5 Gründe

2020 ist ein Rekordjahr: Zahlreiche Leichtathletik-Bestmarken

Joshua Cheptegei aus Uganda neben einer Anzeige, die seinen Weltrekord über 10.000 Meter anzeigt.
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Der Überflieger der Saison: Joshua Cheptegei aus Uganda hat 2020 die Weltrekorde über 5000 und 10 000 Meter verbessert.

Auch ohne Olympische Spiele war das Jahr 2020 bisher ein Überraschungsjahr in der Leichtathletik. Vor allem auf den Laufstrecken gab es so viele Rekorde wie schon lange nicht mehr.

Kassel - Wir zeigen fünf Gründe auf, die als Erklärung für die Rekordflut dienen können.

1. Weniger Rennen

Internationale Titelkämpfe und Sportfeste waren in diesem Jahr nicht so üppig im Wettkampfkalender vertreten. Für die Athleten fiel damit die Terminhatz weg – es blieb mehr Zeit zur Regeneration. Zudem bot die Reduzierung der Wettkämpfe die Möglichkeit, sich stärker auf einzelne Ereignisse zu konzentrieren.

2. Größere Motivation

Hochdotierte Top-Läufe wie die Marathons in Berlin oder New York fielen der Pandemie zum Opfer. So war die Halbmarathon-WM in diesem Jahr die einzige Weltmeisterschaft. Entsprechend hoch war die Motivation der Athleten, sich dem internationalen Vergleich zu stellen.

3. Andere Trainingsformen

Zwar war in den ersten Wochen der Coronakrise nur eingeschränktes Training möglich, dann aber waren die Stadien und Hallen vor allem für die Leistungssportler wieder zugänglich. Langstreckler waren ohnehin kaum betroffen, da sie im Wald oder auf der Straße traininieren konnten. Oder in der Höhe. Das nutzten viele Läufer wie die in Baunatal lebende Melat Yisak Kejeta. So war die 28-Jährige vom Laufteam Kassel Anfang des Jahres mehrere Wochen in ihrem Heimatland Äthiopien und im Sommer und Herbst zweimal in den Schweizer Alpen.

Europarekordlerin vom Laufteam Kassel: Melat Yisak Kejeta – hier vorm Training im Habichtswald – ist aktuell Deutschlands Top-Langstrecklerin.

Andere Athleten, wie der norwegische 400-Meter-Hürden-Europarekordler Karsten Warholm, fanden außerhalb der Olympia-Belastung Zeit für Veränderungen im Training. Bei Warholm war es unter anderem die intensive Zusammenarbeit mit Biomechanikern.

4. Die Schuhe

Wenn man genau hinschaute, konnte man sie auch bei der WM in Polen wieder sehen. Die rund 240 Euro teuren Laufschuhe von Nike, die unter dem Namen „Dragonfly“ in diesem Jahr die Szene aufmischten. Die besonders effektive Stoßdämpfung und die hohe Energierückgabe haben dem Modell den Nimbus eines Wunderschuhs eingebracht.

Der Schuh ist allerdings ein Kostenfaktor, weil er seine Eigenschaften nicht lange behält. Einen weiteren Nachteil konnte man auch bei der WM in Polen sehen: für scharfe Kurven sind die Schuhe weniger gut geeignet. Da kann es zu Stürzen kommen.

5. Weniger Dopingkontrollen

Internationale Kontrolleure konnten wegen der Reisebeschränkungen nicht so viel vor Ort sein wie sonst üblich. Daraus ergab sich – zumindest theoretisch – die Möglichkeit, während des Trainings auf leistungsförderne Mittel zurückzugreifen.

2020 - das Jahr der Leichtathletik-Rekorde

2020 ist schon jetzt das Jahr der Leichtathletik-Rekorde. Neun Welt- und vier Europarekorde wurden im Laufen unterboten oder mehrfach verbessert. Nach langer Zeit gelang dies auch einer deutschen Läuferin: Melat Kejeta vom Laufteam Kassel gewann am vergangenen Samstag Silber bei der Halbmarathon-WM im polnischen Gdynia und knackte in 1:05:18 Stunden den Europarekord für reine Frauenrennen. Bereits zuvor hatte vor allem Joshua Cheptegei aus Uganda bei seinen drei Weltrekorden die Marken über 5000 und 10 000 Meter um zwei beziehungsweise sechs Sekunden verbessert. Über fünf Kilometer auf der Straße unterbot er in 12:51 Minuten als erster die 13-Minuten-Marke.

Von Martin Scholz

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