Christian Prokop

Einer, der das Rampenlicht nicht sucht: Porträt des Handball-Bundestrainers

Immer fokussiert auf seine Arbeit: Bundestrainer Christian Prokop. Foto: dpa

Kassel. Die deutschen Handballer steigen bei der EM in Kroatien am Samstag ins Geschehen ein. Besonders ein Mann wird beim Auftaktspiel im Blickpunkt stehen: Christian Prokop. Für den 39-Jährigen ist es das erste Turnier als Bundestrainer.

Es ist der 3. Februar 2017. Da stehen sie nun. Seite an Seite. Arm in Arm. Rechts Dagur Sigurdsson, links Christian Prokop. Rechts der scheidende, links der zukünftige Handball-Bundestrainer. Auf dieses Bild haben die Kameraleute gewartet. Sigurdsson, der Europameister-Trainer von 2016, klopft seinem designierten Nachfolger zum Abschied auf die Schulter und wünscht ihm für dessen Arbeit schon mal alles Gute. Und Prokop? Der wünscht sich - so wie es scheint - vor allem eines: bloß schnell wieder raus aus dem Rampenlicht.

Ja, Prokop scheut im Gegensatz zu seinem Vorgänger gern die große Bühne. Auch fast ein Jahr nach seiner Vorstellung beim Allstar-Spiel in Leipzig hat sich daran nicht wirklich etwas geändert. Als er sich im Vorfeld der Handball-EM in Kroatien viele Bundesliga-Spielen live anschaute, machte er um seine Person stets wenig Aufhebens. Gespräche mit seinen Nationalspielern? Fanden fernab von Fans und Fotografen statt. Und wenn er doch entdeckt wurde - dann bat er höflich um Unverständnis: „Ich bin nur als Zuschauer hier.“

Wir stellen Ihnen diesen Mann etwas genauer vor:

Prokop, der Arbeiter

„Er ist mit viel Freude dabei, aber immer auch fokussiert“, sagt Mark Schober, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Handball-Bundes (DHB), über den 39-Jährigen. Dann schiebt Schober nach: „Und er achtet sehr auf Details.“ Wo andere Trainer schon zufrieden sind, dass ihr Deckungsspieler bei der Abwehrarbeit einen Schritt nach vorn macht, erklärt Prokop seinem Verteidiger auch noch gleich, wie die folgenden drei Schritte sein müssen. Und damit es der Akteur auch versteht, wiederholt er es so oft, bis dieser es verinnerlicht hat. Manchmal soll er den Spielern mit dieser Detailverliebtheit auch schon mal ein bisschen auf die Nerven gehen.

Prokop, der Planer

Ob es das nächste Spiel oder das nächste Turnier ist - Christian Prokop hat stets klare Vorstellungen von dem, was er will. So überlegt er sich genau, welcher Handballer in seinem Kader am besten zu diesem oder jenen Gegenspieler passt.

Prokop, der Unerfahrene

Er ist erst 39 - der jüngste Bundestrainer, den Deutschland bislang hatte. So ist es kein Wunder, dass Christian Prokop in manchen Situationen noch keine so glückliche Figur macht. Im Fall von Abwehrchef Finn Lemke, den er überraschend vor der EM aussortierte, hat er die Tragweite seiner Entscheidung wohl etwas unterschätzt. Einige Fachleute vermuten, dass diese Personalie noch für einigen Diskussionsstoff sorgen kann. Schon die Verpflichtung Prokops ging nicht geräuschlos vonstatten. Der DHB musste die Rekordablöse von 500 000 Euro an den SC Leipzig überweisen, um den Handball-Lehrer aus einem laufenden Vertrag beim Bundesligisten herauszukaufen.

Prokop, der Pechvogel

Er war ein großes Talent. Doch dann verletzte sich der Rückraumstratege 1999 in einem Länderspiel der B-Mannschaft gegen Ägypten schwer am linken Knie. Davon erholte er sich nie wirklich. Um seine Laufbahn zu retten und das lädierte Knie zu schonen, stellte er sich um: vom Rechts- zum Linkshänder. So konnte er mit dem rechten Bein abspringen. 2003 war dennoch Schluss, Heimatverein HG Köthen die letzte Station als Spieler. Mit 25 Jahren wurde Prokop Trainer.

Prokop, der Familienmensch

Am 23. Dezember 2016, einen Tag vor seinem 38. Geburtstag, heiratete Prokop seine langjährige Freundin Sabrina. Sie haben zwei Kinder: Anna und Luca. Ansonsten spielt Vater Heinz eine wichtige Rolle im Leben von Christian Prokop. Denn er war nicht nur früher sein Trainer, sondern gibt ihm auch heute noch Tipps. Die Eltern werden zur moralischen Unterstützung nach Kroatien reisen. Klar, es ist das erste große Turnier für ihren Sohn.

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