Was jemand erlebt, der einen königsblauen Namen hat, aber doch der Borussia die Daumen drückt

Herr Schalke ist ein Dortmund-Fan

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Dortmund-Fan: Joachim Schalke aus Lohfelden mit den Trikots von Schalke und Dortmund, die uns der Fan-Point Kassel für das Foto zur Verfügung gestellt hat.

Kassel. Er sagt: „Wenn Menschen Ahnung von Fußball haben, schmunzeln sie, wenn sie meinen Namen hören.“ Er heißt Schalke, Joachim Schalke. Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Denn Joachim Schalke stammt aus Dortmund, er drückt der Borussia die Daumen. In der Jugend hat er sogar für sie Fußball gespielt. „Wenn die Leute das hören, dann lachen sie herzhaft.“

Herr Schalke ist für Dortmund – auch am Sonntag, wenn das Revierderby zwischen dem BVB und den Königsblauen ansteht. Da geht Joachim Schalke zu seinem Nachbarn in Lohfelden und schaut das Spiel live im Bezahlfernsehen an. „Ich bin dann mit Leib und Seele dabei.“

„Mit Leib und Seele“ ist die Lieblingsformulierung des 68-Jährigen, der spricht wie ein Dortmunder. Oder Schalker. Mit Leib und Seele wohnt er seit den 80er-Jahren in Nordhessen, mit Leib und Seele erzählt er die Anekdoten, die mit seinem Namen zusammenhängen – und die oft auf einem großen Missverständnis beruhen.

So wie damals, als er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Lohfelden kam, weil er eine Arbeitsstätte als Vorstand bei den Großalmeroder Thonwerken angenommen hatte. Die beiden letzten Ziffern der neuen Telefonnummer: 04. Womöglich wollte die Post ihm einen Gefallen tun, weil sie angenommen hatte, Herr Schalke müsste auch Fan des FC Schalke 04 sein.

Radiosender ruft an

Als dieser FC Schalke 1997 im Finale des Uefa-Cups stand, bekam Joachim Schalke einen Anruf eines Radiosenders. Der meinte, er sei der einzige Schalke in ganz Hessen. Deshalb sollte Herr Schalke etwas zu Schalke sagen. Er machte den Spaß mit und wurde deswegen sogar zum Hessen der Woche gekürt. „Dabei bin ja mit Leib und Seele Westfale“, sagt Herr Schalke, in dessen Stimme eine Portion Humor und Lebensfreude steckt.

Womöglich ist das sein Schicksal: dass er immer für etwas anderes gehalten wird, als er tatsächlich ist: Er ist Dortmund-Fan, obwohl er Schalke heißt, und Hesse der Woche, obwohl er Westfale ist. Als er mal eine Mailadresse hatte, in der sein Name ausgeschrieben war, bekam er böse Mails von Dortmund-Fans, die nicht wussten, dass er einer von ihnen ist. Dagegen ist das fast harmlos: Einmal wollte Herr Schalke auf sein neues Fahrrad seinen Namen auf die Querstange lackieren lassen. Die Techniker schrieben dann Schalcke mit c. „Schrecklich“, sagt Herr Schalke ohne c.

Namensherkunft ungewiss

Woher sein Name kommt, weiß er nicht. Er wurde ganz in der Nähe des Borsigplatzes geboren, der als Keimzelle der Borussia gilt. Bei einem Turnier mit der Schulmannschaft entdeckte ihn die Jugendabteilung des BVB. Als er dort anfing, war Joachim Schalke 14. Sein Name spielte keine große Rolle. „Nur die Schiedsrichter bei der Passkontrolle kannten mich nach einiger Zeit alle.“

Schalke war pfeilschnell, hatte einen guten Schuss, nur der große Techniker war er nicht. Er trainierte unter dem großen Heinrich Kwiatkowski, der – Pointe, Pointe – einst auch für Schalke spielte. Nach dem Studium ging Joachim Schalke nach Hildesheim. Das war auch das Ende seiner Karriere als Vereinsfußballer. Heute schaut er nur noch Sportschau.

Und? Wie geht das Derby am Sonntag aus? „3:0 für Dortmund“, sagt Herr Schalke.

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