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Rico Rossi in Rumänien: Auf den Titel folgt die Pálinka-Party

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Von: Björn Friedrichs

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Mal wieder Meister: Eishockey-Trainer Rico Rossi mit dem Pokal der ungarischen Liga, den er mit dem rumänischen HSC Csíkszereda gewonnen hat.
Mal wieder Meister: Eishockey-Trainer Rico Rossi mit dem Pokal der ungarischen Liga, den er mit dem rumänischen HSC Csíkszereda gewonnen hat. © Privat

Rico Rossi hat die Kassel Huskies 2016 zur DEL2-Meisterschaft geführt. Jetzt ist er auch in Rumänien erfolgreich. Er erzählt, wie er zu dem Job kam und was dort besonders ist.

Kassel/Miercurea Ciuc – 2000 Zuschauer jubeln, die Spieler in den blauen Trikots reißen am Samstag begeistert den Pokal in die Höhe – und Rico Rossi, 2016 DEL2-Meistertrainer der Kassel Huskies, ist mittendrin. Er hat den rumänischen Eishockeyklub HSC Csíkszereda zum Titel in der ungarischen Liga geführt, ein weiterer Pokal kann diese Woche folgen. Dabei wollte er den Job in der Kleinstadt Miercurea Ciuc (Szeklerburg) anfangs gar nicht annehmen. Wie wurde Rossi zum Meistertrainer in Rumänien?

Seit Mitte November ist der Italo-Kanadier Cheftrainer beim rumänischen Traditionsklub. Bis er das Amt übernahm, das zuvor der jetzige Heilbronner Trainer Jason Morgan innehatte, dauerte es aber. „Als ich das erste Mal angerufen wurde, dachte ich: Was will ich denn in Rumänien? Nein, das mach ich nicht, das ist doch gar keine Eishockeynation“, erzählt der 56-Jährige lachend.

Ein Kanadier trainiert viele Tschechen, Rumänen und Russen

Die Verantwortlichen des 16-fachen rumänischen Meisters blieben aber hartnäckig. „Sie haben ständig angerufen und Videos geschickt. Ich habe dann mit dem früheren DEL2- und ungarischen Nationaltrainer Rich Chernomaz über das Niveau der Liga gesprochen“, so Rossi. Csíkszereda spielt genau wie Gyergyoi HK und ASC Corona Brasov seit einigen Jahren neben der rumänischen Liga auch in der ungarischen.

Beim ersten Blick auf den Kader sei Rossi aufgefallen, dass dieser aus vielen rumänischen, tschechischen und russischen Spielern besteht. „Da ist kein einziger Kanadier dabei, deshalb habe ich gefragt: Was wollt ihr denn überhaupt mit mir?“, erzählt er. Csíkszereda suchte nach einem Trainer der kanadischen Schule, der mit den vielen (teils international) erfahrenen Akteuren umzugehen und sie zu einem Meister zu formen weiß. Der 39 Jahre alte Stürmer Andrei Taratuchin beispielsweise stand 2006 bei den Olympischen Winterspielen gemeinsam mit Stars wie Alexander Owetschkin, Evgeni Malkin oder Alexei Jaschin für Russland auf dem Eis.

Skurrile Busfahrten und Spielpläne

Eine von Rossis wichtigsten Aufgaben sei die Belastungssteuerung gewesen. Da Csíkszereda in zwei Ligen spielt, kommt da eine fast schon surreale Anzahl an Spielen zusammen. 30 Partien in Rumänien, dazu inklusive Playoffs etwa 60 in der ungarischen Klasse – „da braucht man einen großen Kader und kann nicht mit Vollgas trainieren“, sagt der Kanadier. Dazu kommen die Fahrten: „Nach Budapest sitzt man zwölf Stunden im Bus, weil es in Rumänien nur ganz wenige Autobahnen gibt. Da fährt man mitternachts und über die Berge los, macht dann in vier Tagen in Ungarn vier Spiele gegen die Teams vor Ort, ehe es zurück geht.“

Das Niveau der rumänischen Liga sei zwar nicht mit der DEL 2 in Deutschland zu vergleichen, die Teams in den ungarischen Playoffs aber sehr wohl auf hohem Zweitliga-Level. „Es gibt einige Topspieler mit viel KHL-Erfahrung“, sagt Rossi. Der Sport im Eishockey-Entwicklungsland Rumänien – 23. der Weltrangliste – „ist gut, aber die Struktur fehlt noch ein wenig.“

Es ist noch ein weiterer Titel möglich

In der Hauptrunde der ungarischen Liga – die ganz simpel Erste Liga heißt – wurde Titelverteidiger Csíkszereda Erster, in den Playoffs marschierten sie gemeinsam mit dem FTC Budapest ins Finale. Das erste Spiel ging 1:5 verloren, es folgten vier Siege für Csíkszereda und so der Titelgewinn in Spiel fünf vor eigenem Publikum. Die Feier nach dem Sieg war durchaus rauschend. „Hier gibt es so einen Drink, der heißt Pálinka. Davon haben wir wohl ein paar zu viel getrunken“, erzählt Rossi lachend.

Zu viel Party durfte dann aber doch nicht sein. Für Rossi und Csíkszereda geht es nämlich schon um den nächsten Pokal. Heute und morgen stehen die Endspiele um die rumänische Meisterschaft an. Einen Punkt benötigt Csíkszereda aus den zwei Spielen gegen Gyergyoi HK für den Titel. Zweimal Meister in wenigen Tagen dürfte auch für Rossi ein neues Erlebnis sein.

Von Björn Friedrichs

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