1. Handball-Bundesliga, Frauen: Bad Wildungen unterliegt bei Schlusslicht Trier

Vasilescus bitterer Fehlwurf

Laura Vasilescu, die hier gegen Triers Torhüterin Verena Flöck zum Wurf kommt, vergab mit einem verworfenen Siebenmeter kurz vor dem Ende die Siegchance. Foto:  Glischke

Trier. Mit leeren Händen haben die Vipers die Heimreise von der Mosel angetreten: Beim Tabellenletzten DJK/MJC Trier unterlag die HSG Bad Wildungen nach einer dramatischen Partie unnötig mit 29:30 (16:14). Der Siegtreffer für die Trierer Miezen fiel eine Sekunde vor dem Spielende.

Bedröppelt schleichen die Vipers-Spielerinnen aus der Arena Trier. Während die Miezen die Siegtorschützin Katrin Schneider (13 Treffer) unter sich begraben, können es die Gäste kaum fassen. Fast während der gesamten Spielzeit lagen sie in Führung, egalisieren in der Schlussphase sogar einen 27:29-Rückstand und haben es dann selbst in der Hand. Doch Laura Vasilescu vergibt 20 Sekunden vor dem Ende ihren zweiten von neun Siebenmetern. Der Ball klatscht an den Pfosten.

Trier nimmt eine Auszeit, ist nach der Roten Karte für Garcia in Unterzahl – und dann kommt kurz vor der Schlusssirene der Hammer von Schneider und reißt die Vipers aus allen Träumen.

Linksaußen Johanna Stockschläder, die mit fünf Treffern die meisten Bad Wildunger Tore aus dem Feld erzielte, übte kurz nach der bitteren Niederlage Selbstkritik: „Beim Stand von 19:15 kurz nach der Pause hätten wir den Sack zumachen müssen. Wir haben uns aber zu viele Fehlwürfe geleistet und hätten vielleicht mehr kämpfen müssen. Nun müssen wir das Spiel im Training analysieren und dann abhaken.“

Vipers-Trainerin Tessa Bremmer kritisierte nach der Niederlage an alter Wirkungsstätte „zu viele Fehler in der Abwehr“ und attestierte Trier, „als Mannschaft besser gekämpft zu haben. Darüber bin ich sehr enttäuscht.“

Erschöpft, aber überglücklich strahlen dagegen die Miezen nach einer enormen Energieleistung um die Wette. „Das war eine Superleistung, alle haben toll gekämpft. Wir hatten immer den Kopf oben, und es war eine super Atmosphäre. Wahnsinn, wie Kate kurz vor Schluss das Ding reingehämmert hat“, sprudelt es aus der sechsfachen Torschützin Judith Derbach heraus.

Und wie erlebte Schneider ihren entscheidenden Wurf? „Ich konnte drei Sekunden vor Spielende nicht mehr abspielen, also habe ich geworfen. Am Ende hatten wir das Glück der Tüchtigen, aber heute haben wir es uns verdient.“

Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit sah es direkt nach der Pause nicht nach einem Miezen-Erfolg aus. Die Triererinnen lagen schnell mit 15:19 (36.) in Rückstand – die Partie schien für den Aufsteiger aus Hessen zu laufen. Aber die Miezen kämpften sich Tor um Tor heran. Neben Schneider und Derbach setzten immer wieder Silvia Solic und Franziska Gracia Akzente in der Offensive. Der Lohn war das 21:21 (43.) durch Solic – Trier war wieder dran.

Partie kippt

Fortan wogte die Partie hin und her, aber die Miezen liefen immer einem knappen Rückstand hinterher. Als die eingewechselte Torfrau Kockler gegen die mit zehn Treffern erfolgreichste Vipers-Torschützin Laura Vasilescu einen Siebenmeter parierte und danach im MJC-Tor blieb, kippte die Partie zugunsten der Miezen. Für die erste Trierer Führung in der zweiten Halbzeit sorgt Schneider mit dem 28:27 (54.), sie trifft auch zum 29:27 (57.).

Die Miezen-Fans feiern bereits, doch die giftigen Vipers gleichen durch Busch und Vasilescu noch einmal aus und haben 20 Sekunden vor Spielende sogar die Chance zum Sieg, bevor das Unheil für Bad Wildungen seinen Lauf nimmt.

Nach dem ersten Heimsieg seit Mai 2014 bleiben die Miezen zwar Tabellenletzter, haben aber mit 4:18 Punkten den Anschluss ans rettende Ufer geschafft. Die Vipers haben es verpasst, frühzeitig einen Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. Als Tabellenachter haben sie mit 9:13 Punkten aber immer noch vier Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Von Stefan Strohm

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