Joker-Tore und Doppelpacks: Die Trends der Fußball-Bundesliga

Zwei Finger für zwei Treffer: Robert Lewandowski gelangen fünf Doppelpacks. Foto: afp

Kassel. Die Bundesliga-Hinrunde ist vorbei - und der FC Bayern, wenig überraschend, zum sechsten Mal in Folge Herbstmeister. Statistiker Werner Welsch fasst die bisherigen Trends zusammen.

Schlechte Torquote

In der Hinrunde fielen nur 2,67 Tore pro Spiel - die drittschlechteste Quote seit 1963. Die Zeiten, in denen über 1000 Tore in einer Saison fielen, sind vorbei: 1983/84 waren es noch 3,6 pro Spiel.

Mehr Joker-Tore? 

Die Einwechselspieler müssen in der Rückrunde nur 48 Treffer landen, um die Saison-Bestmarke (110) aus 2004/05 auszulöschen. Der effektivste Joker war Nils Petersen vom Aufsteiger Freiburg, der bei 14 Einwechslungen fünfmal traf. In der ewigen „Joker-Bestenliste“ steht er zusammen mit Claudio Pizarro von Werder Bremen mit insgesamt 15 Treffern hinter Spitzenreiter Alexander Zickler (FC Bayern, 18 Joker-Tore) auf dem zweiten Platz. Neuling RB Leipzig (sieben Joker-Tore) wechselte am erfolgreichsten ein.

Mehr Doppelpacks

42-mal (2015: 40, 2014: 36) trafen Torjäger mindestens doppelt. Am erfolgreichsten war Robert Lewandowski vom Rekordmeister mit fünf Doppelpacks (darunter ein Dreierpack) vor Dortmuns Aubameyang mit vier (darunter ein Viererpack) sowie Ibisevic (Hertha BSC), Modeste (Köln) und Werner (Leipzig) mit je drei.

Immer dabei 

Keine einzige Minute in den 17 Vorrundenspielen versäumten 14 (2015: 25) Spieler, davon allein zehn Torhüter. Eine solche Konstanz wiesen diesmal nur vier Feldspieler (2015: 13) auf: Mavraj (16 Spiele für Köln, 1 für den HSV), Orban (Leipzig), Sörensen (Köln) und Verhaegh (Augsburg).

Verpatzte Elfmeter 

Neun von 42 Elfmetern hielten die Torhüter, sechs wurden an Pfosten/Latte oder vorbei geschossen. Das sind gerade mal 64 Prozent verwandelte. Nur 1963/64 sowie 1979/80 war die Trefferquote in der Hinrunde um einen Prozentpunkt schlechter. Yunus Malli (inzwischen in Wolfsburg) schoss die meisten Elfmeter, nämlich drei, für Mainz und verwandelte sie alle.

Die Groben 

Die meisten gelben Karten kassierte mit weitem Abstand der Frankfurter Omar Mascarell: neun in 16 Spielen. Ihm folgen mit je sechs Mannschaftskamerad Fabian (in 13 Spielen) sowie Arnold (Wolfsburg), Bell (Mainz) und Höfler (Freiburg, jeweils 15 Einsätze). Insgesamt wurden in der Hinserie 568 gelbe Karten (ohne die gelb-roten) und damit neun weniger als in der letzten Spielzeit gezückt.

Die Fairen 

Mönchengladbach ist die fairste Mannschaft der Vorrunde (23 gelbe Karten, einmal gelb/rot), gefolgt von Rekordmeister München und Bayer Leverkusen (jeweils 24 gelbe Karten, davon einmal gelb/rot).

Trainer-Rausschmisse

Dieses Mal traf es sieben Übungsleiter - fast so viele wie beim Rekord mit acht in der Hinrunde 2005/06. Im Gegensatz dazu gab es in der Saison 1972/73 überhaupt keine Entlassung in der Hinrunde, da wurde erst nach dem 23. Spieltag der erste Trainer gefeuert (Hipp, Hannover).

Zuschauer 

Insgesamt gab es 6,367 Millionen Stadion-Besucher in der Hinrunde - rund 4000 Zuschauer weniger pro Spiel als in der Rekord-Vorrunde 2011. Die Bayern bauen weiter einen Rekord aus, der einzigartig ist: Sie haben seit der Saison 2007/08 stets ein ausverkauftes Haus. 161 Heimspiele, immer ausverkauft. Respekt.

Aus- und Einwechslungen 

Der 1. FC Köln wechselte am 16. und 17. Spieltag nur einen Spieler ein. Augsburg, FC Bayern, Dortmund und Schalke dagegen tauschten in jedem Vorrundenspiel drei Spieler aus. Werner aus Leipzig wurde am häufigsten vom Feld beordert: zwölfmal in 17 Spielen. Die meisten Einwechslungen verzeichnete Superjoker Petersen aus Freiburg: 14 in 16 Einsätzen. Er war auch der Akteur mit den meisten unvollständigen Spielen (16), denn er wurde, als er zwei Mal in der Startelf stand, auch ausgewechselt.

Neuer seit 2011 überragender Torwart 

Manuel Neuer hat in acht (Vorsaison elf) von 17 Spielen seinen Kasten sauber gehalten, Hradecky (Frankfurt) folgt mit sieben. Am härtesten traf es hingegen einen Neuling, den Torwart von Mainz 05, Jonas Lössl, mit 30 Gegentoren in 17 Spielen. Ihm folgen ein weiterer Newcomer, Michael Esser (Darmstadt) und Alexander Schwolow (Freiburg) mit je 29.

Mehr Platzverweise 

16 gelb/rote und 19 rote Karten. Das sind 13 mehr als 2015: damals der zweitniedrigste Wert seit Einführung der gelb-roten Karte 1991/92. Bis zum Ende der Saison 2015/16 gab es die wenigsten Platzverweise, nämlich 40, seit einem Vierteljahrhundert. Rekord sind immer noch die 98 aus der gesamten Saison 1994/95. Der Platzverweis des Frankfurter Torwarts Hradecky in Leipzig war nach zwei Minuten und 6 Sekunden der zweitschnellste aller Zeiten nach Youssef Mohamad (Köln) am 1. Spieltag der Saison 2010/11 (nach 1 Min. 27 Sek.). Der HSV und Mainz hatten die meisten Sünder: fünf (je zwei gelb/rote und drei rote Karten). Ohne Hinausstellung blieben nur die Bayern und Hoffenheim.

Von Werner Welsch

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