Hofgeismar

Hölscher spielte zwei Jahre lang mit Gerd Müller in den USA: „Bomber der Nation“ war ein echter Kumpeltyp

Auf dem Foto ist ein älterer Mann zu sehen. Er hält einen Pokal in der Hand.
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Erinnerung an einen besonderen Lebensabschnitt: Gerhard Hölscher zeigt hier einen Pokal, den er mit seiner Fußballmannschaft in Ford Lauderdale errang. Damals gehört auch Gerd Müller dem Kader an.

Wir haben Gerhard Hölscher aus Hofgeismar besucht. Der 78-Jährige spielte einst mit Gerd Müller Fußball in den USA. 

Hofgeismar – Wenn Gerhard Hölscher von Fußballikone Gerd Müller spricht, fallen Worte wie „unkompliziert, kontaktfreudig und freundlich“, ein Kumpeltyp ohne Starallüren eben. So lernte der Hofgeismarer den „Bomber der Nation“ vor 40 Jahren in den USA kennen. Als vor Kurzem der Tod des bekannten Torjägers bekannt gegeben wurde, kamen bei Hölscher wieder Erinnerungen an die gemeinsame Zeit hoch.

„Ich denke gerne an Gerd Müller zurück, denn ich erlebte ihn als einen sehr sympathischen Menschen, einen Weltklassestürmer mit dem man Pferde stehlen konnte“, berichtet der 87-Jährige, der immerhin zwei Jahre lang mit ihm gemeinsam Fußball spielte. Und zwar Mitte der 80er-Jahre in einer deutsch-amerikanischen Amateurmannschaft in Ford Lauderdale, einer Großstadt in Florida nahe Miami. „Man konnte unser damaliges Kader mit der heutigen Hessenliga vergleichen“, bemerkte Hölscher, „wir waren zwar keine Profis, aber auch keine völlig Unbekannten – vor allem als Müller bei uns mitspielte.“

Gerhard Hölscher erinnert sich zurück – an Gerd Müller und die gemeinsamen Abende mit deutschem Bier

Warum ausgerechnet ein ehemaliger Nationalspieler dort mitmischte, hat der Senior schnell erklärt: „Gerd war damals nicht mehr bei den Strikers, einer Profimannschaft wegen der er nach Amerika gekommen war“, erläutert er, „da er ein Typ war, der durch und durch Fußballer war, haben wir alles dran gesetzt, dass er zu uns in die Mannschaft kam.“ Die Gelegenheit sich auf Deutsch zu unterhalten, gemeinsame Werte und Tugenden zu teilen, schien ein weiterer Grund zu sein, weshalb Müller sich der Gruppe angeschlossen hatte. Der Austausch fand vor allem nach den Spielen statt. Bei einem guten deutschen Bier wurde da stundenlang über Fußball gefachsimpelt.

Gerhard Hölscher (links) neben Gerd Müller.

„Vorher musste Gerd natürlich für Fotos herhalten – mit einer Engelsgeduld hat er sich da gemeinsam mit Fans wieder und wieder ablichten lassen.“ Auch seine Pünktlichkeit ist dem Hofgeismarer noch im Gedächtnis geblieben: „Er war immer der Erste auf dem Platz und kam nie zu spät“, lobt er seinen einstigen Kameraden. Wenn er diesem Mal nicht auf dem Spielfeld erlebte, traf er ihn im Restaurant seiner Frau. Ganze Busladungen sollen dort Stopp gemacht haben, denn schließlich konnte man im müllerschen Gasthaus ja auf den Bomber treffen.

Hölscher hat mit Bedauern vernommen, dass Müller alkoholkrank und später dement war

Als abrupten Abbruch empfand Hölscher allerdings das Ausscheiden von dem Profi aus seinem Team. „Plötzlich hat er verkündet, dass er wieder nach Deutschland gehen möchte – warum, weiß ich bis heute nicht.“ Auch in all den folgenden Jahren hat er sämtliche Berichte über seinen Sportsfreund verfolgt. Mit Bedauern habe er da vernommen, dass er sehr dem Alkohol zugetan gewesen sein soll und später dann noch an Demenz erkrankt wäre. Hölscher selbst ging als gelernter Einzelhandelskaufmann Ende der 60er Jahre in die USA. Dort war er als Weinhändler und später auch als Reiseleiter tätig bevor er vor 20 Jahren zurück nach Hofgeismar kam. (Tanja Temme)

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