Daniel Beyer vom FSC Lohfelden

"Die Gier ist immer da": Interview mit einem Urgestein aus Hessen- und Oberliga

Gleicht geht’s los: Daniel Beyer auf dem gewohnten Weg von den Umkleidekabinen auf den Rasen des Lohfeldener Nordhessenstadions. Für den FSC wird der Außenverteidiger auch heute im Derby gegen Baunatal wieder unterwegs sein. Archifoto: Fischer

Lohfelden. Ausgerechnet. Wenn Daniel Beyer am Samstag ab 14.30 Uhr im Nordhessenstadion für den FSC Lohfelden aufläuft, bestreitet er sein 350. Fußballspiel in Hessen- oder Oberliga.

Beim Gegner handelt es sich um den KSV Baunatal. Jenen Verein, für den der 35-Jährige in der Saison 2000/01 erstmals in der höchsten hessischen Spielklasse antrat und dessen Trikot er vier Jahre lang trug. Wir sprachen mit dem Jubilar.

Herr Beyer, Helmut Kohl war 16 Jahre lang Kanzler. Jüngere wurden mit ihm groß und konnten sich die Welt ohne ihn kaum vorstellen. Ist das mit Ihnen auf dem Platz ähnlich?

Daniel Beyer: Da müsste man die fragen, die mich lange begleitet haben. Aber als wir kürzlich in Flieden spielten, dachte ich dran, dass ich dort vor 16 Jahren schon dabei war. Und beim Gegner machten Jungs mit, die damals gerade zwei Jahre alt waren.

Sind Sie als Fußballer unersetzlich oder unersättlich?

Beyer: Unersetzlich nicht. Unersättlich vielleicht schon. Aber in dem Sinne, dass ich einfach so lange wie möglich spielen möchte.

Nach zwei Jahren mit weniger Einsätzen sah es aus, als wäre Ihre Karriere am Ausklingen. Wieso sind sie hinten rechts in dieser Saison wieder gesetzt und haben alle Partien bestritten?

Beyer: Florian Heussner, der die Position zuvor spielte, ist jetzt in Vellmar. Und Jannik Szczygiel, der neue Mann dafür, war stets verletzt. Ausklingen lassen wollte ich die Karriere nicht, dazu bin ich nicht der Typ. Wenn, dann würde ich sofort ganz aufhören.

Sie sind beim FSC auch Co-Trainer und streben eine Trainerlaufbahn an. Stagniert die Entwicklung, weil Sie noch immer spielen?

Beyer: Egal. Ich bin lieber Spieler als Trainer. Spielen ist das A und O. Trainer kann ich immer noch sein.

Was treibt Sie nach all den Jahren und vielen sportlichen Höhepunkten noch an?

Beyer: Jedes Spiel bringt neue Situationen mit sich. Die Gier auf drei Punkte ist jede Woche wieder da. Das Alter ist zweitrangig. Wenn man entsprechend dafür lebt, kann man auch mit 35 mithalten. Und ich habe schon immer auf Dinge wie Ernährung und Prävention geachtet.

Früher zogen sich ältere Spieler gern auf die Liberoposition zurück. Bedauern Sie, dass der Job aus der Mode gekommen ist?

Beyer: Nein, ich wäre da läuferisch unterfordert. Die Außenbahn ist zwar die laufintensivste Position, aber ich bekomme das noch ganz gut hin.

Was müsste passieren, damit Sie sagen „Es reicht“?

Beyer: Das wäre eher ein schleichender Prozess, kein einzelnes Erlebnis. Oder wenn die Belastung durch Familie, Beruf und Sport zu groß wäre.

Pflegen Sie noch Kontakte zum KSV Baunatal?

Beyer: Meine Zeit dort liegt lange zurück. Aber mit Trainer Tobias Nebe habe ich da ja ebenso zusammengespielt wie lange mit Slava Petrukhin in Lohfelden. Man kennt sich.

Der Bezug ist also nicht mehr so groß, dass sie heute am liebsten eine Halbzeit für jedes Team auflaufen würden?

Beyer: Nein. Dazu wäre ich Lohfelden zu sehr verbunden. Ich bin seit acht Jahren hier, das ist die längste Station meiner gesamten Karriere. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist enorm.

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