„Regensburg spielt sensationell“

Interview: Sport1-Experte Peter Neururer blickt auf die Entwicklung in der 2. Fußball-Bundesliga

Heute wieder als Fußball-Experte im Einsatz: Peter Neururer.
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Heute wieder als Fußball-Experte im Einsatz: Peter Neururer.

Die Fans der 2. Fußball-Bundesliga freuen sich auf den nächsten Schlager: Heute ab 20.30 Uhr (live bei Sport1) treffen mit dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 zwei Vereine mit langer Tradition aufeinander. Wir haben vor der Partie mit Peter Neururer über die Situation in der zweiten Liga gesprochen.

Kassel – Die Fans der 2. Fußball-Bundesliga freuen sich auf den nächsten Schlager: Heute ab 20.30 Uhr (live bei Sport1) treffen mit dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 zwei Vereine mit langer Tradition aufeinander. Wir haben vor der Partie mit Peter Neururer über die Situation in der zweiten Liga gesprochen. Der frühere 96-Trainer wird das Spiel heute bei Sport1 als Experte begleiten.

Wie viel Fußball-Nostalgiker steckt in Peter Neururer?

Viel Nostalgie, Traditionalismus und auch Modernes – was man eben so braucht, was man eben so lebt.

Wir rufen aus Kassel an. Da denkt man gern an bessere Zeiten zurück.

An Hessen Kassel kann ich mich noch erinnern, mit Jörg Berger auf dem Weg in die erste Liga. Kurz vor Toresschluss dann das Spiel in Nürnberg, wo der Club noch seinerseits den Aufstieg geschafft hat.

Bei der Ansetzung Nürnberg gegen Hannover fallen uns auch große Duelle ein. Wie geht es Ihnen?

Eine Partie mit einem großen Klang. Nostalgisch werde ich da aber nicht. Ich habe zwar in Hannover als Trainer gearbeitet, aber nie in Nürnberg – obwohl ich dort auch mal zu Verhandlungen war.

Sie haben es angesprochen: Zweimal waren Sie als Trainer in Hannover tätig. Wie bewerten Sie die Entwicklung bei 96?

Bewerten kann ich es nicht. Ich kann nur wie ein Fan drauf schauen – und von draußen drauf zu gucken, heißt: nicht erkennen zu können. Die meisten Dinge im Profifußball geschehen intern. Von außen betrachtet, sind einige Dinge nicht mehr nachzuvollziehen. Nürnberg und Hannover gehören aufgrund ihrer Tradition wie viele andere Vereine eigentlich in die erste Liga, sind aufgrund von diversen Versäumnissen aber nun in Liga zwei angesiedelt.

Die 2. Liga wird nach dem Abstieg von Bremen und Schalke als die stärkste zweite Liga aller Zeiten bezeichnet. Ihre Meinung?

Das wurde in den letzten zehn Jahren auch immer schon gesagt. Erst am Ende der Saison kann man dazu etwas sagen. Bisher sehe ich davon noch nicht so viel. Aber – und das ist kein Widerspruch: Es ist die traditionsgeladenste 2. Liga. Man muss sich mal vor Augen führen, dass 13 ehemalige Erstligisten in dieser Klasse spielen. Das ist schon Wahnsinn.

Wie lange können sich Regensburg und St. Pauli an der Spitze halten?

Das sind zwei Vereine mit komplett unterschiedlichen Strukturen. Bei den St. Paulianern könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie da oben bleiben. Regensburgs Spielweise ist sensationell. Was dort der Trainer, den ich auch mal persönlich kennenlernen durfte, leistet, ist überragend. Es bleibt nur abzuwarten, ob die Regensburger die nötige Breite und die Qualität im Kader haben. Dass sie sich jetzt so lange da oben halten, ist sehr gut.

Zuletzt wechselten in Ingolstadt, Sandhausen und Aue die Trainer. Wie denken Sie darüber?

Diejenigen, die diese Entscheidungen getroffen haben, sollten sich mal besser überlegen, ob sie nicht selbst von der Bildfläche verschwinden. Gucken wir nur mal nach Aue. Es kann doch nicht sein, dass ein Präsident in zehn Jahren gefühlt 15 Trainer verschleißt. Da kann etwas nicht stimmen – eine grauenvolle Entwicklung.

Dazu kommt der Abschied von Ole Werner in Kiel.

Vor dem Jungen ziehe ich einfach nur den Hut. Er hat Charakter bewiesen, und er hat eine ganze Menge für den wirklich positiven Stand eines Fußball-Lehrers in der Bundesliga abgeliefert – großartig. Er muss sich keine Gedanken machen, wieder einen Job zu bekommen.

Gibt es noch den Feuerwehrmann, als der Sie oft bezeichnet worden?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ob Kompliment oder nicht – diese Arbeitsplatzbeschreibung passt auf den Fußball sowieso nicht. Da ist viel Klischee. 99 Prozent der Menschen, die über uns Trainer urteilen, haben noch nie mit uns gesprochen und noch nie eine Trainingseinheit gesehen. Damit müssen wir leben, und dafür haben wir ein entsprechendes Gehalt bekommen.

Bochum hat im Frühjahr die Rückkehr in Liga eins geschafft. Inwiefern blicken Sie besonders auf die Auftritte Ihres Ex-Klubs?

Ich habe Interesse am VfL, weil es ein Klub in meiner Heimat ist und ich dort zweimal gearbeitet habe. Aber ich bin Mitglied bei Schalke – da schaue ich mir jedes Heimspiel an. Die ganzen Klischees, die machen wir jetzt einfach mal zu.

Was können sich ambitionierte Zweitligisten vom VfL abschauen?

Jeder Verein hat ein anderes Ziel, eine andere Struktur, andere finanzielle Möglichkeiten. Da machen Vorbilder keinen Sinn. Was man festhalten kann: Es gibt Vereine, die vorbildlich arbeiten. Die sind gekennzeichnet durch eine hohe Qualität in der Führungsetage und einen geringen Verschleiß an Trainern. Dann gibt es aber auch teilweise im Zweitliga-Bereich solche, da sind Leute am Werk, die haben noch nie mit Profifußball zu tun gehabt. Da kommen teilweise Spinnereien raus, das ist ein Riesenproblem.

Wenn Sie einen Tipp abgeben müssten: Welche Mannschaften schaffen den Aufstieg in Liga eins?

Zutrauen tue ich das einer Menge. Ich habe Hoffnung, dass Schalke wieder zurückkehrt, denke aber nicht, dass es dieses Jahr klappt. Auch andere Vereine haben die Chance. In erster Linie aber die Klubs, die jetzt oben stehen, weil die am Anfang der Saison bewiesen haben, dass sie anderen überlegen sind. Und St. Pauli hat schon in der Rückserie der letzten Saison grandiose Leistungen gezeigt. (Björn Mahr)

Zur Person: Peter Neururer

Peter Neururer (66) war während seiner Trainer-Laufbahn für etliche Klubs in der Fußball-Bundesliga tätig: darunter Schalke 04, Alemannia Aachen, Hannover 96, 1. FC Köln, VfL Bochum und Fortuna Düsseldorf. In der jüngeren Vergangenheit trainierte er vertragslose Profis in der VDV-Auswahl und war vorübergehend Sportdirektor bei Wattenscheid 09. Beim Fernsehsender Sport 1 ist er als Fußball-Experte im Einsatz. Der zweifache Familienvater Neururer lebt mit seiner Frau in Gelsenkirchen.

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