Interview: Über die Geburt ihres Kindes und die Rückkehr auf die Trainerbank

Vipers-Trainerin Tessa Bremmer: „Kann eh nicht vom Handball loslassen“

Schwanger am Spielfeldrand: Tessa Bremmer. Archivbild: Jürgens

Bad Wildungen. Nur vier Tage nach der Geburt ihrer Tochter Fleur schaute Tessa Bremmer wieder bei ihrer Mannschaft vorbei. „Ich bin halt handballverrückt“, sagt die Trainerin des Frauen-Handball-Bundesligisten HSG Bad Wildungen Vipers.

Trotz ihrer Schwangerschaft hatte die 31-Jährige ihr Team trainiert – bis wenige Tage vor der Geburt. Wie das funktioniert hat und wann Bremmer auf die Bank zurückkehren will verriet sie im HNA-Interview.

Frau Bremmer, Sie sind Kreisläuferin, Ihr Mann Christoph ist Kreisläufer – da scheint die spätere Laufbahn Ihrer Tochter Fleur schon programmiert, oder?

Tessa Bremmer: Programmiert sicher nicht. Es würde mich aber nicht wundern, wenn es ein Handballkind wird, weil Fleur ja oft in der Halle sein wird.

Hat Fleur schon ihren ersten Handball bekommen?

Bremmer: Sie hat schon drei kleine Handbälle von den Mädels aus der Mannschaft bekommen. Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

In Sachen Nachwuchs ist Ihr Team bei zwei „kleinen“ Vipers spitze in der ersten Liga...

Bremmer: Wir sind gut dabei. Aber ich hoffe, dass jetzt der weitere Nachwuchs auf sich warten lässt, weil wir ja auch Spielerinnen brauchen.

Sportlich sind die Vipers zwar nicht ganz spitze – aber nach dem Sieg in Berlin voll im Soll, oder?

Bremmer: Eigentlich kann man schon sagen, wir sind spitze. Zwar sind wir nicht Tabellenführer, aber niemand hätte erwartet, dass wir jetzt schon so viele Punkte haben.

Sie waren beim Sieg in Berlin noch nicht mit dabei – wie haben Sie das Spiel verfolgt?

Glücklich zu dritt: Vipers-Trainerin Tessa Bremmer zusammen mit ihrem Mann Christoph und Töchterchen Fleur. Foto: Privat/nh

Bremmer: Zusammen mit Miri (Miranda Schmidt-Robben, Anm. d. Redaktion) bei uns zu Hause. Wir haben das Spiel mit den Babys im Arm vor dem Liveticker verfolgt – und das ist schlimmer, als wenn man vor Ort dabei ist.

Sorgen die Vipers in der Restrunde für einen Babysitter?

Bremmer: Wir haben das selber geplant. Da gibt es keinen offiziellen Babysitter, obwohl wir in der Mannschaft einige Kindergärtnerinnen haben, die sich auch schon angeboten haben. Aber die müssen ja fleißig weiter trainieren.

Haben Sie sich von Miranda Schmidt-Robben Tipps geholt, wie Handball und Baby unter einen Hut zu bekommen sind?

Bremmer: Miri steigt im Dezember wieder in das Training ein. Sie muss dann selber schauen, wie das funktioniert. Aber wir haben natürlich schon oft darüber gesprochen und tauschen uns aus. Bei Miri ist das eine andere Situation, weil ihr Mann Thomas bei uns noch Physiotherapeut ist und öfters selber im Training ist.

Sie haben das Team trotz Schwangerschaft noch bis kurz vor der Geburt betreut. Hat das so problemlos funktioniert, wie es den Anschein hatte?

Bremmer: Es wurde immer anstrengender. Mein Körper hat nicht mehr so mitgemacht, wie ich es gewohnt bin. Ich war extrem müde und musste mich zusammenreißen. Auch mein Blutdruck ging schneller hoch, wenn ich mich aufgeregt habe. Aber: Ich kann eh nicht vom Handball loslassen. Zu Hause wäre es schlimmer gewesen.

Hat Ihre Tochter das mit ein paar Tritten im Bauch kommentiert, wenn Sie sich aufgeregt haben?

Bremmer: Während des Spiels war sie ruhig. Erst wenn ich selber zur Ruhe gekommen bin, hat das Baby angefangen, Krach zu machen – nach dem Motto: Jetzt will ich mal Aufmerksamkeit.

In einer Woche startet die Vorbereitung auf die Restrunde. Mit Tessa Bremmer?

Bremmer: Ich bin ab Dezember definitiv wieder dabei. Vielleicht nicht bei allen Trainingseinheiten, aber hauptsächlich wird das Training dann wieder von mir geleitet.

Ihr Mann spielt in Bad Wildungen ebenfalls Handball. Muss er jetzt mit seiner eigenen Karriere kürzer treten?

Bremmer: (lacht) Karriere, das klingt ja lustig. Für ihn ist das ja nur Hobby, bei mir Beruf. Von daher geht das vor. Bei den Männern muss er schauen, wie er das beruflich und mit dem Baby schafft. Aber es wird ihm auch gut tun, mal raus zu kommen und Handball zu spielen.

Wird Tessa Bremmer auch als Spielerin bei den Vipers wieder angreifen?

Bremmer: Das fragen mich viele. Es ist derzeit nicht vorgesehen. Auch in der neuen Saison wird als Trainerin mit mir geplant. Die Kombination aus Spielerin und Trainerin ist sehr schwierig. Sicher habe ich gesagt, dass, wenn sich jemand verletzt, ich wieder spiele. Ich werde mit Sicherheit trainieren, um wieder fit zu werden.

Von Thorsten Spohr

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