Eishockey

Aufstieg auf der Kippe? DEL-Klubs wollen Verzahnung für ein Jahr aussetzen

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Es ist schon zwölf Jahre her: Beim letzten DEL-Aufstieg der Kassel Huskies präsentierte Kapitän Hugo Boisvert 2008 stolz den DEL2-Meisterpokal. ARCHIVFoto: ANDREAS FISCHER/NH

Eine Überraschung ist diese Nachricht nicht in Zeiten, in denen Saisonen abgebrochen und über Auf- und Abstiege diskutiert wird: Die Schwenninger Wild Wings haben vorgeschlagen, die für den Sommer 2021 erstmals wieder geplante Verzahnung der Deutschen Eishockey-Liga mit der DEL2 für ein Jahr auszusetzen. Christoph Sandner, Geschäftsführer des DEL-Schlusslichts, hatte das gefordert, um auch angesichts des Hallenumbaus beim SERC und steigender Abgaben an die Berufsgenossenschaft (siehe Hintergrund) mittelfristig Planungssicherheit zu bekommen und finanziellen Druck zu mindern.

Was aus seiner Sicht durchaus nachvollziehbar ist: Mit nur 45 Punkten verpassten die Schwarzwälder die Preplayoffs um nicht weniger als 27 Zähler. Und einen Tabellenletzten kann es gegen einen ambitionierten Zweitligisten auch sportlich schnell einmal erwischen. Seit ihrem DEL-Neubeginn 2013, als Hannovers Lizenz erworben wurde, waren die Schwäne nur 2018 als Zehnter einmal in der K.o.-Runde und viermal Letzter im Oberhaus. Nur 3839 Zuschauer kamen zu den Heimspielen im Schnitt.

Aus aus Iserlohn kommen vom DEL-Vorletzten ähnliche Töne. Der geschäftsführende Gesellschafter und DEL-Aufsichtsrat Wolfgang Brück hatte die Verschiebung zur Diskussion gestellt. Alle Beteiligten, also DEL- und DEL2 Klubs, müssten Vernunft walten lassen und aufeinander zugehen, berichtete das Eishockeymagazin.

Der Schwarzwälder Bote hatte über Sandners Vorstoß berichtet, die Südwest-Presse über sehr ablehnende Reaktionen. Sie zitiert DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch so: „Diese Aussagen bedeuten ein Ausscheren aus einem festen Vertrag. Wir haben in der Vergangenheit Verträge abgeschlossen, um diese auch einzuhalten. So wurde es auch von DEL-Vertretern betont. Ich verstehe die Diskussion überhaupt nicht.“

Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat demnach für den Vorstoß des Dauerletzten kein Verständnis. „Wir haben einen Vertrag geschlossen, der bindend ist. Deshalb haben wir kein Gespräch zu suchen. Wie sich der Vertrag in der Praxis umsetzen lässt, wird sich im Mai das erste Mal bei der Lizenzprüfung zeigen. Dann sehen wir, welche DEL2-Klubs tatsächlich sich um einen Aufstieg bewerben.“

Mit Blick auf die möglichen Kandidaten Kassel, Frankfurt, Bietigheim und Dresden erklärte Rudorisch: „Ich bin mir sicher, dass die gewillten DEL2-Clubs, die es auch von den Stadionanforderungen her schaffen, ihre Bewerbungen einreichen werden.“

Joe Gibbs fand klare Worte für das Ansinnen der DEL-Klubs: „Sie können sagen, was sie wollen. Wir haben eine für alle bindende Vereinbarung. Punkt. Dafür haben wir viele Jahre lang gekämpft, ebenso lange tun wir alles, sie zu erfüllen“, sagte der Geschäftsführer der Kassel Huskies.

A propos Schwenningen: Der angeblich vor einem Wechsel zum DEL-Klub stehende Huskies-Verteidiger Denis Shevyrin mag sich zu einer zuletzt kolportierten Absage an die Schwarzwälder und einen Verbleib in Kassel nicht äußern. „Es gibt so viele Gerüchte, aber auch so viele Ungewissheiten. Erst wenn die Tinte einer Vertragsunterschrift trocken ist, dann werde ich Stellung nehmen“, sagte der 25-Jährige gestern.

HINTERGRUND: Berufsgenossenschaft erhöht Beiträge

Im Kampf gegen ihre finanziellen Probleme haben die Eishockeyklubs gemeinsam mit Fußball-, Handball- und Basketball-Verbänden die einheitliche Stundung der Beiträge zur Verwaltungsberufsgenossenschaft „bis mindestens 30. Juni 2021, besser noch bis Ende 2021“ erbeten. Auch politische Gespräche über einen Beitragserlass werden ersucht.

Die VBG hatte kürzlich mitgeteilt, die Beitragsforderungen rückwirkend für 2019 noch einmal um 20 Prozent zu erhöhen. DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge bezeichnete das in der aktuellen Krise als „Schlag ins Gesicht des gesamten Sports“. So steigen die Kosten pro DEL-Spieler für die gesetzliche Unfallversicherung um rund 5000 Euro. „Deshalb ist die Stundung wichtig“, sagt DEL-Chef Gernot Tripcke. sam/sid

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