Ein Blick in die Geschichte

Eishockey in Kassel: Es ist bereits die fünfte Insolvenz

Die Geschichte des Kasseler Eishockeys hat die Fans viele, viele Höhen erleben, aber auch zahlreiche schwere Stunden durchleiden lassen. Eine Zusammenfassung:

Am 14. August 1967 wurde die ESG Kassel gegründet. Ein geregelter Spielbetrieb aber wurde erst 1977 nach der Eröffnung der Eissporthalle am 19. Februar möglich. Bauherr und Betreiber war die Kasseler Sportstätten-KG der Eheleute Edith und Simon Kimm, die auch die Tennishallen in Ful-dabrück-Bergshausen und Wabern eröffnete.

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Erste wirtschaftliche Turbulenzen gab es im Frühjahr 1982, als trotz des sportlichen Erfolgs der Aufstieg aus der Oberliga in die zweite Liga nicht wahrgenommen wurde. Von 1986 bis 1988 verpasste die Eissport-Gemeinschaft Kassel mit Trainer Tore Hedwall dreimal nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Aber es wurde mehr Geld ausgegeben als eingenommen, und 1988 folgte das Aus für den Verein ESG.

Simon Kimm 

Konkursverwalter war damals Dr. Fritz Westhelle, der 23 Jahre später als Geschäftsführer noch einmal im Kasseler Eishockey Geschichte schrieb. Als Nachfolgeverein wurde sogleich der Eishockey-Club Kassel gegründet. Aber auch der ECK geriet aufgrund der Altlasten sofort in Not und konnte 1988 nur dank eines Kunstgriffes von Insolvenzverwalter Martin Lepper und herben Verlusten der Schuldner gerettet werden.

Rainer Lippe

Daraus aber entstand mit Führungskräften wie Gerhard Swoboda, Herbert Appel und Uli Egen ein Topklub, der es zunächst in die neu gegründete Deutsche Eishockey Liga (DEL) schaffte (1994) und nach dem Ausbau der Eissporthalle von 4200 auf 6100 Plätze (1995) durch die Familie Kimm als Kassel Huskies 1997 sogar die deutsche Vizemeisterschaft gewann.

Mit Trainer Hans Zach erreichten die Huskies noch dreimal das DEL-Halbfinale. Aber auch diese Erfolge wurden so teuer bezahlt, dass der sportliche Aufschwung erneut mit wirtschaftlicher Not einherging – obwohl Simon Kimm in dieser Zeit selbst Eigentümer der Huskies war. Kimm zog sich zurück, Rainer Lippe übernahm, und 2010 gab es zwischen Abstieg, Aufstieg und erneutem Abstieg den nächsten Zusammenbruch.

Dennis Rossing

Neu-Eigentümer Dennis Rossing engagierte Dr. Fritz Westhelle als Übergangsgeschäftsführer, der in einer Planinsolvenz zwar zu 100 Prozent die Zustimmung der Gläubiger zu seinem Rettungsplan erhielt, dann aber nach vielen Gerichtsterminen an einem bis heute umstrittenen Veto der Deutschen Eishockey-Liga scheiterte.

Es folgte der Neubeginn mit der Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft KEBG mit der Familie Rossing als Alleingesellschafter, Stefan Traut als Geschäftsführer und einer Amateurmannschaft heimischer Spieler, die mit Trainer Milan Mokros im Triumphzug durch die Regionalliga marschierte.

Von Gerald Schaumburg

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