Erster Sieger unter acht Stunden

Historischer Rekord! Bad Wildunger Patrick Lange gewinnt Ironman - und macht einen Antrag

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Patrick Lange bei seinem historischen Sieg: Er schaffte als erster den Ironman Hawaii unter acht Stunden.

Wahnsinn! Patrick Lange aus Bad Wildungen hat als erster Mensch den Ironman-Triathlon auf Hawaii in unter acht Stunden bewältigt. Im Ziel ging er vor seiner Freundin auf die Knie.

Aktualisiert um 9.40 Uhr - Unter acht Stunden - das hat noch kein Triathlet auf Hawaii geschafft. Patrick Lange aus Bad Wildungen hat zum zweiten Mal in Folge den Ironman gewonnen, zum zweiten Mal in Folge mit einem Streckenrekord.

Der 32 Jahre alte Triathlet blieb nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in 7:52:39 Stunden als erster Athlet bei der WM auf Hawaii unter der magischen Acht-Stunden-Marke. „Es ist eine Zeit, die ist nicht von dieser Welt“, sagt der Schotte David McNamee später, der als Dritter ins Ziel kommt. 

Nach dem Überraschungstriumph, mit dem Lange sich 2017 überraschend auf Platz eins und ins Zentrum der Triathlon-Welt katapultiert hatte, folgte nun die Bestätigung, dass der Coup des Vorjahres keine Eintagsfliege war. Seine Bestleistung verbesserte Lange um fast neun Minuten von 8:01:40 auf diese nun magische unter acht Stunden.

Wohin mit seinen Emotionen, er scheint es fast gar nicht zu wissen. Mit einem Kopfschütteln, einem ungläubigen Lächeln im Gesicht, hüpft er über die magische Linie. Hängt sich das Zielband um den Hals. Seine Lippen formen gleich mehrere „Yes, yes, yes.“ Ja, ja, ja! Dem Triathleten ist es tatsächlich gelungen, seinen Titel bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii, dem legendärsten aller Triathlons, erfolgreich zu verteidigen. 

Und Nordhessens Sportler des Jahres liefert gleich noch eine Folgegeschichte mit, die nicht nur die Herzen von Rosamunde-Pilcher-Fans höher schlagen lässt, sondern auch den ZDF-Sportreportern die Tränen in die Augen treibt.

Kaum im Ziel, reichlich wackelig auf den Beinen, da stammelt Lange als erstes einen Namen ins Mikrofon: „Julia“. Das ist seine Freundin. Mit sprichwörtlich letzter Kraft geht Lange vor ihr auf die Knie, formt die Hände wie zum Gebet und stellt die Frage aller Fragen: Julia, willst du mich heiraten? Klar, sie will. Einen Antrag vor Milliarden Fernsehzuschauern aus aller Welt, den bekommt schließlich auch nicht jeder.

Schon vor dem Rennen habe er sich überlegt, seiner Freundin einen Antrag zu machen. „Das hat mich angetrieben und motiviert. Julia ist die Liebe meines Lebens, das wusste ich von der ersten Sekunde an. Ich habe meinen Vater danach angerufen, und gesagt, ich habe gerade meine zukünftige Ehefrau kennengelernt.“

Und zumindest eine Sache, die muss Lange nun aber noch nachholen: sich die Zustimmung seines zukünftigen Schwiegervaters einholen. „Sorry, das habe ich nicht mehr geschafft“, entschuldigt er sich grinsend. Aber dessen Ja dürfte wohl nur noch Formsache sein. Denn einen zweimaligen Weltmeister, den zweimaligen Ironman von Hawaii und noch dazu den Rekordhalter, bekommt schließlich nicht jeder als Schwiegersohn.

Nicht als Favorit ins Rennen gegangen

Auch wenn Lange als Titelverteidiger und Rekordhalter ins Rennen gegangen war, war er nicht unbedingt der Top-Favorit, seit seinem Erfolg vor einem Jahr hatte er kein großes Rennen mehr gewonnen - bis jetzt. "Das hätte ich nie gedacht, ich hatte nicht die beste Vorbereitung", so der 32-Jährige. "Aber alle haben zu mir gehalten", sagte Lange und beendete das Interview später mit "Danke Deutschland."

Nach Sebastian Kienle 2014, der nach einem frühen Defekt am Rad und Problemen mit der Achillessehne zu Beginn der Laufstrecke aufgab, und Jan Frodeno 2015 und 2016, der wegen einer Verletzung nur als Experte und Zuschauer beim 40. Ironman auf Hawaii war, sorgte Lange für den fünften deutschen Sieg im Triathlon-Mekka nacheinander. Neben Lange und Frodeno konnte auch Normann Stadler (2004 und 2006) zweimal auf Hawaii gewinnen, als erstem Deutschen war Thomas Hellriegel 1997 WM-Platz eins gelungen, 2005 gewann Langes jetziger Trainer Faris Al-Sultan.

Von Anfang an in Führung lag Lange nicht, gerade beim Schwimmen sei er nicht sehr gut gewesen, so Lange nach dem Zieleinlauf. "Ich hatte nicht das beste Schwimmen, wie man gesehen hat." Für die knapp vier Kilometer Schwimmen brauchte Lange über 50 Minuten und gehörte nur knapp zu den 30 Führenden nach dieser Disziplin. Über zwei Minuten nach dem Australier Josh Amberger und auch dem zunächst drittplatzierten Kienle-Trainingspartner Maurice Clavel war Lange in die Wechselzone nach der ersten Disziplin gekommen. "Patrick war nicht mit dabei, habe ich mich schon ein bisschen geärgert", sagte Langes Trainer, der 2005er-Weltmeister Faris Al-Sultan im ZDF.

Denn Kienle, der schwächere Schwimmer, lag nur fünf Sekunden hinter Lange. Binnen kurzer Zeit und einigen weiteren Kilometern auf dem Rad änderten sich die Vorzeichen aber schlagartig. Für Kienle war der achte Auftritt auf Hawaii gelaufen, noch bevor es richtig ernst wurde. In seiner Paradedisziplin wollte der Mann aus Mühlacker attackieren, einen Vorsprung von 10 Minuten plus X Minuten auf den Super-Läufer Lange rausfahren. Ein Defekt am Hinterrad machte den Plan zunichte, die körperliche wurde auch zur sicht- und spürbaren mentalen Qual. "Eine schwere Zeit", kommentierte Trainer Lubos Bilek.

Andere Deutsche fuhren neben Lange auf den 180,2 Kilometern vorn mit, darunter auch der 30-jährige Freiburger Clavel, der sich beim Ironman im April in Südafrika als Dritter für die WM qualifiziert hatte. Und der 29 Jahre alte Lichtenfelser Lange-Teamkollege Andreas Dreitz, dessen gleichmäßig-druckvollen Tritt der alte und neue Champion auch clever nutzte, um zu Beginn des zweiten Teilabschnitts die Lücke zu den erwarteten "Überradfahrern" nicht zu groß werden zu lassen.

"Patrick macht das Bombenrennen", lobte Frodeno als Experte für das ZDF. Denn Rivalen wie der Australier Cameron Wurf, der seinen Radrekord vom Vorjahr in 4:09:36 Stunden noch einmal um mehr als drei Minuten bei fast windfreien Bedingungen verbesserte, waren keine Gegner, wenn es um den Sieg nach insgesamt 226 Kilometern ging und jetzt erst Langes Part kam. Als Lange Wurf überholte, bewiesen beide Fair Play und klatschten sich ab.

Kappe falsch herum auf dem Kopf, immer wieder neue Wasserschwämme zur Kühlung unter dem Anzug - Lange rannte los und die Konkurrenz wie vor einem Jahr Grund und Boden. 2016 hatte er in 2:39:45 Stunden bereits den bis dahin schnellsten je bei einer WM auf Hawaii gelaufenen Marathon hingelegt, als er Dritter geworden war. 2017 stellte er bei einem Sieg erstmals den Streckenrekord auf.

Diesmal machte Lange auf den ersten 8,5 Kilometern neun Plätze gut, nach 16 Kilometern überholte er auch noch Wurf und übernahm erstmals im Rennen die Führung im Rennen. Wurf, einst als Ruderer bei Olympia und auch ehemaliger Radprofi, klatschte den Deutschen respektvoll ab. 26 Kilometer später war der erneute Triumph perfekt.

Bei den Frauen gewann schon zum vierten Mal in Folge die Schweizerin Daniela Ryf in der Rekordzeit von 8:26 Stunden. Beste Deutsche war Anne Haug, die bei ihrer WM-Premiere Platz drei erreichte.

Zur Person: Das ist Patrick Lange

geboren: 25. August 1986 in Bad Wildungen

berufliche  Ausbildung: Physiotherapeut

Trainer: Faris Al-Sultan (Ironman-Weltmeister 2005)

Größte Erfolge: 1. Platz Ironman-Weltmeisterschaft 2018 und 2017; 1. Platz Ironman 70.3 Rügen 2017; 1. Platz Ironman Texas 2016; Deutscher Duathlon-Meister 2010, 2011, 2012; Deutscher Mannschaftsmeister Triathlon 2013; Militärweltmeister Triathlon 2009; 2. Platz Ironman 70.3 Philippinen 2016, 3. Platz Ironman-Weltmeisterschaft 2016; 4. Platz Ironman 70.3 Wiesbaden 2016; 4. Platz Ironman 70.3 Barcelona 2015.

Besonderheiten: WM-Streckenrekord (7:52:39 Stunden/2018); Laufstreckenrekord bei der WM auf Hawaii (2:39:45 Stunden/2016); Inhaber des Laufstreckenrekords beim Ironman Texas (2:40:01/2016). Zwischen seinen beiden WM-Siegen gelang Lange kein erster Platz bei einem großen Rennen.

(mit dpa)

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