte – eine echte Nummer eins eben. „Andi war sehr gut“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason seinen Keeper.

„Es gibt aber noch vieles besser zu machen“

Dass die Gäste aus Nordeuropa mit drei Spielern mit dem Nachnamen Kristjansson antraten, stiftete keine Unruhe im Team um Kapitän Johannes Golla. Nur einmal geriet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gegen das Team des ehemaligen Melsunger Coaches Gudmundur Gudmundsson im ersten Abschnitt in Rückstand. Nachdem Kai Häfner noch zum 7:6 getroffen hatte, war der Kontrahent per Doppelschlag zum 8:7 erfolgreich.

Anschließend übernahm aber der Gastgeber zusehends das Kommando. Knorr, Patrick Groetzki (2) und Christoph Steinert stellten auf 14:9. Nach zwölf teilweise fantastischen Paraden in Hälfte eins nahm Wolff zum zweiten Durchgang auf der Bank Platz und räumte vorübergehend seinen Kasten für Joel Birlehm. „Wir nehmen vieles aus den beiden Partien mit. Es gibt aber noch vieles besser zu machen“, erklärte Gislason.

Häfner humpelte in der 48. Minute vom Feld

Wie schon am Vortag verspielten die Deutschen recht schnell einen komfortablen Vorsprung. In der 40. Minute glich Island durch den starken Rechtsaußen Sigvaldi Gudjonsson zum 23:23 aus. Und das, obwohl der Gegner auf die Superstars Aron Palmarsson sowie Omar Ingi Magnusson verzichtete und Torjäger Bjarki Mar Elisson erst spät eingewechselt wurde.

Birlehm, trotz eines abgewehrten Strafwurfs, wurde wieder durch Wolff ersetzt. Prägende Figur im deutschen Spiel war weiterhin der erst 22-jährige Knorr. In der 48. Minute dann eine Schrecksekunde für das DHB-Team: Häfner humpelte vom Feld, nachdem er ausgerechnet mit seinen Melsunger Vereinskameraden Elvar Örn Jonsson und Arnar Freyr Arnarsson zusammengeprallt war.

Er ließ sich erst behandeln und verfolgte dann den Rest der Begegnung aus Reihe eins. „Es war Knie auf Knie“, erklärte Häfner beim Gang in die Kabine und hofft, dass er nur ein paar Tage mit dem Training aussetzen muss. „Es scheint nur eine Prellung im rechten Knie zu sein“, sagte Gislason später.

Das deutsche Team startet am Freitag gegen Katar in die WM

Die WM beginnt am Mittwoch mit der Partie zwischen Gastgeber Polen und Frankreich. Für die deutsche Mannschaft geht es dann am Freitag ab 18 Uhr (ZDF) in Kattowitz gegen Katar los. Am Donnerstag steigt sie ins Flugzeug Richtung Polen. Immerhin im Gepäck: ein Sieg gegen Island.

In Hannover: Deutschland - Island 33:31 (19:14) Deutschland: Birlehm (Rhein-Neckar Löwen), Wolff (Kielce) - Knorr (RN Löwen) 13/8, Köster (Gummersbach) 5, Golla (Flensburg-Handewitt) 3, K. Häfner (Melsungen) 3, Kohlbacher (RN Löwen) 3, Groetzki (RN Löwen) 2, Steinert (Erlangen) 2, Mertens (Magdeburg) 1, Weber (Magdeburg) 1, Dahmke (Kiel), Drux (Berlin), Ernst (Leipzig), M´Bengue (Bergischer HC), Witzke (Leipzig), Zechel (Erlangen), Zerbe (Lemgo) In Bremen: Deutschland - Island 30:31 (18:14). Deutschland: Birlehm, Wolff - Golla 6, Knorr 6/3, K. Häfner 5, Ph. Weber 4, Groetzki 2, Steinert 2, Dahmke 1, Kohlbacher 1, Köster 1, Witzke 1, Zerbe 1, Drux, Ernst, Mertens, M´Bengue, Zechel

Kommentar: Wieder mal Gänsehaut

Mitreißend. Stimmungsvoll. Und teilweise auch emotional. Die einzigen beiden WM-Tests der deutschen Nationalmannschaft waren Handball-Festtage. Die Spieler, die heute vor einem Jahr in Wetzlar bei der EM-Generalprobe gegen Frankreich noch vor einer Geisterkulisse auflaufen mussten, werden die Gänsehaut-Atmosphäre am vergangenen Wochenende bis in die kleinste Pore ihres Körpers genossen haben. Als Kapitän Johannes Golla in Hannover zu seinem 50. Länderspiel ausgezeichnet wurde, wurde es verdammt laut unterm Dach der Halle auf der Expo-Plaza.

Die Auftritte in den ausverkauften Arenen in Bremen und Hannover werden dem Team zudem den nötigen Rückenwind für die in dieser Woche beginnende Weltmeisterschaft in Polen und Schweden geben.

Sportlich war es gegen die Isländer nur bedingt erfolgreich. Es ist deutlich geworden, dass das deutsche Team über eine gute Startsieben verfügt. Aber es fehlt der DHB-Auswahl an der nötigen Qualität in der Breite. Speziell mit ihrer Aufbaureihe stößt die Mannschaft spielerisch schnell mal an ihre Grenzen. Vieles wird somit von Torwart Andreas Wolff abhängen, der als Profi des polnischen Topklubs Kielce – so die Hoffnung vieler Fans – in seiner Wahlheimat groß aufdrehen soll. So wie am vergangenen Wochenende. (Björn Mahr)

Ole Pregler trifft für deutsche Junioren

Bei einem Vier-Länder-Turnier für U21-Nationalteams in Niedersachsen zeigte auch ein Melsunger Handballer sein Können. Ole Pregler, seit 2021 an den VfL Gummersbach ausgeliehen, steuerte sieben Treffer zum Gesamtsieg der deutschen Junioren bei. Das DHB-Team gewann 43:24 gegen Portugal, 43:22 gegen Spanien und 35:23 gegen Frankreich. 

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