Legendärer Triathlon

Ironman auf Hawaii startet - und fünf Nordhessen sind dabei

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Vor einem Jahr: Tief ergriffen freut sich Patrick Lange auf Hawaii nach 8:11:14 Stunden über seinen dritten Platz bei der WM der Triathleten.

Kassel. Am Samstagabend um 19 Uhr unserer Zeit wird es ernst auf Hawaii: Dort ist es dann sieben Uhr am Morgen, und fünf Nordhessen starten bei der Ironman-Weltmeisterschaft, der Mutter aller Triathlons.

Angeführt wird das Quintett mit Martin Huhndorf, Frank Walter, Christian Jung und Thomas Sämann von Patrick Lange, dem Bad Wildunger, der in Darmstadt lebt. Dritter war der 31-Jährige Physiotherapeut vor einem Jahr. Eine Sensation. Und jetzt? Zählt er zum Kreis der Gejagten. „Es ist eine neue Rolle, die ich sehr gern annehme. Es ist eine große Ehre“, erklärt er.

Ihn gilt es zu schlagen: Weltmeister Jan Frodeno.

Und Lange hat Ambitionen. Auf Hawaii sind die verbunden mit einem Namen – Jan Frodeno, Sieger der Jahre 2015 und 2016 und Inhaber diverser Triathlon-Bestmarken. Auch 2017 steht fest: Der Weg zum Titel führt nur über den Weltmeister. „Prinzipiell glaube ich, dass jeder schlagbar ist, auch ein Jan Frodeno. Ich traue es mir schon zu“, schickt Lange eine Kampfansage in Richtung des Champions, um aber diese auch gleich einzuschränken: „An einem sehr guten Tag von mir ist es im Bereich des Möglichen. Aber da muss sehr viel zusammenkommen. Und es gibt ein gutes Dutzend anderer Jungs, die dasselbe Ziel und Potenzial haben.“

3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad und am Ende noch ein Marathon über 42,195 Kilometer liegen vor den Teilnehmern. Seine Trumpfkarte könnte Lange in der letzten Disziplin ausspielen: dem Laufen. Denn 2016 verbesserte der Bad Wildunger den 27 Jahre alten Streckenrekord von Hawaii-Legende Mark Allen um gleich 19 Sekunden auf 2:39:45 Stunden.

Eine weitere Motivation zieht Lange aus einer ganz besonderen Erinnerung: „Wenn ich mir den Zieleinlauf des letzten Jahres in Gedächtnis rufe, wäre es für mich eine tolle Sache, wenn ich diese Situation noch einmal erleben dürfte. Ein oder zwei Plätze weiter oben zu stehen, wäre natürlich noch cooler“, sagt er.

Der Bad Wildunger weiß aber auch, dass gerade der Klassiker seine eigenen Gesetze hat mit einer Vielzahl an Herausforderungen. „Im letzten Jahr war es die fünfminütige Zeitstrafe auf dem Rad, der Einteiler, der beim Schwimmen aufgegangen ist. Diese Dinge kann man nicht einkalkulieren.“

Er hat jedoch gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Ein Knochenmarködem im Fuß zwang ihn 2017 zu einer dreimonatigen Pause. Bei der EM in Frankfurt, wo er weit abgeschlagen hinter dem Sieger Sebastian Kienle Sechster wurde und am Ende minutenlang ausgepumpt im Ziel lag, zahlte Lange Lehrgeld. Weil er das Radfahren zu schnell angegangen war. Weil er eine Zeitstrafe kassierte, nachdem sein Trainer Faris Al-Sultan weit länger als die erlaubten 100 Meter neben ihm hergelaufen war.

Danach aber ging es aufwärts. „Ich hatte ein hartes Jahr mit Verletzungen, aber auch super positiven Erlebnissen mit meinem ersten Ironman-70.3-Sieg auf Rügen oder drei Erfolgen auf der Kurzdistanz auf dem Weg nach Hawaii“, blickt Lange zurück. Dabei tankte er Selbstvertrauen, das ihm helfen soll jetzt auf Hawaii: „Meinen Traumzieleinlauf zu verwirklichen.“

Vier weitere Nordhessen auf Hawaii

Martin Hundorf

Zum fünften Mal bereits ist Martin Huhndorf dabei. Drei Wochen vor seinem 40. Geburtstag ist der Homberger vom SC Neukirchen, HNA-Nordhessensportler des Jahres 2015, guter Dinge. „Ich bin ohne Verletzungen durch das Jahr gekommen und will es laufen lassen“, sagt der Maschinenbauingenieur – „wenn ich nach dem Schwimmen auf dem Rad einen guten Rhythmus finde.“ Zwei Jahre nach seinem dritten Rang in der Altersklasse M 35 in 9:06 Stunden startet er nun erstmals in der M 40. „Eine Zeit unter neun Stunden, wenn die Witterung passt, wäre schon klasse.“

Frank Walter

In Hamburg hat Frank Walter vom SC Neukirchen sich den Traum vom ersten WM-Ticket erfüllt. Als Vierter der Alterklasse 30 in 9:11:01 Stunden krönte der einstige Fußballer von Eintracht Singlis aus Frielendorf-Verna dort einen perfekten Wettkampf. Der Gebietsverkaufsleiter einer Firma für Elektrowerkzeuge hat auf Hawaii mit Martin Huhndorf trainiert und ist voller Vorfreude. „Den Mythos Hawaii spüre hier ich an jedem Tag mehr, da werden auch die persönlichen Ziele kleiner“, sagt der 33-Jährige. „Wenn es ein guter Tag wird, dann versuche ich unter zehn Stunden zu bleiben.“

Christian Jung

Erstmals hat Christian Jung (36) die 1000 Dollar Startgebühr gezahlt. Nach 10.000 Trainingskilometern in diesem Jahr, 3500 im Laufen und 400 im Schwimmen, fühlt sich der Straßenbau-Polier aus Ober-aula-Ibra vom SC Neukirchen sehr gut in Form und hofft darauf, „am Samstag abrufen zu können, was ich an Zeit und Kraft ins Training investiert habe“. Seit 2013 ist er Triathlet, in Barcelona hat er seine Bestzeit kürzlich auf 9:10 Stunden gesteigert. Auf Hawaii „geht’s zunächst darum, ins Ziel zu kommen, gegen die Wellen anzukommen, dem Wind zu trotzen und die Hitze zu besiegen“.

Thomas Sämann

Lange schon ist Thomas Sämann vom Tri-Team Fuldatal in den USA: Vier Wochen lang hat der Unterfranke aus Großheubach, der in Kassel Wirtschaftsingenieurwesen studiert, sich inbesondere mit Blick auf die Hitze akklimatisiert. Mit 26 ist er in der Klasse M 25 - 29 der Jüngste der fünf Nordhessen. Als Minimalziel gibt er angesichts der sehr wechselhaften Witterung und trotz einer Bestzeit von 8:46 eine Zeit unter zehn Stunden aus. „Vorrang aber hat alles zu geben und Spaß zu haben“, sagt Sämann, der 2015 Platz 202 im Gesamt und Rang 25 in der Altersklasse M20 - 25 belegt hat.

Wussten Sie schon, dass...

  • ... 1977 John Collins mit einigen Mitstreitern beschloss, die drei schwierigsten Ausdauersportereignisse Hawaiis in einem Wettkampf zu vereinen? Dabei prägte er den Spruch: „Whoever finishes first, we’ll call him the Iron Man.“ (Wer auch immer zuerst ins Ziel kommt, wir nennen ihn den Mensch aus Eisen.)
  • ... der erste Ironman auf Hawaii 1978 ausgetragen wurde?
  • ... alle Athleten bis Mitternacht (Ortszeit) den Ironman beendet haben müssen? Somit bleiben 17 Stunden Rennzeit.
  • ... die beiden Rekordsieger bei den Männern aus den USA kommen? Dave Scott in den 1980er-Jahren und Mark Allen Anfang der 1990er-Jahre triumphierten je sechsmal?
  • ... bei den Frauen Paula Newby-Fraser (Simbabwe) zwischen 1986 und 1996 sogar achtmal Weltmeisterin wurde?
  • .. der aktuelle Streckenrekord der Männer seit dem Jahr 2011 Bestand hat? Der Australier Craig Alexander benötigte damals insgesamt 8:03:56 Stunden.

Hintergrund: So sehen Sie den Ironman

2000 Athleten aus 50 Ländern werden diesmal zur Weltmeisterschaft der „Eisernen“ erwartet, darunter 150 Deutsche. Sieben Mal schon kam der Sieger aus unserem Land, Norman Stadler und Jan Frodeno holten jeweils zweimal den Titel.

Los geht’s am Samstag um 7 Uhr Ortszeit im 27 Grad warmen Pazifik-Wasser der Kailua-Kona-Bucht. Nach 3,8 km Schwimmen folgen 180 km auf dem Rad und ein Marathonlauf (42,2 km). Das ZDF überträgt ab 18.30 Uhr im Livestream und ab 0.25 Uhr nach dem Sportstudio im TV-Programm. Den Livestream des Veranstalters finden Sie hier.

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