Vipers können sich auf Mihai und Co. verlassen

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Zwei Neue mit unterschiedlicher Bilanz: Während die Verpflichtung von Tessa Cocx (rechts) ein Volltreffer war, kam Marinda van Cappelle (links) bislang kaum zum Zug.

Bad Wildungen. Eines kann man in Sachen HSG Bad Wildungen nicht behaupten: dass es bei den Vipers langweilig wird. Auch in der Hinrunde der Saison 2011/2012 machten die Handballerinnen aus der Badestadt von sich reden – sportlich durchaus positiv, im Umfeld eher negativ.

Wir blicken in unserer Bilanz auf die Ereignisse beim Erstligisten seit dem Sommer zurück.

Im Angriff konnten die Vipers vor allem auf ein starkes Rückraum-Trio vertrauen, das zusammen 163 der 255 HSG-Tore (davon 56 Siebenmeter) erzielte. Linkshänderin Cristina Mihai (74/36) ist nach Franziska Mietzner (Frankfurter HC, 76/27) zweitbeste Torjägerin der Liga. Eine klasse Runde spielt auch Regisseurin Ruta Latakaite (43/8), bei Sabine Heusdens (46/12) wechselten sich im linken Rückraum Licht und Schatten ab. Julia Gronemann und Petra Diener (Neuzugang vom Zweitligisten Bensheim/Auerbach) erwiesen sich als gleichwertige Torfrauen, vor allem Gronemann hat gezeigt, dass sie in der ersten Liga mithalten kann.

Die Schwächen

Vor allem die Unerfahrenheit: In vielen Spielen mussten die Vipers feststellen, dass in der Bundesliga jeder Fehler gnadenlos bestraft wird. Gerade in der Defensive hatte die HSG oft einige Schwierigkeiten. So kam das Tempospiel kaum zum Tragen, wobei dafür auch die schnellen Spielerinnen fehlen. Im Angriff wurde zudem oft die nötige Beweglichkeit der Spielerinnen ohne Ball vermisst. Viel Luft nach oben gibt es noch auf beiden Außenpositionen.

Die Neuzugänge

Die Bilanz der Einkaufstour im Sommer fällt bescheiden aus. Einzig Tessa Cocx hat die Erwartungen erfüllt. Die Kreisläuferin ist in Abwehr und Angriff ein Volltreffer. Alle anderen kamen bislang kaum nennenswert zum Zug. Die Schweizerin Andrea Willimann konnte zumindest andeuten, dass auch sie in der Liga mithalten kann. Die Rückraumspielerinnen Jovana Jovovic und Marinda van Cappelle enttäuschten bislang und blieben den Beweis ihrer Erstligatauglichkeit schuldig. Allerdings: Der neue Trainer Markus Berchten versucht, auch sie verstärkt einzubinden. Ein neues Risiko: Da der Kader durch Vereinswechsel (Sabine Kirmse, Sophia Bepler) und langfristige Verletzungen (Annika Busch, Patricia Puskasova) ausgedünnt wurde, stehen nur noch neun gestandene Feldspielerinnen zur Verfügung. Aufgefüllt werden soll das Team mit A-Jugendlichen.

Die Trainerfrage

Der Aufsteiger setzte auf den in Deutschland unbekannten Sören Jeppesen und trennte sich Mitte Dezember vom 37-jährigen Dänen. Der konnte sein propagiertes schnelles und dynamisches Spiel kaum umsetzen. Im Rundenverlauf verstärkte sich die Kritik im Umfeld - vor allem in Sachen Taktik und Menschenführung soll es Probleme auch mit der Mannschaft gegeben haben. Ein grober Fehler des Managments war es, Jeppesen trotz der fehlenden Erfahrung mit einem gut dotierten Zwei-Jahres-Vertrag auszustatten. Nach seiner Entlassung übernahm der sportliche Leiter Markus Berchten die Regie.

Das Umfeld

Hier war es wieder abenteuerlich, was die Vipers ablieferten. Kaum begann die Saison, wurde eine unfassbar große Etatlücke bekannt: Der einst für 650 000 Euro angelegte Etat wurde um 300 000 Euro überzogen, die Existenz stand und steht trotz Sparkurs und Gehaltskürzungen weiter auf dem Spiel. Ohne jedes Augenmaß wurden im Sommer teure Spielerinnen verpflichtet - vom im November 2010 stolz verkündeten Anspruch, professionell zu arbeiten, sind die Vipers immer noch meilenweit entfernt. Geschäftsführer Dirk Ex verfolgt einen harten sowie kompromisslosen Sparkurs, der aber nicht überall im Umfeld gut ankommt und der viel Konfliktpotenzial birgt. Allerdings: Eine andere Wahl hat er kaum.

Groteske Züge hatte die Pressekonferenz zur Entlassung Sören Jeppesens: Dort weigerten sich die Verantwortlichen, Gründe für die Freistellung zu nennen und flüchteten sich in Floskeln. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass es in Sachen Außendarstellung bei den Vipers immer noch gehörigen Nachholbedarf gibt. Angesichts der Turbulenzen im Umfeld war es verwunderlich, wie die Mannschaft diese Unruhe auf dem Spielfeld immer wieder ausblenden konnte.

Von Peter Pfeiffer und Thorsten Spohr

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