"Phil Taylor darf jetzt gehen"

Die Stimme des Darts im Interview: Elmar Paulke ist der Master of Ceremonies

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Seine Heimat ist der Sport: Elmar Paulke ist als Stimme des Darts in Deutschland bekannt. Mittlerweile kommentiert er aber auch Unterhaltungsformate für ProSieben.

Kassel. Er ist die deutsche Stimme des Darts: Elmar Paulke hat sich mit seinem Kommentar der Turniere auf Sport 1 für die Fans des Sports mit der Scheibe und den drei Pfeilen unverzichtbar gemacht.

Bei der European Darts Trophy, die von heute bis Sonntag in der Göttinger Lokhalle stattfindet, ist der 47-Jährige Master of Ceremonies - er ist also derjenige, der die Spieler auf die Bühne holt, so etwas wie der Moderator der Veranstaltung vor Ort.

Wir haben mit Paulke vorab gesprochen - über die deutschen Hoffnungen, das Karriereende von Phil Taylor und seine Favoriten an diesem Wochenende.

Herr Paulke, wie sind Sie eigentlich zum Dartssport gekommen? Spieler waren Sie ja nie.  

Elmar Paulke: Ich bin zum Darts gekommen, weil DSF (Vorgänger von Sport 1) damals ein TV-Rechtepaket eingekauft hat - im Angebot: Haifischen, Snooker, Darts und noch irgendwas. Da hat mich dann jemand gefragt, ob ich nicht Darts kommentieren wolle. Ich bin damals nach Frankfurt zur Darts-Bundesliga gefahren - ich hatte ja null Ahnung von Darts. Ich habe das am Anfang auch gar nicht gerafft, aber ich habe gesehen, wie besessen die alle waren. Ich habe das nicht ganz kapiert. Das war der Grund für mich, es zu machen. Ich dachte, das ist ja Wahnsinn, die sind ja verrückt nach ihrem Darts.

Also von jemandem, der nichts wusste, zum Experten?  

Paulke: Genau. Ich hatte als Student ein Dartboard zuhause. Und ich weiß nicht einmal genau, warum ich mir das gekauft habe. Das war ein frühes Zeichen, das ich dann zehn Jahre später verstanden habe.

Sie kommentieren im TV häufig mit dem Dartsprofi Thomas „Shorty“ Seiler. Das klingt dann so, als hätten Sie viel Spaß. Wie viel Arbeit steckt auch dahinter?  

Paulke: Das macht natürlich Spaß. Aber nimmt man jetzt die Weltmeisterschaft, dann sind das trotzdem über 90 Stunden, die wir da hängen. An 14, 15 Turniertagen. Und das ist auch Arbeit. Ich glaube, das ist die Qualität unseres Kommentars. Ja, wir sind auch schräg und witzig und driften auch mal ab. Aber wir sind thematisch ganz gut mit dabei. Ich bereite mich schon auf jede Session ein bis zwei Stunden vor, gehe die Statistiken durch. Das ist im Darts mühevolle Arbeit. Ich zähle noch die 180er. Das sind die Hausaufgaben.

Wie sehen Sie die Entwicklung in Deutschland? Mit Max Hopp haben wir einen, der als großes Talent gilt, den Sprung aber noch nicht geschafft hat.  

Paulke: Was wir merken, ist, dass immer mehr junge Spieler rankommen, dass wir ein paar Talente haben. Uns fehlt noch der Topspieler. Wir hatten immer noch keinen Deutschen in der dritten Runde der Weltmeisterschaft. Max Hopp tut sich in diesem Jahr schwer. Jetzt ist Martin Schindler ein bisschen rangekommen. Der hat auch auf der Bühne schon einige gute Matches gespielt. Aber da fehlt uns noch was.

Woran liegt das?  

Paulke: Ich glaube, dass man in Deutschland noch gar nicht so richtig verstanden hat, was es bedeutet, professionell Darts zu spielen. Man sieht es immer in den Ländern, in denen ein Spieler Weltmeister wurde. Da kommt ein ganzer Schwung hinterher, der sich an dem Champion abgucken kann, wie er das gemacht hat. Dieses Vorbild fehlt uns. Auch bei den Nachwuchsstrukturen des Deutschen Dart-Verbands fehlt noch etwas. Deswegen denke ich über das Konzept einer Darts-Akademie nach.

Phil Taylor hört nach diesem Jahr auf. Ein schwerer Schlag?  

Paulke: Vor fünf, sechs Jahren wäre es ein Schlag, wäre es schwierig gewesen. Da hätte man sich ein Turnier ohne Phil Taylor gar nicht vorstellen können. Inzwischen funktioniert das. Von den Zuschauern kommt zwar irgendwann das „Phil Taylor Wonderland“, weil es ein Darts-Song ist, aber wenn das Turnier läuft, vermisst du ihn eigentlich nicht. Er spielt sportlich nicht mehr die ganz große Rolle. Ich glaube, der Sport verkraftet das jetzt. Er darf jetzt gehen. Das ist nicht böse gemeint. Es ist für Nachwuchs gesorgt.

Dart-Legende Phil Taylor.

Hätte er sonst vielleicht auch weitergemacht?  

Paulke: Ja, das kann schon sein. Er ist zwar auch ein egoistischer Typ, sein gutes Recht. Er wurde ja immer rumgereicht als der große Botschafter. Ich glaube aber auch, ihm reicht’s jetzt. Er merkt: Ich habe nicht mehr die Motivation. Er wird älter. Die langen Matches fallen ihm schwerer. Und verlieren macht auch nicht so richtig Bock. Taylor muss ganz schön kämpfen.

Wer ist Ihr Favorit für Göttingen? Michael van Gerwen?  

Paulke: Das Schöne in diesem Jahr ist, dass wir jetzt sechs Major-Turniere hatten - mit vier verschiedenen Siegern. Auch van Gerwen hat nicht mehr diese Dominanz und Konstanz wie im vergangenen Jahr, als er alles gewonnen hat. Da ist für ein paar Spieler einiges drin. Auch für einen Rob Cross übrigens, der seit diesem Jahr auf der Tour ist und schon drei Pro-Turniere gewonnen hat. Das sind gute Jungs.

Ist van Gerwen trotzdem besser, als es Taylor jemals war?  

Paulke: Michael van Gerwen ist schon das Beste, was man je im Darts hatte. Diesen 110er-Durchschnitt Woche für Woche in der Premier League zu spielen, das hat keiner vor ihm geschafft.

Zur Person

Elmar Paulke (47) wurde am 13. März 1970 in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) geboren. 1996 begann Paulke, für DSF (Vorgänger von Sport 1) zu arbeiten. Seit 1998 ist er fester Bestandteil des Kommentatoren-Teams. 2005 arbeitete er erstmals bei einer Darts-Weltmeisterschaft für den Sender. Heute begleitet er die Partien meist mit dem Dartspieler Thomas „Shorty“ Seiler.

Paulke veröffentlichte zwei Bücher: „Darts. Die Erde - eine Scheibe“ und „Game on! - Die verrückte Welt des Darts“. Für die DSF-Dokumentation „Boris Becker - I did it my way“ erhielt Paulke im Mai 2000 den Bayerischen Fernsehpreis. Mittlerweile kommentiert er auch Dart-Events für den Streamingdienst DAZN und die Unterhaltungssendung „Schlag den Henssler“ auf ProSieben. Sein Privatleben hält Paulke aus der Öffentlichkeit heraus.

Zeitplan

Freitag, 13. Oktober:

1. Runde: Nachmittags-Session von 13 bis 17 Uhr, Einlass ab 12 Uhr, Abend-Session von 19 bis 23 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

Samstag, 14. Oktober:

2. Runde: Nachmittags-Session von 13 bis 17 Uhr, Einlass ab 12 Uhr, Abend-Session von 19 bis 23 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

Sonntag, 15. Oktober:

3. Runde: Nachmittags-Session von 13 bis 17 Uhr, Einlass ab 12 Uhr

Viertelfinale/Halbfinale/Finale: Abend-Session von 19 bis 23 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

Hintergrund: Hier gibt es noch Tickets

Für das Wochenende sind noch einige Restkarten vorhanden. Diese gibt es unter https://www.pdc-europe.tv/tickets/ oder an der Tageskasse. Für die Nachmittags-Session (13 bis 17 Uhr) am Samstag und Sonntag kostet eine Karte 24 Euro, für die Abend-Session 28 Euro (19 bis 23 Uhr), ein Tagesticket kostet 46,80 Euro. Heute sind die Tickets günstiger: Die Nachmittags-Session kostet zehn, der Abend 16 Euro und das Tagesticket 23,40 Euro.

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