Rückzug des FSC Lohfelden

Hessenliga: Konkurrenz ist geschockt von Lohfeldens Rückzug

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Geschichte: Das Hessenliga-Derby zwischen Lohfelden (dunkle Trikots) und Baunatal wird es vorerst nicht mehr geben. 

Fußball-Hessenligist FSC Lohfelden muss seine Mannschaft aus finanziellen Gründen abmelden. Die Nachricht schockt auch die Konkurrenz. 

Der Rückzug des FSC Lohfelden hat nicht nur bei den Betroffenen selbst Spuren hinterlassen. Die Nachricht, dass der Fußball-Hessenligist für die kommende Saison aus finanziellen Gründen seine Mannschaft abmeldet, sei ein Schock gewesen, wie Tobias Nebe den überraschenden Schritt bezeichnet. Der Trainer des Liga-Konkurrenten KSV Baunatal sagt, dass es Gerüchte gegeben hätte, aber: „Wir haben immer gedacht: Das kann nicht sein.“

Kann es doch: Weil es drastische Einbußen beim Sponsoring gibt, schafft es der FSC nicht, den Etat für die nächste Spielzeit zu stemmen (wir berichteten). In diesem Zusammenhang spricht Nebe von einer Entwicklung, die in den vergangenen Jahren zugenommen habe: „Für Vereine im höherklassigen Amateurbereich wird es immer schwieriger zu wirtschaften.“ Die Tendenz sei erschreckend. Spieler würden sich nicht mehr darum reißen, in der Hessenliga zu spielen. Es ginge mitunter nur noch um die Frage: Wo bekomme ich mehr? Zur Not halt eine Liga oder zwei Ligen tiefer.

Nebe versteht die Einstellung nicht: „Die Jungs müssen es doch geil finden, in der Hessenliga auflaufen zu können.“ Stattdessen würden sie es oft vorziehen, den Weg des geringeren Widerstands zu gehen – weniger Aufwand und weniger Trainingseinheiten. Dass selbst im Amateurbereich das Geld regiert, dazu sagt Nebe: „Das ist eine traurige Entwicklung.“

Auf die Derbys gegen den langjährigen Konkurrenten müssen die Baunataler nun verzichten. „Jeder von uns wäre lieber nach Lohfelden gefahren. Wen interessiert schon Hanau?“ Nebe zeichnet ein düsteres Bild: „Wir müssen aufpassen, dass unsere Region fußballmäßig nicht komplett abstirbt. Es muss etwas passieren.“

Nicht nur beim KSV Baunatal sind sie geschockt. Auch der SV Buchonia Flieden betrachtet Lohfeldens Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Als Tabellen-14. der abgelaufenen Saison war der osthessische Klub der letzte Absteiger. Hätte der FSC bis zum 15. Mai seinen Rückzug erklärt, wäre er der erste Absteiger gewesen, und Flieden hätte weiter in der Hessenliga spielen dürfen. „Natürlich ärgern wir uns. Aber so sind nun mal die Statuten. Deswegen wollen wir uns nicht zu sehr hineinsteigern“, sagt Frank Happ, zweiter Vorsitzender beim SV Flieden.

Gleichwohl sieht Happ Handlungsbedarf. Weil Hanau 93 als der Dritter der Aufstiegsrunde nachrückt, kommen nun sechs Verbandsligisten hoch, wohingegen vier Vereine absteigen müssen. Das spräche nicht für die Qualität der Hessenliga, sagt Happ: „Da muss der Verband etwas ändern.“ Wie Nebe findet der Fliedener die finanziellen Auswüchse bedenklich. Aber: „Solange es Vereine gibt, die entsprechende Summen zahlen, wird es schwierig, dass sich an der Situation etwas ändert.“

Und in Lohfelden? Da herrscht große Leere. „Ich muss das alles noch verdauen“, sagt Megdi Tafoski, der mit Frank Schreiber vor einem Scherbenhaufen steht. Wie es weitergeht – darauf haben die beiden Vorstandsmitglieder keine Antwort. Klar ist: In der kommenden Saison wird kein Seniorenteam am Ligabetrieb teilnehmen. Was danach passiert, steht in den Sternen. Sicher ist dann nur, dass der FSC in der Kreisliga neu anfangen müsste. Tafoski sagt: „Unser Fall zeigt, wohin sich der Amateurfußball entwickelt hat. Daran haben wir alle schuld, nicht nur der FSC Lohfelden.“

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