Verschuldeter Handballmeister

Insolvenz und Zwangsabstieg: HC Leipzig am Ende

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Der HC Leipzig steigt wegen der Insolvenz in die 3. Liga ab. Foto: Jan Woitas

Vor acht Tagen tönte HCL-Manager Hähner noch: Die geforderten 600 000 Euro seien unstrittig. Nun steht fest: Der HC Leipzig bekam sie nicht zusammen, meldet Insolvenz an und steigt in die 3. Liga ab. Als Nachrücker freut sich der HC Rödertal.

Leipzig (dpa) - Der HC Leipzig ist am Ende. Nach einem wochenlangem Existenzkampf mit Versprechungen und neuen Hoffnungen steht der Zwangsabstieg des sechsmaligen deutschen Handball-Meisters der Frauen und siebenmaligen Pokalsiegers unumstößlich fest.

Der HCL konnte die notwendige Zahlung von 600 000 Euro bis Freitag nicht nachweisen, meldet Insolvenz an und muss nun in der 3. Liga einen schweren Neuanfang starten. "Wir haben alle dran geglaubt und hatten Vertrauen in die Vereinsführung, dass es klappt. Die Enttäuschung ist riesig, das zieht einem den Boden unter den Füßen weg", sagte Trainer Norman Rentsch unmittelbar nach Bekanntwerden der Insolvenz samt Zwangsabstieg.

Sogar ob es überhaupt weitergeht, ist noch unklar. In den vergangenen Wochen wendeten sich bereits alle Leistungsträgerinnen von dem Verein ab, der mit 1,3 Millionen Euro verschuldet ist. Zudem könnte Leipzig bei einer Insolvenzanmeldung in der laufenden Saison erst wieder für die Spielzeit 2019/2020 einen Lizenzantrag für die 2. Liga stellen. Für den HCL rückt der HC Rödertal bei Dresden nach.

Noch vor gut einer Woche schien der HCL den Zwangsabstieg abgewendet zu haben. Bei der Verhandlung vor dem unabhängigen Schiedsgericht des Deutschen Handball-Bundes wurde dem HCL die Erstliga-Lizenz unter der einen, letztlich aber entscheidenden 600 000-Euro-Bedingung erteilt. Zuvor hatte die Handball Bundesliga Frauen HBF den Leipzigerinnen die Spielberechtigung verweigert, es folgte ein Einspruch, der vom HBF-Vorstand abgewiesen wurde und der Gang vors Schiedsgericht.

Danach hatte Manager Kay-Sven Hähner getönt: "Die Erfüllung der Auflage ist unstrittig. Sie war auch vorher schon unstrittig. Wir erfüllen sie." Unstrittig ist acht Tage später, dass er als Manager und der HCL als Verein sie nicht erfüllen konnte.

Das Rettungskonzept hatte 600 000 Euro durch neue Sponsoren, 100 000 Euro durch Gläubigerverzichte, 200 000 Euro durch die Stadt Leipzig und 100 000 Euro vom eigens eingerichteten Spendenkonto vorgesehen. Auch dieser Last-Minute-Rettungsplan ging nicht auf. Damit reiht sich das einstige sportliche Aushängeschild Leipzigs in die Liste anderer klangvoller Namen des deutschen Frauen-Handballs ein, die Geschichte geworden sind wie der TuS Walle Bremen oder TV Lützellinden.

Hähner muss sich den Vorwurf der Misswirtschaft gefallen lassen, er war der Alleinentscheider. Über Jahre häuften sich Schulden von über einer Millionen Euro an. Teilweise wurden Gehälter seit Januar nicht gezahlt und stehen noch immer aus. "Ich habe meine Anteile daran, dass die Situation so ist, wie sie ist", hatte er vor Wochen bei Offenlegung der Misere zugegeben. Doch auch die Kontrollgremien hätten angesichts der Bilanzen schon früher einschreiten müssen.

Die Leidtragenden sind Spielerinnen, Trainer und Betreuer. Er sei froh, dass es für einige Spielerinnen einen Plan B gebe, sagte Coach Rentsch mdr.de. Sie würden möglicherweise in Rödertal spielen. Er selbst führte nach eigenen Angaben keine Gespräche mit anderen Clubs, obwohl ihm Offerten auch aus dem Ausland vorgelegen haben sollen.

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