Zum Bundesliga-Start soll alles nach Plan laufen

Der neue Mainzer Co-Trainer Jan-Moritz Lichte im Interview: „Ich wollte zurück auf den Platz“

Aus Hannover nach Mainz: Jan-Moritz Lichte (hier noch im 96-Dress). Foto: dpa

Kassel. Sein erstes Pflichtspiel mit dem FSV Mainz 05 war ein Erfolg: 3:1 gewannen die Fußballer aus Rheinhessen im DFB-Pokal in Lüneburg.

Nun hofft der neue Mainzer Co-Trainer Jan-Moritz Lichte, dass es auch zum Bundesliga-Start nach Plan läuft. Am Samstag empfängt der frühere Baunataler mit den Nullfünfern Aufsteiger Hannover 96 - den Verein, für den er selbst vor ein paar Wochen noch tätig war. Wir haben mit dem 37-Jährigen über seinen Wechsel zum FSV, das Duell mit Hannover und heimatliche Gefühle in Mainz gesprochen.

Die Pokal-Hürde ist gemeistert, jetzt startet der Liga-Betrieb. Wie groß ist die Vorfreude auf das erste Pflichtspiel in der Arena?

Jan-Moritz Lichte: Die ist nach langer Vorbereitung schon groß. Wobei - das konnten die Zuschauer gut sehen - wir auch den Auftritt in Lüneburg sehr ernst genommen haben. Im Pokal herrscht aber noch eine andere Atmosphäre als in der Liga. Das wird am Samstag unser zweiter Schritt sein.

Erstes Spiel in der Opel Arena und dann gleich gegen den Ex-Klub - inwiefern ist diese Begegnung für Sie gleich eine besondere?

Lichte: Dass es gegen Hannover geht, ist zweitrangig. So eine Partie wird genauso vorbereitet wie jeder andere auch. Ich bin nicht im Bösen aus Hannover gegangen. Die Zusammenarbeit dort war gut. Es wird schön sein, ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen.

Sie sind nun schon einige Wochen in Mainz. Welche Eindrücke haben Sie schon gesammelt?

Lichte: Es ist wie bei jedem anderen Verein auch. Die meiste Zeit kümmert man sich um seine Arbeit. Was ich aber bisher sagen kann: Mainz ist eine schöne Stadt, die Menschen hier sorgen für eine positive Grundstimmung. Einen Touristenführer habe ich mir allerdings noch nicht besorgt.

Inwieweit konnte Ihnen Ihr Bruder Henning bei ihrem Wechsel ein paar Tipps geben, der von 2004 bis 2007 für die Mainzer Reserve spielte?

Lichte: Ich rede zwar viel mit ihm, und er spricht auch heute noch sehr positiv vom FSV Mainz 05, aber diese Entscheidung trifft man mit seiner Familie. Außerdem sind von den im sportlichen Bereich handelnden Personen, die zu Hennings Zeit in Mainz tätig waren, nur noch wenige da.

Ein bisschen heimisch sollten Sie sich am Bruchweg fühlen. Kollegen wie die beiden Torwarttrainer Stephan Kuhnert und Sven Hoffmeister haben eine Baunataler Vergangenheit.

Lichte: Überall, wo ich bislang hingekommen bin, wurde ich gut aufgenommen. In Mainz spürt man eine besondere Herzlichkeit. Die Menschen im Verein sind sehr positiv. Und manchmal kann es auch ganz lustig sein, wenn ich mit Kuhni über Baunatal rede.

Welche Gründe waren ausschlaggebend für Ihren Weggang aus dem Nachwuchsleistungszentrum in Hannover?

Lichte: Ich habe dort sehr konzeptionell gearbeitet, stand ständig im Austausch mit den Jugendtrainern. Bei mir wurde der Wunsch aber immer größer, selbst auf dem Trainingsplatz zu stehen. Und mit den Mainzer Verantwortlichen habe ich viele gute Gespräche geführt. Fest steht aber auch: Ich hätte nicht alles dafür getan, um wieder auf dem Platz zu agieren.

Das lässt darauf schließen, dass die Zusammenarbeit mit Chefcoach Sandro Schwarz und dem zweiten Co-Trainer Michael Falkenmayer gut funktioniert.

Lichte: Es passt absolut. Die Arbeit ist gut angelaufen. Wir sind nicht immer einer Meinung, verstehen uns aber menschlich und inhaltlich sehr gut. Es wird offen kommuniziert - und das ist eine hervorragende Ausgangssituation für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Sie haben nun schon einige Erfahrungen im Profibereich gesammelt. Wie bringen Sie sich genau ein?

Lichte: Es gibt zwar auch eine klare Aufgabenverteilung, aber letztlich besprechen wir alles zusammen: von Trainingsplanung bis Analyse. Es wird gemeinsam geschaut, was sich verbessern lässt. Die beiden Co-Trainer analysieren die nächsten Gegner, schauen sich aber auch den Auftritt der eigenen Mannschaft genauestens an. Dass ich ein Interview gebe, ist eher die Ausnahme - das ist Chefsache.

Welches Saisonziel verfolgen Sie mit Mainz in der kommenden Saison?

Lichte: Das lässt sich immer schwer sagen. Wir möchten, dass unsere Mannschaft den Zuschauern, den Fans Spiel für Spiel das Gefühl vermittelt, immer an die Leistungsgrenze zu gehen. Wir werden nicht immer drei Punkte holen können, aber wir tun alles dafür, dass es so oft wie möglich gelingt.

Zur Person

Jan-Moritz Lichte (37) war Spieler beim Fußball-Hessenligisten KSV Baunatal. 2007 wechselte er zum SC Paderborn, bei dem er Co-Trainer und zugleich Leiter des Nachwuchsleistungszentrums war. Im März 2011 schloss er die Ausbildung zum Fußball-Lehrer ab. Als Assistenzcoach arbeitete er anschließend beim FC St. Pauli, Bayer Leverkusen und Hannover 96. Bei den Niedersachsen war er zuletzt Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Beim FSV Mainz 05 unterschrieb er einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Lichte ist verheiratet und hat drei Kinder.

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