EM-Titel und die Folgen: TV-Sender spielen große Rolle

Interview über die Chancen von Handball und Tennis

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Sie läutete das erfolgreiche Sportwochenende ein: Tennis-Ass Angelique Kerber gewann gegen Serena Williams das Finale der Australian Open.

Kassel. Erst Angelique Kerbers Triumph bei den Australian Open, dann der Gewinn bei der Handball-EM – das Sportwochenende war aus deutscher Sicht überaus erfolgreich. Rücken Tennis und Handball jetzt stärker ins öffentliche Bewusstsein?

Darüber haben wir mit dem Vizepräsidenten des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, Dr. Christoph Fischer, gesprochen.

Herr Fischer, haben Sie noch viereckige Augen? 

Dr. Christoph Fischer: Als alter Handballer habe ich mich über den Europameistertitel natürlich riesig gefreut. Tennis habe ich auch gesehen. Wie Angelique Kerber das geschafft hat, war schon toll. Beeindruckend fand ich auch die faire Reaktion von Serena Williams. Das war großer Sport.

Erleben wir jetzt einen neuen Tennis-Boom? 

Fischer: Ich vermute, dass die Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf nicht wiederholbar sind. Gleichwohl wird das Interesse nach dem ersten Grand-Slam-Titel seit 1999 sicher ansteigen. Ich bin allerdings skeptisch, dass es zu einem Tennis-Boom führen wird.

Und beim Handball? 

Fischer: Hier liegt es jetzt am Verband, einen neuen Boom auszulösen. Im Jahr 2007 sind wir Weltmeister geworden, und danach hat es der Verband völlig verpennt, aus diesem Titelgewinn etwas Positives herauszuholen. Ich glaube aber, dass die Sportart jetzt wieder eine Chance hat.

Welche Rolle spielt dabei das Fernsehen? 

Fischer: Eine große. Wer sich im Fernsehen positionieren kann, ist in der Regel immer eine erfolgreiche Sportart. Deshalb sollte der Handballverband jetzt mit ARD und ZDF verhandeln, um dort eine größere Rolle zu spielen. Die Fernsehzuschauer haben ja einen deutlichen Hinweis gegeben: 13 Millionen Zuschauer und 40 Prozent Marktanteil sind eine sensationelle Quote für den Handball.

Die Vormachtstellung des Fußballs bleibt aber bestehen? 

Fischer: Ja, Fußball steht über allem. Die großartigen Erfolge werden nichts daran ändern, dass ein Großteil der Bevölkerung weiterhin lieber Fußball gucken will. Allerdings sollten sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender auch um bestimmte Sportarten wieder mehr kümmern.

Wenn Angelique Kerber mit der Nationalmannschaft am Wochenende gegen die Schweiz um den Einzug ins Fed-Cup-Halbfinale spielt, überträgt lediglich Sat.1 Gold. Können ARD und ZDF auch künftig noch Tennis ausblenden? 

Fischer: Eigentlich nicht. Aber ich bin skeptisch, dass sich angesichts der Rechtesituation etwas tun wird. Denn wenn die internationalen Verbände bei anderen Anbietern mehr erlösen können, dann wird nicht auf den Inhalt geguckt, sondern nur aufs Geld. Der Kunde spielt da keine Rolle. Das ist bedauerlich.

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