Stürmer arbeitet nun in der Immobilienbranche

Kassel Huskies: Warum Austin Carroll seine Karriere beendet hat

Austin Carroll (rechts) erzielt gegen Bietigheim den 4:0-Endstand. Mit im Bild: Corey Trivino. Letztes Eishockeyspiel der Saison 2019/20.
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Das war der letzte Torjubel in der abgebrochenen Eishockeysaison 2019/20: Austin Carroll (rechts) erzielte gegen Bietigheim den 4:0-Endstand. Mit im Bild: Corey Trivino.

Nur kurz war noch zu spielen, an jenem 1. März, der gleich aus doppeltem Grund ein besonderer werden sollte: 5:49 Minuten stehen an diesem Sonntagabend noch auf der Uhr, als Austin Carroll für die Kassel Huskies gegen die Bietigheim Steelers zum 4:0 trifft. Wenige Tage später steht fest: Es wird der letzte Treffer der Huskies in der Eishockey-Saison 2019/20 sein.

Kassel - Denn nach diesem letzten Spiel der Hauptrunde bricht die DEL2 die Saison wegen der sich ausbreitenden Pandemie vor den Playoffs ab.

Mehr als ein halbes Jahr später steht fest: Dieser Treffer wird auch im Leben des Torschützen ein besonderer bleiben: Denn für den Stürmer war es das letzte Tor seiner aktiven Karriere. Und sogar das letzte Mal, dass er auf dem Eis stand.

Denn Carroll hat seine aktive Karriere beendet. Seine Schlittschuhe stehen noch eingepackt in seiner Wohnung im Norden Vancouvers. In der Metropole an der kanadischen Westküste hat er eine neue Heimat gefunden und arbeitet dort nun Vollzeit in der Immobilienbranche. Und das, obwohl er mit 26 Jahren eigentlich noch im besten Eishockey-Alter ist.

Doch es kam einiges zusammen in den vergangenen Monaten. „Die Firma, für die ich jetzt arbeite, hat mir ein tolles Angebot gemacht“, erklärt Carroll. Hinzu kam die große Unsicherheit, die Corona mit sich brachte. Wann und wie würde es weitergehen? „Es war die härteste Entscheidung meines Lebens“, gibt Carroll unumwunden zu. „Ich spiele Eishockey, seitdem ich zwei Jahre alt bin, war die letzten Jahre Profi. Der Sport hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Ein wenig bin ich zwar immer noch Eishockeyspieler, aber es war an der Zeit, um den nächsten Schritt zu gehen.“

So ganz weg vom alten Leben aber sei er noch nicht, sagt Carroll. „Ich starte jeden Tag mit einem Workout vor dem Frühstück. Erst dann gehe ich zur Arbeit.“

Ansonsten aber hat sein neuer Alltag so gut wie gar nichts mehr mit dem als Sportler zu tun: Büro statt Eissporthalle, Telefonate statt Training, Klienten statt Mitspieler, Vertragsabschlüsse statt Spieltage, Anzug statt Trikot heißt nun die Devise. Statt eines Eishockeysalärs beschäftigt er sich nun mit Immobiliengeschäften im Wert von 60 bis 120 Millionen Dollar. Gerade erst hat die Firma, für die erarbeitet, beispielsweise einen großen Appartmentkomplex in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gekauft. Kurioserweise genau dort, wo Carroll aufgewachsen ist.

Nun ist er mittendrin in einer neuen Welt. Er fällt dabei allerdings nicht ins kalte Wasser. Denn die Zeit nach der aktiven Karriere hat er schon früh im Blick gehabt, neben dem Eishockey Kurse im Bereich Immobilien-Wirtschaft belegt und bei seinem neuen Vollzeit-Arbeitgeber bereits 14 Projekte betreut.

„Klar fehlt mir der Sport schon mit allem Drum und Dran, mit den Fans, dem Kontakt zur Mannschaft. Gerade in Kassel hatten wir ein super Team, auch in der Kabine.“ Aus der Sitznachbarschaft mit Derek Dinger wurde eine enge Freundschaft.

Und er weiß auch die Freiheiten seines neuen Lebens zu schätzen: Er besitzt ein Haus am See, die Wochenenden sind nun spielfrei, es bleibt mehr Zeit für Familie und Freunde. „Das hatte ich vorher nicht“, sagt Carroll. Und noch eines ist neu: „Ich richte mit 26 Jahren zum ersten Mal eine Wohnung selbst ein und fühle mich endlich einmal zu Hause.“

Auch wenn sein neues Leben abseits des Eishockeys erst am 1. September begonnen hat: Wer mit Carroll spricht, der merkt, das er schon jetzt angekommen ist.

(Von Michaela Streuff)

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