Doping-Vorwürfe

IBSF: Bob-WM darf nicht in Sotschi stattfinden

+
Der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF entzog Sotschi vier Tage nach der Veröffentlichung des zweiten McLaren-Reports die Weltmeisterschaften.

Lausanne - Angesichts der massiven Dopingvorwürfe gegen Russland im McLaren-Report werden die Bob- und Skeleton- Weltmeisterschaften vom 15. bis 27. Februar 2017 nicht in Sotschi stattfinden.

Russland hat nach den jüngsten Dopingenthüllungen das erste Sport-Großereignis verloren. Der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF entzog Sotschi vier Tage nach der Veröffentlichung des zweiten McLaren-Reports die Weltmeisterschaften. Das gab die IBSF am Dienstagabend nach einer Sitzung ihrer Exekutive auf ihrer Website bekannt.

Ein Ersatzort für die Titelkämpfe, die vom 13. bis 26. Februar geplant sind, soll in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Im Gespräch ist auch Deutschland mit der Bahn am Königssee. Sotschi war 2013 zum Ausrichter gewählt worden.

"Das IBSF-Exekutivkomitee war der Auffassung, dass es in dieser schwierigen Zeit nicht ratsam ist, eine solche Veranstaltung in Russland zu organisieren", hieß es in einer Mitteilung. Als Strafmaßnahme will der Weltverband, in dessen Exekutive auch der Russe Georgi Bedschamow sitzt, den Entzug aber offenbar nicht verstanden wissen.

Man wolle es Athleten und Trainern aller Länder ermöglichen, in einem Umfeld zu konkurrieren, das sich "auf den Sport konzentriert und nicht auf Anklagen und Diskussionen - ob berechtigt oder nicht", teilte die IBSF weiter mit. Der russische Bob- und Skeleton-Verband habe viel Arbeit in die Organisation der Weltmeisterschaft investiert, aber "das aktuelle Klima würde es nahezu unmöglich machen, die Leistungen des Organisations-Komitees oder die Bahn als eine der Besten der Welt wertzuschätzen".

Der zweite McLaren-Report hatte ein staatlich gestütztes Dopingsystem in Russland bestätigt. Insgesamt sollen über 1000 Sportler von Doping-Vertuschung profitiert haben, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

Der Skeleton-Verband Lettlands hatte am Montag bereits angekündigt, eine WM in Sotschi zu boykottieren. Mehrere andere Ländern diskutierten denselben Schritt und erhöhten damit den Druck auf die IBSF. Noch am Dienstagmittag hatte sich Österreich positioniert und ebenfalls einen Boykott erwogen.

"Unter Umständen ist ein WM-Boykott schon vorstellbar", da WM-Gastgeber Russland des Staatsdopings "praktisch überführt" sei, sagte ÖBSV-Präsident Roman Schobesberger dem Standard. Dass die WM ausgerechnet in Sotschi stattfinden soll, sei "ein weiteres Problem", sagte Schobesberger.

Andreas Trautvetter, Präsident des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes (BSD) und IBSF-Präsidiumsmitglied, hatte sich dagegen zuletzt zurückhaltend über einen Boykott geäußert. "Die Boykotte der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles haben gezeigt, dass die Sportler darunter leiden", hatte er nach der Boykott-Bekanntgabe der Letten gesagt. Am Dienstag wollte er sich nach dem IBSF-Entscheid gegen Sotschi nicht weiter zu dem Thema äußern.

Russische Politiker hatten sich zuletzt noch über die lettische Boykott-Ankündigung lustig gemacht. Der Duma-Abgeordnete Igor Lebedew sagte: "Niemand stirbt im Weltsport, wenn Lettland nicht zur WM nach Sotschi kommt. Wer kann ihnen schon folgen? Litauen? Estland? Bringt mich nicht zum lachen!"

Die Bahn am Königssee ist seit geraumer Zeit als Ersatzort im Gespräch. Zuletzt betonten die Verantwortlichen, dass keine offizielle Anfrage vorliege. Das könnte sich nun schnell ändern.

Weitere Verbände könnten nun der IBSF folgen. Das Weltcup-Finale der Langläufer soll nach jetzigem Stand noch im westsibirischen Tjumen stattfinden. Dort ist auch die Biathlon-WM 2021 geplant, der Weltverband IBU will aber erst nach dem Studium des zweiten McLaren-Reports eine endgültige Zusage geben.

afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.