Interimstrainer von Zweitligist Greuther Fürth

Interview mit Mirko Dickhaut: „Die zweite Reihe ist meine Rolle“

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Ist jetzt Interimstrainer bei Greuther Fürth: Der aus Kassel stammende Mirko Dickhaut.

Kassel. Nach der Entlassung von Janos Radoki beim Fußball-Zweitligisten Greuther Fürth wurde Co-Trainer Mirko Dickhaut am Montag zum Interimstrainer der Franken befördert. Wir sprachen mit dem 46-jährigen Kasseler, der einst Spieler und Trainer des KSV Hessen war.

Sind Sie eigentlich froh, dass gerade Länderspielpause ist? 

Mirko Dickhaut: Ja, um einfach ein paar mehr Tage Zeit zu haben, die Jungs neu einzustellen und aufzurichten. Wir versuchen, die Lockerheit und den Spaß zurückzubringen, den es braucht, um die Köpfe wieder freizubekommen.

Mit einem Blick auf die Tabelle kam der Trainerwechsel nicht überraschend. Hat er Sie trotzdem überrascht? 

Dickhaut: Ich hatte am Samstag nach dem Ingolstadt-Spiel nicht das Gefühl, dass der Verein reagieren würde. Aber Tatsache ist auch, dass wir nach vier Spielen null Punkte haben.

Laut Medienberichten hat es Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Team gegeben. Können Sie das bestätigen? 

Dickhaut: Von den Inhalten ist Janos Radoki einer der besten, die ich je kennengelernt habe. Und dadurch fordert er natürlich auch sehr viel. Im Fußball ist die Ansprache eben hin und wieder etwas derber, da ist nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen. Aber das gehört zum Fußball auch einfach dazu.

Kann man eigentlich so schnell von Co-Trainer auf Cheftrainer umschalten? 

Dickhaut: Ich bin nicht der neue Cheftrainer, sondern der Interimstrainer. Der Verein hat also ganz klar signalisiert, dass er einen neuen Trainer verpflichten will. Und dann gibt es für mich zwei Möglichkeiten: Entweder der neue Coach will mich als Co-Trainer behalten, oder der Neue bringt einen eigenen mit. Dann kann es sein, dass ich nächste Woche vielleicht gar nicht mehr hier bin.

Eine ziemlich ungewisse Situation, oder? 

Dickhaut: Ja, aber damit muss man in dem Geschäft leben. Wichtig ist, dass vorher mit offenen Karten gespielt wird. Grundsätzlich will der Verein ja auch mit mir als Co-Trainer weiterarbeiten.

Im schnelllebigen Trainergeschäft hat schon so mancher Interimstrainer aber auch den Sprung in die Bundesliga geschafft. Träumen Sie davon? 

Dickhaut: Nein, ich denke daran überhaupt nicht. Ich bin so glücklich und erfüllt in meinem Job und fühle mich hier sauwohl. Ich kann mich mit der zweiten Reihe wunderbar identifizieren, das ist meine Rolle. Wenn man irgendwann natürlich durch die Hintertür eine Chance bekommt, dann muss man natürlich alles dafür tun. Aber Gier und Egoismus werde ich nicht entwickeln.

Sie waren schon von 2013 bis 2015 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth Co-Trainer, dann ein Jahr in Paderborn und sind seit vergangenem Jahr wieder zurück. Was bedeutet dieser Verein für Sie? 

Dickhaut: Wenn du irgendwo einmal länger warst, dann kennst du dort viele Menschen und dies macht es einfacher, zurückzukommen. Ich bin ja im Februar 2015 nicht im Bösen auseinandergegangen, sondern musste mit der Entlassung Frank Kramers ebenfalls gehen. Als ich im November 2016 wiederkam, waren 90 Prozent der Leute noch da, und ich war direkt wieder drin. Einen Ruf aus der 2. Liga kannst du nicht ablehnen.

Mit Levent Aycicek von Werder Bremen und Leihspieler Julian Green vom VfB Stuttgart gelangen Ihnen noch Last-Minute-Verpflichtungen. Was sagen Sie zum Transfer-Sommer allgemein? 

Dickhaut: Bei diesen Summen schüttelst du als Normaldenkender den Kopf, das ist ja der Wahnsinn. Die Vereine sollten gut beraten sein, nicht auf jeden Zug aufzuspringen. Sympathisch finde ich, dass der FC Bayern rund 70 Millionen Euro in ein Nachwuchsleistungszentrum investiert hat. Das zeigt, dass es auch andere Weg gibt.

Von Millionenbeträgen zurück in die Heimat und damit zum finanziell arg gebeutelten KSV. Wie haben Sie die vergangenen Wochen und Monate verfolgt? 

Dickhaut: Erstmal reagiert man natürlich betroffen: Wie? Schon wieder? Hoffentlich kein Super-Gau. Es wäre fatal, wenn ein solcher Verein von der Bildfläche verschwinden würde. Aber die vielen Retteraktionen machen genauso Hoffnung wie die Rückkehr von Jens Rose, der viele Impulse geben kann. Da ich so lange beim KSV gespielt habe und später auch Trainer war, fiebere ich natürlich immer noch mit. Und ich glaube auch, dass Tobias Cramer diesen Marathon am Ende mit dem Klassenerhalt abschließt. Ich drücke ihm jedenfalls alle Daumen.

Aber einen Spieler, vielleicht einen Innenverteidiger, hätten Sie für den KSV-Coach nicht zufällig noch übrig? 

Dickhaut: Im Moment brauchen wir alle selbst hier. Nicht, dass der neue Trainer kommt und fragt, warum wir den denn nach Kassel verkauft haben. Nein, Spaß beiseite, wir stehen selbst bei null Punkten und müssen sehen, dass wir die Schotten hinten dicht machen.

Zur Person: 

Mirko Dickhaut (46) wurde am 11. Januar 1971 in Kassel geboren. Von 1993 bis 2002 absolvierte er für Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum 231 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga. Beim KSV Hessen war er als Spieler 1992/93 sowie von 2005 bis 2008 am Ball. Danach arbeitete Dickhaut bis 2013 als Trainer der Löwen, ehe er nach Fürth ging. Zwischenzeitlich war er U23-Trainer in Paderborn. Dickhaut ist verheiratet und hat drei Mädchen. Die Familie lebt in Schauenburg.

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