Nachfolger für Marco Sturm gesucht

Co-Trainer und Ex-Husky Abstreiter zu Bundestrainer-Diskussion: Alle Favoriten sind gebunden

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Sein Nachfolger wird gesucht: Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm beginnt heute schon seinen Dienst in Los Angeles.

Tobias Abstreiter spricht bestens Deutsch, wenn auch trotz vieler Jahre in Köln, Kassel und nun Düsseldorf noch immer mit deutlichem bayrischen Akzent. Damit erfüllt der 48-Jährige ein wesentliches Kriterium für eine Bewerbung als Eishockey-Bundestrainer.

Aber: Der „Tobi“ hat keine Modelleisenbahn. Und damit ist er raus. Denn Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), sucht als Nachfolger für Marco Sturm einen neuen Lokführer.

Was natürlich im übertragenen Sinne gemeint ist. Ein Mann mit Charisma, einer, der wie Sturm vorangeht, einer, der Weichen stellt – das ist das hohe Anforderungsprofil für Sturm2.0. „Es wird schwer, da jetzt eine Idealbesetzung zu finden“, sagt Abstreiter. Seit fünf Jahren ist er auf Honorarbasis von Turnier zu Turnier als einer von Sturms Assistenten dabei gewesen, kennt den scheidenden Bundestrainer seit den Neunzigerjahren aus der gemeinsamen Landshuter Sommertrainingsgruppe mit Bruder Peter und Schwager Günter Oswald als besten Freund.

„Aber nun beginnt eine neue Ära, und ich bin sehr gespannt, was passiert“, sagt Abstreiter. Natürlich habe er auch weiterhin seine Unterstützung angeboten, will die erfolgreiche Arbeit gern fortsetzen. Dann in der ersten Reihe? „Die Position, die Art und Weise, wie ich mich einbringen kann – das alles ist völlig egal“, sagt der „Tobi“ in gewohnter Bescheidenheit, „denn es geht allein ums deutsche Eishockey.“ Er selbst wolle sich da „überhaupt nicht in den Vordergrund schieben oder anderen im Weg stehen“.

Abstreiter hat noch bis zum Saisonende einen Vertrag bei der derzeit als DEL-Vierter erfolgreichen Düsseldorfer EG, wo er im fünften Jahr als Co-Trainer arbeitet. Nun als Assistent von Harold Kreis – und der zählt zu den Topkandidaten (siehe Hintergrund rechts) auf einer aus Sicht von Franz Reindl „unerwartet langen Liste“. Weil er für Abstreiter die wichtigsten Kriterien erfüllt: „Respekt in der Mannschaft, hohes Fachwissen, Einstehen für unsere Werte mit viel Teamgeist und der Bereitschaft, auch nach einer harten Saison noch gern in der Nationalmannschaft eine WM zu spielen.“

Das Problem: Wie alle anderen ist auch Kreis an seinen Klub gebunden, zumindest kurzfristig nicht im Vollzeitjob für den Verband zu haben. „Aber mittel- und langfristig muss ein Bundestrainer nur für die Nationalmannschaft da sein, da hat er mehr als genug zu tun“, erklärt Abstreiter. „Zumal es für jeden Bundes- und Klubtrainer in Personalunion zu viele Interessenskonflikte gibt. Das ist heute nicht mehr machbar wie früher zum Beispiel mit Hans Zach in Kassel.“

Abstreiter jedenfalls vermutet: „Es wird wohl jetzt erst einmal auf eine Übergangslösung hinauslaufen“ – mit einem Teammanager, für den Ex-Nationalspieler Christian Ehrhoff ein Kandidat ist, und einem Chefcoach, der nur zu den Turnieren dabei sein kann.“ , Präsident Reindl jedenfalls erwägt eine solche Strategie, auch wenn er sie mittelfristig nicht wieder haben möchte.

Und als Co-Trainer haben in den vergangenen Jahren neben Abstreiter bereits auch Geoff Ward (Kanada), Matt McIlvane (USA) und seit 2016 auch der Schwede Mikael Samuelsson erfolgreich mitgearbeitet. Ein Modell, dessen Fortsetzung sinnvoll erscheint.

Bei der Verpflichtung des als Trainer wenig erfahrenen Sturms 2015 war Reindl ein hohes Risiko eingegangen. Trotz des mit Olympiasilber gekrönten Erfolgs will er es jetzt aber nicht noch einmal mit einem Novizen wagen: „Ich muss das Glück nicht noch einmal herausfordern“, sagt der Präsi. Und erhofft neue Perspektiven in einer Expertenrunde: Am Mittwoch will das Präsidium mit Jürgen Rumrich (Schwenningen), Karl-Heinz Fliegauf (Wolfsburg) und dem Münchner Christian Winkler aus dem DEL-Kompetenzteam beraten.

Die Kandidaten

Trainer Harold Kreis (59): Geboren in Winnipeg, kam der Deutschkanadier 1978 nach Mannheim. Gewann als Verteidiger mit den Adler bis 1997 drei DM-Titel. Danach u. a. Trainer in Chur, Lugano, Zürich, Düsseldorf, Mannheim und nun mit der DEG sehr erfolgreich. Hatte 2010 als Assistent von Bundestrainer Krupp großen Anteil am WM-Halbfinaleinzug. Als Spieler 180 Einsätze im Nationalteam.

Pavel Gross (50): Tscheche aus Usti nad Labem mit deutschem Pass, spielte in Freiburg, Mannheim und bei den Capitals in Berlin, ersetzte dort zunächst Trainer Chris Valentine. Führte später Wolfsburg zwischen 2011 und 2017 dreimal ins DEL-Finale. Seit dem Sommer in Mannheim und Tabellenführer.

Uwe Krupp (53): Nach 810 NHL-Spielen und dem Stanley-Cup-Gewinn mit Colorado 1996 war der Kölner , der nur sieben Länderspiele bestritt, zunächst Bundestrainer (2005 - 2011) und danach DEL-Coach in Köln und Berlin. Derzeit führt er mit Sparta Prag in Tschechien die Liga an.

Ralph Krueger (59): Auch dieser Deutschkanadier mit 16 WM-Einsätzen stammt aus Winnipeg, hat Erfahrung als Nationaltrainer der Schweiz (1998 - 2010) und als Chefcoach des NHL-Klubs Edmonton Oilers (2012/13). Aber: Verdient derzeit als Geschäftsführer beim FC Southampton in der englischen Fußball-Topliga sicher weitaus mehr als der DEB zahlen kann.

Manager Christian Ehrhoff (36): Bei Olympia noch deutscher Fahnenträger, beendet der Krefelder Verteidiger danach seine Karriere. Hat Charisma, steht bei den Spielern hoch im Kurs. Aber Ehrhoff nimmt eine Auszeit vom Eishockey und hat mit viel Arbeit gerade erste ein Rehazentrum in Moers übernommen. 

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