Handballer auf dem Weg ins EM-Halbfinale? Analyse mit MT-Trainer Roth

Gibt die Richtung vor: Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Foto:  dpa

Kassel. Für die deutschen Handballer beginnt am Freitag mit der Partie gegen Ungarn die Hauptrunde der Europameisterschaft (18.15 Uhr/ZDF). Was ist von dem Team zu erwarten? Eine Analyse mit MT-Trainer Michael Roth.

Die deutschen Handballer sorgen bei der Europameisterschaft in Polen weiter für Furore. Mit der bislang stärksten Turnierleistung beim 25:21 am Mittwoch gegen Slowenien zog die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson souverän als Gruppenzweiter in die Hauptrunde ein. Führt der Weg nun sogar ins Halbfinale? Zuzutrauen sei es der jungen Truppe allemal, sagt Michael Roth, der Trainer des Bundesligisten MT Melsungen.

Dafür muss die DHB-Auswahl in ihrer Gruppe mindestens Zweiter werden. Am Freitag ist Ungarn erster Hauptrunden-Gegner (18.15 Uhr/ZDF), dann geht es am Sonntag gegen Russland (18.15 Uhr/ARD) und am Mittwoch gegen Dänemark (18.15 Uhr/ARD).

Was die deutschen Handballer bisher ausgezeichnet hat, und was von ihnen zu erwarten ist:

Der Grundstein

Für Michael Roth liegt die Basis des Erfolgs in der guten Abwehrarbeit. „Wie sich die Spieler in der Defensive präsentieren, ist beeindruckend“, sagt der Handballlehrer. Die Variabilität sei ein großes Plus. Roth zieht überdies den Hut vor Sigurdsson. Endlich habe die Nationalmannschaft wieder einen Trainer mit Erfahrung, der sich in der Bundesliga auskennt.

Als Beispiel für das „gute Coaching“ nennt der MT-Trainer das Spiel gegen Schweden. Die Abwehr taktisch umzustellen und in der offenen 4-2-Variante decken zu lassen, sei nicht nur ein cleverer Schachzug gewesen. „Dazu gehört auch jede Menge Mut“, sagt Roth. Sigurdsson reagiere bislang hervorragend auf unterschiedliche Spielsituationen.

Die Überraschung

Dass Andreas Wolff von der HSG Wetzlar derartig einschlage, hatte Roth nicht auf dem Zettel. Der Torwart habe mit seinen tollen Leistungen die Entscheidung Sigurdssons bestätigt, nicht auf Silvio Heinevetter zu setzen. Eine weitere positive Erscheinung ist für Roth der Kieler Christian Dissinger im linken Rückraum. „Er ist 24 Jahre alt. In kurzer Zeit hat er eine wichtige Rolle eingenommen. Das ist schon beachtlich.“

Das Potenzial 

Melsungens Trainer sieht das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Im Angriff gäbe es Luft nach oben. Roth sagt aber auch: „Ein System ist erkennbar. Nur die Fehler müssen abgestellt werden.“ Allerdings sei es bei so einer jungen Mannschaft ganz normal, dass sich hier und da mal Ungenauigkeiten einschleichen. Wichtig sei, dass die Truppe engagiert zu Werke gehe. Der 53-Jährige formuliert es so: „Vorne wird nicht rumgeeiert. Da ist Zug drin. Das war auch schon mal anders.“

Gerade weil die Mannschaft so jung ist, hätten die Spieler keine Konditionsprobleme, sagt Roth: „Außerdem hat Sigurdsson gut durchgewechselt.“ Insofern könne der Faktor Fitness zu einem dicken Plus für das deutsche Team werden.

Die Gegner

Ungarn und Russland seien unangenehme Gegner, doch auf Augenhöhe: „Die kriegen Probleme, wenn man Druck aufbaut“, sagt Roth. Ein Vorteil könne der Spielplan sein. Das DHB-Team müsse nicht umziehen, behalte seinen Rhythmus bei, und zudem hätten die Dänen vor der letzten Partie keinen Tag Pause. Womöglich seien die Skandinavier dann auch schon fürs Halbfinale qualifiziert. Für Roth ist Dänemark die härteste Aufgabe in der Gruppe.

Die Begeisterung

Es mache Spaß, dieser Truppe zuzusehen, sagt Roth. „Die Mannschaft strotzt vor Teamgeist. Das ist absolut positiv.“ Sie strahle Selbstvertrauen aus und könne nun befreit aufspielen. Am besten direkt gegen Ungarn.

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