Wildungens Trainerin Bremmer im Interview

Heim-WM: „Deutsche Frauen sind physisch stärker als Holland“

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Zwischen den Stühlen: Vipers-Trainerin Tessa Bremmer, hier bei taktischen Anweisungen an ihr Team. 

Deutschland gegen Holland - ein Klassiker. Heute (18 Uhr, live bei Sport 1) geht es aber nicht um Fußball, sondern um die WM im Frauenhandball.

Dieses Duell im Handball löst andere Emotionen aus, natürlich. Rivalität ja - aber mehr unter Freundinnen. Das geht sogar so weit, dass eine Niederländerin nicht richtig weiß, zu wem sie bei diesem WM-Duell in Leipzig eigentlich halten soll. 

Tessa Bremmer (34), Trainerin des Bundesligisten HSG Bad Wildungen Vipers, ist gespalten in dieser Frage.

Die deutschen Handballerinnen treffen im Gruppenspiel auf die Niederländerinnen. Wo schauen Sie sich dieses Spiel an?

Tessa Bremmer: Natürlich in der Halle. Wir fahren mit der ganzen Mannschaft nach Leipzig.

Sie wohnen schon rund 15 Jahre in Deutschland, sind mit einem deutschen Mann verheiratet. Für wen schlägt am Freitag ihr Handballherz?

Bremmer: Ich muss zugeben, dass das für mich richtig schwierig ist. Holland ist mein Heimatland, dort kommt auch die Handball-Philosophie her, die ich vertrete. Es gibt noch einige Spielerinnen im Team, die ich persönlich kenne und ich habe durch die fünf holländischen Spielerinnen in Wildungen auch guten Kontakt zur Nationaltrainerin. Aber auf der anderen Seite spielt in der deutschen Mannschaft meine beste Freundin, Nadja Månsson von Borussia Dortmund. Außerdem habe ich Deutschland viel zu verdanken, ich durfte in der Bundesliga spielen und dort jetzt Trainerin sein. Ich kann wirklich nicht sagen, für welche Mannschaft ich bin.

Befürchten Sie ein Spiel mit angezogener Handbremse, weil sich beide Teams bereits für das Achtelfinale qualifiziert haben?

Bremmer: Nein, auf keinen Fall. Es geht für beide Teams noch um eine gute Gruppenplatzierung. Ich bin mir sicher, dass es ein hart umkämpftes Spiel wird.

Frauenhandball in Holland

Welchen Stellenwert besitzt der Frauenhandball in den Niederlanden?

Bremmer:Handball ist im Moment eine der großen Sportarten in Holland, er hat sich extrem schnell entwickelt, natürlich auch durch mehr Medienaufmerksamkeit. Alle Spiele der Nationalmannschaft werden live im Fernsehen übertragen, hinzu kommt jetzt bei der WM täglich eine Stunde Interviews, Vorschauen und Nachbesprechungen. Der Verband hat den Erfolg gut ausgenutzt. Jedes Länderspiel, auch ein Testspiel, ist innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft und da kommen rund 6000 Zuschauer. Ich hoffe nun, auf den gleichen Effekt in Deutschland durch diese WM und einem starken Team, das viel Sympathie ausstrahlt. Es geht darum, die gestiegene Popularität auch nach dem WM-Turnier zu halten, auch durch Werbeauftritte oder Einladungen zu Talkshows.

Sie kennen die Spielerinnen auf beiden Seiten. Wer ist die bessere Mannschaft?

Bremmer: Das ist schwierig, ich denke, das ist 50:50. Vielleicht hat Holland die besseren Einzelspielerinnen, aber sie bringen derzeit noch nicht ihre Topleistungen. Deutschland ist gut gestartet, und die Spielerinnen sind schon mehr in einer Turnierstimmung, die ganz wichtig ist. Holland startet meist schlecht in ein Turnier und steigert sich. Deshalb kann das Team am Ende des Turniers auf einem höheren Level sein als Deutschland.

Was unterscheidet die holländischen Handballerinnen von den deutschen Kolleginnen?

Bremmer: Holland spielt schneller, dynamischer und ist technisch besser ausgebildet, dafür ist Deutschland psychisch stärker und kann deutlich mehr Tore aus dem Rückraum erzielen.

Deutschland hat den Heimvorteil. Wie bewerten Sie diesen Umstand?

Bremmer: Von den Zuschauern her dürfte es kein Vorteil sein, denn die Hälfte davon werden Holländer sein. Ich hatte allerdings viel Kontakt mit den Mädels der deutschen Nationalmannschaft – und die Stimmung bei denen ist richtig gut. Das ist gerade bei einem Turnier wichtig.

Wie geht das Spiel aus?

Bremmer: Die Deutschen gewinnen mit zwei Toren Vorsprung.

Zur Person: Tessa Bremmer

Tessa Bremmer wurde am 5. Juli 1983 in Amstelveen (Niederlande) mit dem Nachnamen Cocx geboren. Sie ist mit dem Zahnarzt Dr. Christoph Bremmer verheiratet. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder. Die Kreisspielerin trug in den Niederlanden das Trikot von Hellas Den Haag, in Deutschland spielte sie für die HSG Blomberg-Lippe, Borussia Dortmund, DJK/MJC Trier und ab 2011 für die HSG Bad Wildungen. Dort wurde sie 2014 Cheftrainerin. Bremmer bestritt 36 Länderspiele für die Niederlande (41 Tore).

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