ZOLLSTOCK-GESPRÄCH mit Eishockeyprofi und Ex-Husky Tim Lucca Krüger

Eishockeyprofi Tim Lucca Krüger: „Anfangs war ich im Homeoffice“

Bank am Bugasee: Tim Lucca Krüger und Sportredakteurin Michaela Streuff sind zum Zollstock-Gespräch verabredet. Um die Distanz zu wahren, nutzen sie einen Eishockeyschläger.
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Am Bugasee: Dort hat sich Tim Lucca Krüger in Jugendtagen häufig mit Freunden getroffen, diesmal mit Sportredakteurin Michaela Streuff zum Zollstock-Gespräch auf Abstand.

Tim Lucca Krüger ist ein junger Stürmer aus der Talentschmiede der Eishockey-Jugend Kassel. Im Zollstock-Gespräch spricht er über die Herausforderungen in Zeiten von Corona.

Nichts läuft so, wie es einmal war in Coronazeiten, auch wenn es Ansätze von Normalität gibt. Auf die nötige Distanz kommt es weiterhin an. Auch bei unseren Zollstockgesprächen mit Sportlern der Region. Die Distanz lässt sich bei einem Eishockeyspieler gut einhalten, indem man statt Zollstock den Eishockeyschläger nimmt.

Tim Lucca Krüger hat so einige. In den Sommermonaten trainiert der Kasseler in der Heimat. Der Angreifer, der auch bei den Huskies in der DEL2 zum Einsatz kam, stand zuletzt bei den Füchsen Duisburg in der Oberliga unter Vertrag. Für die neue Saison hat er noch bei keinem Verein unterschrieben.

1.Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Ich bin froh, dass es bei uns bislang so gut gelaufen ist. Denn im Vergleich zu Italien, sind wir ja mit einem blauen Auge davongekommen. Was nervt, ist die Ungewissheit. Wann gibt es einen Impfstoff, kommt eine zweite Welle? Eine Situation, in der wir jetzt stecken, kennen wir ja nicht. Es ist nicht einschätzbar, das gilt auch in Bezug auf den Sport. Der Sommer ist in diesem Jahr verdammt lang. Sollte es im September oder Oktober wieder losgehen, wären das sechs, sieben Monate ohne Eishockey.

2.Was ist die größte Herausforderung?

Sich trotz Lockerungen und einkehrender Normalität bewusst zu werden, dass alles noch nicht vorbei ist, und wir weiterhin aufpassen müssen. Zum Beispiel beim Kontakt mit älteren Menschen. Sich an die Vorgaben zu halten, auf das Desinfizieren zu achten, Abstand zu halten.

3. Was überrascht?

Anfangs fand ich es gut, dass alle Menschen die Maßnahmen so umgesetzt haben, und auch die Politiker an einem Strang gezogen haben. Beim Einkaufen aber hat vor Kurzem erst ein älterer Herr eine Kassiererin angeblafft, die ihn darum gebeten hatte, Abstand zu wahren. Dafür habe ich wenig Verständnis. Es sind doch vor allem die älteren Menschen, für die wir all das machen.

4.Wie sieht es denn in diesen Tagen mit dem eigenen Sporttreiben aus?

Ich bin jetzt vielleicht ein wenig leichter und schneller als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt in den vergangenen Jahren. Denn wir konnten wegen der geschlossenen Fitnessstudios eine Weile nicht bis zum Maximum Muskelaufbau betreiben. Stattdessen war ich viel laufen, habe zuhause nach einem Plan meines Fitnesstrainers viel mit dem eigenen Körper gearbeitet. Anfangs war ich also im Homeoffice. Mittlerweile bin ich wieder im Fitnessstudio, muss mich aber immer wieder daran erinnern, nicht in den alten Trott zu verfallen, sondern die Geräte zu desinfizieren, anderen aus dem Weg zu gehen.

5.Und wie steht es um den eigenen Fernseh-Konsum?

Der ist nicht mehr als sonst. Wir haben das Glück, dass wir häufig draußen auf unserer Terrasse sitzen können. Wenn überhaupt, dann schalten wir den Fernseher mal zu den typischen Zeiten nach 20.15 Uhr ein.

6.Haben Sie sich an den Mundschutz gewöhnt?

Ja. Anfangs konnte ich beim Einkaufen schlecht atmen. Mittlerweile aber denke ich gar nicht mehr darüber nach. Ich habe immer einen im Auto und einen in der Hosentasche. Alle von der Familie selbst genäht.

7.Wer hat sich während der Krise ein Extra-Lob verdient?

All die, die Extraschichten schieben müssen in Krankenhäusern, in Supermärkten. Die Regierung hat einen sehr guten Job gemacht. Und ganz grundsätzlich hat sich jeder ein Lob verdient, der geholfen hat, die Pandemie zu bekämpfen, zuhause geblieben ist, den eigenen Radius so klein wie möglich gehalten hat.

8.Gibt es etwas, dass Sie auch angenehm finden?

So wie es jetzt ist, wäre ein Sommer zu normalen Zeiten auch. Ich kann mein Training machen, bin zuhause. Aber ich habe gelernt, meine Freiheiten zu schätzen, das tun zu können, worauf ich Lust habe. Ich habe zum ersten Mal gespürt, dass es Situationen gibt, in denen das Leben eingeschränkt ist.

9.Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Riesengroß. Nicht nur im normalen Leben, sondern auch im Sport. Wann startet die Liga? Wann gibt es fixe Daten, die eingehalten werden können, um auch als Spieler planen zu können?

10.Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes tun?

Meine Großeltern Sigrid und Werner endlich mal wieder in den Arm nehmen. Das habe ich zum letzten Mal gemacht, als alles losging. Ansonsten aber kann ich sagen: Es gibt mittlerweile keine Aktivität mehr, die ich sonst nicht machen könnte. Gott sei Dank.

Steckbrief: Tim Lucca Krüger. Alter: 22 Wohnort: Söhrewald. Beruf: Eishockeyprofi und Student (Sportbusinessmanagement an der Fernuniversität Düsseldorf). Privates: Lebt mit Freundin Jule zusammen Hobbys: Golf, Radfahren

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