Ex-Bundesligaprofi Kelentric hat nun zwei Standbeine

Unterwegs in Kroatien bei der Handball-EM: Ein Kaffee bei einem Weltmeister

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Pariert einen Strafwurf: Der Torhüter der MT Melsungen, Mario Kelentric, beim Spiel gegen den SC Magdeburg am 8. Oktober 2010.

Zagreb. 2003 holte er mit seinem Team die WM-Goldmedaille, nach seiner aktiven Karriere hat sich Mario Kelentric in seiner Heimat mit einem Café ein zweites Standbein aufgebaut. Ein Besuch im Café des Weltmeisters.

Eine Straße ohne Café? In Zagreb erscheint das fast undenkbar. Der Kroate trinkt Kaffee gefühlt zu jeder Tageszeit. Selbst in einem der Vororte ist es nicht selbstverständlich, in einem der zahlreichen Cafés ein Plätzchen zu bekommen. In der Straße Ivane Brlic Mazuranic, im Westen der kroatischen Metropole gelegen, sind in der kleinen Caffe Bar TG im Erdgeschoss keine Plätze mehr frei. Nur auf der Empore, die die Gäste über eine schmale Treppe erreichen, ist an diesem Sonntagmittag noch ein Tisch unbesetzt.

Der Besuch in diesem Café entsprang einem Tipp eines Bekannten. Denn: Der Inhaber ist ein wahrer Handball-Weltmeister. Mario Kelentric gewann mit der Mannschaft seines Heimatlandes 2003 in Portugal WM-Gold. Danach machte er Karriere in der Bundesliga: 2004/05 stand er für Traditionsklub Tusem Essen im Tor, und von 2007 bis 2012 war er die Nummer eins beim deutschen Erstligisten MT Melsungen und dabei einige Zeit Kapitän des Teams.

Kaffeetrinken mit Zagrebs Spielern: der Melsunger Ex-Torwart Mario Kelentric (Zweiter von rechts) in seiner Caffe Bar TG mit Tonci Valcic (vorn links), dem kroatischen EM-Teilnehmer Zlatko Horvat sowie Dobrivoje Markovic.

Von Mario Kelentric ist hier auf etwa 70 Quadratmetern nichts zu sehen. "Er ist in Makarske, im Süden Kroatiens, im Trainingslager", sagt Ana, die Bedienung im TG. Der mittlerweile 44-Jährige spielt nicht mehr selbst, arbeitet aber beim Champions-League-Vertreter RK Zagreb als was? Natürlich als Torwarttrainer. Am Telefon erzählt Kelentric, dass er das Café 2012 eröffnet hat – seitdem er aus Deutschland weg ist. Fotos aus seiner langen Laufbahn sucht man hier vergebens. "Das ist keine Sportsbar", sagt der Ex-Profi lachend. Immerhin: An dem Kühlschrank hinter der Theke klebt ein Poster der RK-Mannschaft. Da ist Kelentric mit drauf, der vor 26 Jahren aus Gradacac im heutigen Bosnien-Herzegowina nach Zagreb kam und für das Leben in dieser Stadt nur ein Wort findet: "Perfekt."

"Ich bin auch für den Torwart-Nachwuchs verantwortlich, von A- bis C-Jugend", berichtet der Ex-Keeper. Im Kader der kroatischen Nationalmannschaft bei der Handball-EM im eigenen Land stehen zwei ehemalige Schützlinge von ihm: Filip Ivic (Kielce/Polen) und Ivan Stevanovic (Schaffhausen/Schweiz).

In seinem eigenen Laden in der Ulica Ivane Brlic Mazuranic arbeitet Kelentric selbst nicht. Er ist aber regelmäßig mit den Spielern und Verantwortlichen von RK Zagreb dort. Zum Kaffeetrinken, versteht sich.

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