WM-Viertelfinal-Knüller gegen Kanada – 20.15 Uhr/Sport1

Interview mit Ex-Husky Tobias Abstreiter: „Sind bereit für den Showdown“

Es gibt kein Halten mehr: Auch auf der Bank freuen sich Co-Trainer Tobias Abstreiter (links) und Chefcoach Marco Sturm ausgelassen. Foto:  Hübner

Es war ein Herzschlagfinale mit Happy-End: Dank des 4:3 nach Penaltyschießen gegen Lettland steht Gastgeber Deutschland im Viertelfinale der Eishockey-WM.

Und schon heute Abend geht es weiter: In der K.o.-Runde wartet der Knüller gegen Titelverteidiger Kanada (20.15 Uhr/Sport1). Im Interview liebäugelt Tobias Abstreiter, langjähriger Kapitän der Kassel Huskies und aktueller Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, sogar mit einer Sensation. 

Herr Abstreiter, hat sich Ihr Puls wieder beruhigt? Selten hat man Sie so jubeln sehen wie am Dienstagabend nach dem Sieg gegen Lettland.

Tobias Abstreiter: Ja, schon. Für alle war es unglaublich aufregend. Wir hatten ein enges Spiel erwartet. Aber das Penaltyschießen war der absolute Showdown. Es war von der Stimmung nicht zu toppen.

Haben Sie die Versuche der Spieler verfolgt, oder schauen Sie weg?

Abstreiter: Ich schaue sie mir lieber an. Das gehört für mich dazu. Du bist in einem Tunnel. Du denkst nicht mehr, du betest nur noch zum Eishockeygott. Und am Ende waren wir glücklicherweise auf der Siegerseite. Klar, dass die Freude dann groß ist.

Dominik Kahun, Leon Draisaitl und Frederik Tiffels sind für Deutschland angetreten. Alle Jahrgang 1995. Der zweite Co-Trainer Geoff Ward hatte von den Jungspunden abgeraten. Wen hatten Sie auf dem Zettel?

Abstreiter: Zwei der drei, die letztlich geschossen haben. Aber ich verrate Ihnen jetzt nicht, um welche Namen es sich dabei handelt. Das bleibt Betriebsgeheimnis.

Dann verraten Sie doch etwas anderes. Den Jubel auf dem Eis haben alle gesehen. In der Kabine waren die Fernsehkameras aber nicht dabei. Wie ging’s da weiter?

Abstreiter: Nach 20 Minuten waren alle Spieler aus der Mixed Zone da. Wir haben uns zusammen kurz gefreut. Marco Sturm hat der Mannschaft gratuliert und gleich darauf hingewiesen, dass jetzt alles möglich ist, dass wir im Viertelfinale noch einmal alles versuchen werden. Danach war es unspektakulär: Es gab was zu essen, Kohlenhydrate, also Nudeln, später im Hotel war noch mal ein Buffet aufgebaut.

Sprechen wir über das, was Sie heute erwartet: ein Knüller, das Viertelfinale gegen die beste Mannschaft des Turniers.

Abstreiter: Da brauchen wir eigentlich nicht viele Worte zu verlieren: Kanada ist die Eishockey-Nation schlechthin. Die Kanadier haben die letzten Jahre dominiert, sind Olympiasieger und amtierender Weltmeister. Wir als Underdog können und werden den Augenblick genießen. Vielleicht gelingt es uns ja, sie zu ärgern mit den Zuschauern im Rücken und dem nötigen Quäntchen Glück. Das ist uns gegen die USA im ersten Spiel ja auch gelungen. Und niemand hat gedacht, dass das für die Amerikaner bis heute die einzige Niederlage des Turniers bleiben würde.

Gegen Lettland hat der zuvor eher glücklose Felix Schütz den 3:3-Ausgleich besorgt. Frederik Tiffels den dritten und entscheidenden Penalty verwandelt. Welche Spieler rücken heute Abend in den Fokus?

Abstreiter: Da brauchen wir keinen einzelnen hervorherben, da müsste ich alle aufzählen. Es kommt auf alle an. Jeder einzelne braucht eine Top-Leistung. Anders geht es nicht. Natürlich ist es gut, dass wir die NHL-Nachrücker Leon Draisaitl und Philipp Grubauer im Team haben. Die helfen jeder Mannschaft. Klar ist auch Tiffels eine Überraschung. Er hat seine tolle Form aus der Vorbereitung bestätigt. Es ist sensationell, wie er als junger Spieler bei dieser WM auftritt.

Gestern stand nur Stretching auf dem Programm. Wie sieht der Tag heute aus?

Abstreiter: Routiniert wie die anderen auch: Training in der Frühe, dann die Besprechung, in der wir die Mannschaft aufs Spiel einstellen, und abends dann sind wir bereit für den Showdown gegen Kanada.

Zur Person

Tobias Abstreiter (46) hat als Mittelstürmer von 1986 bis 2008 insgesamt 988 Erstliga-Spiele bestritten - davon 676 in der DEL und 473 für die Kassel Huskies (1998 - 2006), deren Kapitän er auch einige Jahre war. „Käpt’n Tobi“ trug 312 Mal das Trikot des Nationalteams. Mit Ehefrau Lilja sowie den Söhnen Leon und Jona lebt er in seiner Heimatstadt Landshut. Neben dem Job bei der Nationalmannschaft arbeitet er als Co-Trainer in Düsseldorf.

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