Vor Ort: Ganz gelassen das Ziel im Visier

Bogenschützen-Wettkampf beim Herkulesturnier des PSV Grün-Weiß

Immer die Ruhe bewahren: Bogenschütze Dieter Dehnert vom PSV Grün-Weiß Kassel am Sonntag beim Herkulesturnier.
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Immer die Ruhe bewahren: Bogenschütze Dieter Dehnert vom PSV Grün-Weiß Kassel am Sonntag beim Herkulesturnier.

In Kassel fand das Herkulesturnier statt. Der PSV Grün-Weiß hat viel liebe zum Detail in die Vorbereitungen gesteckt. 

Es ist eine liebevolle Umschreibung, die Frank Plitt für das Bogenschießen wählt. Und doch ist sie treffend wie die Sportart selbst: „Die Kunst der Wiederholung.“ Beim traditionellen Herkulesturnier wird klar, dass es im Sport nicht immer nur um die großen Gefühle geht. 

Rund 150 Bogenschützen, auch aus benachbarten Bundesländern, sind in die Kasseler Emil-Junghenn-Halle gekommen – und wir natürlich auch.

Kassel: Ruhiger Wettkampf

Trotz des Trubels ist es verhältnismäßig ruhig. Wer genau hinhört, wird Musik im Hintergrund erkennen. Ganz dezent, fast schon heimlich. Und wer noch genauer hinhört, wird auf das ploppende Geräusch aufmerksam, wenn der Pfeil auf die Zielscheibe trifft. Akkurat und nur wenige Meter voneinander entfernt stehen die Schützen breitbeinig an der Schießlinie.

18 Meter sind die Zielscheiben entfernt. Die jüngere Generation schießt aus zehn Metern Entfernung. Die meisten Bögen sehen aus wie Kunstwerke – hochtechnologisch und mit allerlei Schnickschnack ausgestattet. 

Mit einem Holzbogen, den man sich in der Kindheit gebastelt hat, ist das wahrlich nicht zu vergleichen. Fernab der Zielscheiben, aber unübersehbar, steht ein kleiner Herkules-Nachbau – der fällt sofort ins Auge.

Kassel: Alles in Handarbeit

Mit viel Liebe zum Detail haben die Bogenschützen Grün-Weiß Kassel, die auch Ausrichter des Turniers sind, damit für einen echten Hingucker gesorgt. Alles in Handarbeit. So wie auch die Pokale, die jedes Jahr in einem anderen Design daherkommen und auf dem Nachbau platziert sind. Dieter Dehnert hat sich so einen Pokal klargemacht.

Er scheint wirklich die Ruhe in Person zu sein. Seit 25 Jahren schießt er inzwischen für die Bogenschützen Grün-Weiß Kassel und sammelt seither fleißig Trophäen. Obwohl der 56-Jährige amtierender deutscher Meister mit dem Recurvebogen ist, strahlt er etwas für diese Sportart ganz typisches aus: Bescheidenheit. 

Kein Abheben, keine großen Gefühle. Trotzdem freut er sich natürlich. Sein Erfolgsrezept: „Man muss alles um sich herum ausblenden. Und natürlich viel trainieren.“ Schnell wird klar: Dehnert ist Perfektionist. Ähnlich wie Vereinskollege Frank Plitt. Allerdings ist Plitt erst seit anderthalb Jahren dabei, aber schon ähnlich erfolgsverwöhnt wie Dehnert.

Kassel: Liebe zum Schießsport

Wenn die beiden über das Bogenschießen sprechen, klingt das wie eine kleine Liebeserklärung. Ein wenig Romantik an der Schießlinie. Immer wieder fallen die Begriffe Ehrgeiz, Konzentration und Selbstbeherrschung.

 „Schießsport hat mich schon immer interessiert. Es ärgert mich aber schon ein bisschen, dass ich nicht schon früher angefangen habe“, verrät der 50 Jahre alte Plitt, der anders als Dehnert mit dem Blankbogen schießt. 

Alles im Griff: Die modernen Sportbögen beeindrucken mit High Tech.

Auch Plitt, ein Berufssoldat, sichert sich einen Pokal. Auf Gefühlsausbrüche wartet man allerdings vergebens. Es geht um die Sache an sich. Um den perfekten Schuss. 

Um das Wiederholen der immer gleichen Bewegungsabläufe. Das Bogenschießen ist so herrlich anders. Und nicht immer lebt der Sport von seinen Emotionen.

Hintergrund: Präzisionssportart Bogenschießen

Das Bogenschießen zählt zu den Präzisionssportarten. Mit Pfeil und Bogen zielen die Schützen aus unterschiedlichen Entfernungen auf eine Zielauflage mit einer sogenannten Ringwertung. Der Durchmesser der Zielauflage ist dabei an die verschiedenen Altersklassen und Disziplinen geknüpft. 

Die am weitesten verbreitete Disziplin des Bogenschießens ist das Schießen mit einem Recurvebogen, dem einzigen bei Olympischen Spielen zugelassenen Bogen. Bei der 46. Auflage des Herkulesturniers waren aber auch die Disziplinen Compound, Blankbogen und Langbogen vertreten.

Von Raphael Wieloch

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