Saisonbilanz von Handball-Bundesligist HSG Bad Wildungen 

Vipers: Eine verkorkste Runde endet versöhnlich

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In die Zange genommen: Viper Annika Ingenpaß (Mitte) wird von den Bietigheimerinnen Antje Lauenroth (links) und Karolina Kudlacz-Gloc (Mitte) hart attackiert.

Bad Wildungen. Nach einer verkorksten Bundesliga-Saison blicken die Handballerinnen der HSG Bad Wildungen Vipers auf ein versöhnliches Saisonende. 

„Die Saison fühlt sich nicht abgeschlossen an“, sagt Tessa Bremmer im Rückblick auf die Runde 2019/2020. Diese hatte der Ligaverband wegen der Coronakrise acht Spieltage vor Schluss für beendet erklärt. Als „außergewöhnliche Spielzeit“ beschreibt die Bad Wildunger Trainerin die wegen Verletzungsproblemen und nur drei Siegen bei 7:29-Punkten verkorkste Runde, die für die Vipers durch drei Zähler in den letzten beiden Partien versöhnlich endete.

Dass ausgerechnet Bremmer selbst nach dem 29:20-Sieg über die Kurpfalz Bären beim 27:27 in Bensheim nach fast fünfjähriger Spielpause durch ihr Ausgleichstor für das Saisonhighlight sorgte, passte „zu den vielen komischen Sachen, die in dieser Runde passiert sind“. Auch, dass das völlig überforderte Kampfgericht Cord Mohrhoff und Dirk Schwier beim 27:29 der Vipers in Blomberg Silje Brons Petersen ein nicht erzieltes Tor zurechnete, wird den beim Abbruch auf Platz zwölf stehenden Bad Wildungerinnen noch lange in Erinnerung bleiben. Dabei ist deren Saison mit der Note vier zu bewerten.

Die Trainermeinung

„Wir haben keine schlechte Saison gespielt, auch wenn die Hinrunde natürlich extrem enttäuschend war und wir insgesamt zu wenig Punkte geholt haben“, sagt Bremmer über den Start mit 0:12 Punkten und Rang 14 sowie Platz zwölf und 4:22-Zählern nach 13 Partien. „In der Rückrunde haben wir uns gesteigert, sodass ich am Ende ein gutes Gefühl hatte“, fügt die 36-Jährige an. Die Niederländerin ist sich sicher, dass die Vipers auch bei einem normalen Verlauf am Ende der Runde nicht auf Relegationsplatz 13 oder Abstiegsplatz 14 gestanden hätten.

Die Probleme

Der schwache Start war auch durch die Kreuzbandrisse von Vanessa Magg (Berlin) und der bis dahin starken Marieke Blase, die im Innenblock und im Rückraum und auf den Halbpositionen im Rückraum eingeplant waren, sowie den Umbruch mit sechs Zu- und sieben Abgängen bedingt. Zudem fehlte dem neuformierten Team besonders unter Druck, wie die Pleiten in Ketsch (27:30), gegen Mainz (26:30) und in Neckarsulm (23:26) belegen, „die mentale Stärke“, so Bremmer. Bei den Niederlagen in Bietigheim (28:30) und gegen Blomberg (25:26) hatten die Vipers in der Runde ohne Absteiger auch Pech mit den Schiedsrichtern.

Die Stützen

Die konstanteste und beste HSG-Spielerin war zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren Torfrau Manuela Brütsch. „Sie hat eine gute Saison gespielt“, sagt Bremmer über ihre Kapitänin, während die als Torjägerin und Abwehrchefin geforderte Sabine Heusdens nach Startschwierigkeiten „im richtigen Moment aufgestanden ist“. Wie die drittbeste Ligatorschützin steigerte sich im Rundenverlauf auch die torgefährliche Kreisläuferin Annika Ingenpaß, für die die lange Spielpause wegen anhaltender Patellasehnenprobleme aber genau richtig kommt.

Auch mit der abwehrstarken portugiesischen Spielmacherin Maria Ines Da Silva Pereira (Haukar), „die auch wegen der Sprache erst einmal Fuß fassen musste“, konnte Bremmer zufrieden sein. Auf halbrechts kompensierte die

als einzige Linkshänderin im Rückraum verbliebene erst 19-jährige Jana Scheib (Bietigheim II) mit konstanten Leistungen hinten und vorne den Abgang von Anouk Nieuwenweg (Chambray) „sehr gut“, so Bremmer. Die war auch über die Weiterentwicklung von Linksaußen Anna-Maria Spielvogel, „sie hat einen Riesensprung gemacht“ und das Comeback von Miranda-Schmidt-Robben nach dem disziplinarisch bedingten Abgang der schwächelnden Rechtsaußen Anna Frankova (Thun) sehr froh. Die Genannten waren am Ende als erste Sieben gesetzt, während Maxi Mühlner in der Abwehr zur Stütze wurde.

Die Sorgenkinder

Regisseurin Maxime Struijs konnte ihr Potenzial, „im Training zeigt sie, dass sie alles kann“, so Bremmer, viel zu selten abrufen. Anne Bocka war Matchwinnerin bei den sehr wichtigen ersten Punkten (28:22 gegen Göppingen) und überzeugt auch beim 33:18 in Oldenburg, als den Vipers alles gelang. Doch in den Spielen, in denen Brütsch schwächelte, konnte die Ersatzkeeperin diese nicht entlasten.

Wegen des Leistungssprungs von Spielvogel hatte Alina Otto (Bremen) im zu Saisonbeginn offenen Rennen auf der Linksaußenposition schnell das Nachsehen. Durch Verletzungen verpassten Ersatzspielmacherin Erika Rajnohova (Besancon) und die zweite Rechtsaußen Vanessa Plümer (Frankfurt/Oder) bis November viele Spiele. Dabei hofft Bremmer, dass sich die beiden Talente in der wann auch immer beginnenden nächsten Runde wie auch Struijs und Otto weiterentwickeln werden.

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