Mit Nico Polychronidis startet ein Exot für Griechenland

Beim Teamspringen nur Zuschauer: Der Grieche Nico Polychronidis, der ein Ein-Mann-Team bildet. Foto: Fischer

Willingen. Nico Polychronidis weiß, dass er allein mit seinem sportlichen Abschneiden in Willingen nichts reißen wird.

Doch das Ein-Mann-Team des 25-Jährigen zeigt, wie bunt die Welt der Skispringer ist. Sein Vater ein Grieche, seine Mutter eine Deutsche, die in Füssen lebt. Und Sohn Nico, der bis 2012 für Deutschland startete und seitdem für Hellas, probiert es wieder mal im Weltcup.

„Es hat mich gereizt, nach Willingen zu kommen, obwohl die Form überhaupt nicht stimmt“, erzählt Polychronidis. Und weiter: „Die Schneesituation war in den vergangenen Monaten so schlecht, dass ich kaum trainieren konnte.“

Insgeheim weiß der Student, der einst die Kaderschule des DSV durchlief und es bis in den B-2-Kader schaffte, um seine Aussichtslosigkeit: „Das Niveau ist einfach zu hoch hier. Selbst kleinste Fehler kosten mich hier sehr viel“, sagt er. Im Einzelspringen am Freitag reichte es nicht, wie eigentlich immer. Auf Rang 48 endete nach 106 Metern sein Einsatz – das Aus in der Qualifikation. „Ich merke einfach, dass ich Sprünge brauche.“

Das ist beileibe nicht das Einzige, was der Student im Fernstudium für Sportmanagement benötigt. Selbst ein eigener Trainer am Mühlenkopf – Fehlanzeige. „Marvin Ackermann, ein alpiner Skifreund aus Oberstdorf wollte mich hier unterstützen, doch er konnte nicht“, erklärt Polychronidis. Ersatz fand er schließlich noch in Michael Schmidt, dem Coach der Willinger Vorspringer. Immerhin, die Ski werden ihm von seinem Sponsor gestellt.

Anzüge benötige man viele im Verlauf einer Saison, einen Teil davon bezahlt er selbst. Etwa 20 000 Euro koste ihn eine Saison. „Ich muss einfach alles selbst organisieren“, berichtet er. Auch im griechischen Verband ist er ein Exot. „Dort gibt es keinerlei Erfahrung im Bereich Skispringen. Ich könnte ein Buch schreiben über die krassen Erlebnisse, die ich da hatte“, sagt er.

Schön für ihn ist, dass seine beiden Schwestern ihn beim Briefwechsel mit dem Verband unterstützen. So hofft er dann auf ein bescheidenes sportliches Ziel: „Nur ein einziger Weltcuppunkt wäre Gold wert für mich, dann würden mir unheimlich viele Kosten abgenommen.“

Die aktuelle Situation in Griechenland verfolgt er nachdenklich. „Ich kann den Ausgang der letzten Wahl voll nachvollziehen“, sagt er, „die Leute sind es einfach leid zu sparen und dass sich nichts ändert.“ Der Exot unter den Skispringern weiß, dass er unter den gegenwärtigen Umständen auch vom dortigen Verband keine großen Hilfen erwarten kann.

So konzentriert sich Polychronidis, der im Sommer beim FC Oberstdorf Fußball spielt, lieber aufs Skispringen. Denn: „Ich will bei der WM in anständiger Form sein.“ Und da helfen ihm selbst die wenigen Sprünge in Willingen, auch wenn sie nicht weit sind.

Bilder vom Skispringen in Willingen, Tag 2

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