HSG kassiert Ausgleich drei Zehntelsekunden vor Schluss

Ein Ende mit Schrecken für die HSG

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Heftige Diskussionen nach Spielschluss: Gernot Weiß, Miranda Robben, Danja Lerch, Vilte Duknauskaite, Esther Meyfarth und Joana Cristina Mihai (von links) reden auf die Schiedsrichter ein - es half nichts. Der Ausgleich wurde gewertet.

Bad Wildungen. Am Ende stand das pure Chaos. Als die Schlusssirene im Spiel der 2. Handball-Bundesliga der Frauen zwischen der HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim und dem TV Nellingen ertönte, stand als Endergebnis ein 31:30 auf der Anzeigentafel.

Doch direkt davor hatte Nellingens Rechtsaußen Faustka den Ball zum Ausgleich im Netz versenkt. Die Frage war nur: Wann genau?

Drei Sekunden hatte Nellingen vor dem letzten Freiwurf noch Zeit. Den spielte die überragende Linksaußen Habiger auf die starke Spielmacherin Zukauskaite, die Faustka vor derem einzigen, aber goldenen Tor bediente.

Nach minutenlanger Aussprache zwischen Schiedsrichtern und Zeitnehmern entschieden sich die Unparteiischen Daßler und Günther aus dem sächsischen Zwönitz, das Ausgleichstor anzuerkennen. Jubel bei Nellingen und lange Gesichter bei der HSG waren die Folge.

Bad Wildungens Trainer Gernot Weiß mochte die Entscheidung nicht akzeptieren und musste von den eigenen Spielerinnen abgedrängt werden, um nicht gegen die Zeitnehmer tätlich zu werden.

Wann der von Faustka geworfene Ball die Linie nun tatsächlich überschritten hatte, darüber wurde hinterher stundenlang gestritten. Unsere Redaktion legt sich fest: Beim Studium der Video-Aufzeichnung unserer Zeitung ergab eine Handstoppung, dass Faustkas Wurf nach 2,7 Sekunden hinter Torfrau Kerstin Keim einschlug. Das wäre der Beweis dafür, dass Daßler und Günther mit ihrer Entscheidung richtig lagen.

Sechs Minuten vor dem an Dramatik nicht mehr zu übertreffenden Ende war die Stimmung in der Ensehalle bereits auf dem Siedepunkt angelangt. Die famose Habiger hatte gerade zum 26:28 eingenetzt, als Sabine Kirmse beim nächsten HSG-Angriff zu Boden ging. Die Kreisläuferin wurde mit einer stark blutenden Kopfverletzung in die Kabine geführt und die Anti-Nellingen-Stimmung eskalierte.

Nur: War das ein Foul? Nach Meinung neutraler Beobachter eher ein Unfall, wie er beim körperbetonten Handball-Sport eben vorkommt (siehe „Drei Fragen an“).

Das Geschehen in der Ensehalle auf diese beiden Szenen zu reduzieren, wäre nicht korrekt. Schließlich hatten die Fans eine außergewöhnliche Partie gesehen, die kein Augenzeuge je vergessen wird.

Ein Spiel, in dem die HSG grandios startete (3:0 nach nicht einmal zwei Minuten), Nellingens Trainer Stefan eine rekordverdächtig frühe Auszeit nahm (2:10 Minuten) und seine Mannschaft danach bis zur Pause dominierte. Erst recht nach dem Wechsel, als nach dem 21:26-Rückstand (44.) kaum ein HSG-Fan noch einen Pfifferling auf seine Mannschaft gab.

Was danach kam, war aus Bad Wildunger Sicht einfach nur großartig. Kämpfen bis an die Schmerzgrenze und unbedingter Siegeswille zeichneten die HSG-Girls aus, die den Sieg eigentlich verdient hatten, zu dem letzten Endes wohl nur drei winzige Zehntelsekunden fehlten.

Von Peter Pfeiffer

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