Rich Chernomaz sieht Kassel und Bietigheim auf Augenhöhe

Teamcheck des Löwen-Trainers: „Das wird eine ganz enge Serie“

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Der Kasten ist vernagelt: Die Huskies (von links) Dorian Saeftel, Kevin Maginot, Markus Keller, Mathias Müller, Sören Sturm sind heiß auf die Bietigheim Steelers.

Kassel. Die Huskies habe er vor Beginn der Playoffs als Finalteilnehmer nicht auf der Rechnung gehabt, sagt Rich Chernomaz, Trainer und Manager der Löwen Frankfurt.

Dann aber kam der Sweep gegen sein Team, der Triumph gegen Ravensburg: „Durch die Art und Weise, wie die Huskies in den Playoffs aufgetreten sind, stehen sie völlig verdient im Finale.“ Nun macht Chernomaz den Teamcheck vor der Endspiel-Serie gegen Bietigheim, die heute Abend beginnt (19.30 Uhr, Ege-Trans-Arena).

Torhüter

Kassels Markus Keller ist in den Playoffs in einen sehr guten Rhythmus gekommen. Bietigheims Sinisa Martinovic ist erfahren und spielt hinter einem starken Team. Eine starke Torhüterleistung ist der entscheidende Faktor bei der Frage, wer die Meisterschaft gewinnt. Ich sehe da keinen Vorteil für eine der beiden Mannschaft.

Verteidiger

Die Bietigheimer spielen auf DEL-Level, sind älter, lassen die Scheibe gut laufen, sind groß und jagen vielleicht ein Stück weit weniger intensiv als die Kasseler Verteidiger dem Puck hinterher. Sie kennen das System, das Trainer Kevin Gaudet sie spielen lässt, genau und sind darin sehr effizient.

Die Kasseler wiederum spielen ihr bestes Eishockey seit Beginn der zweiten Saisonhälfte. Alex Heinrich, Mike Little und Sören Sturm sind in toller Form. Sven Valenti bringt viel Erfahrung rein. Die Art der Huskies zu verteidigen, ist auch ein Grund, warum Kassel in den ersten beiden Serien so viele Torchancen kreiert hat. Auch hier gibt es für mich keinen Vorteil. Fällt Dominic Auger tatsächlich verletzt aus, wäre das allerdings ein ziemlicher Rückschlag für die Steelers, insbesondere im Powerplay.

Angriff

Jamie MacQueen hat sein Spiel in den Playoffs auf ein höheres Level gehoben. Es wird interessant sein zu sehen, ob die Trainer ihre beiden Topscorer-Reihen gegeneinander stellen. Sollten sie sich neutralisieren, kommt es auf die zweiten und dritten Reihen an. Da haben die Bietigheimer einen leichten Vorteil, weil sie dort mehr Konstanz im Torabschluss haben.

Andererseits aber haben auch Manuel Klinge, Jean-Michel Daoust, Carter Proft und Adriano Carciola in Schlüsselmomenten getroffen. Rico hat seine Jungs dazu gebracht, hart und einfach zu spielen. Als wir beispielsweise Druck auf sie in der neutralen Zone ausgeübt haben, haben sie die Scheibe tief gespielt. Wenn du das machst, kannst du erfolgreich forechecken. Die Bietigheimer stehen sehr defensiv in der neutralen Zone. Wenn es den Kasselern auch gegen die Steelers gelingt, die Verteidiger frühzeitig unter Druck zu setzen, sie die Scheibe häufig von hinten holen zu lassen, können sie sie leichter zu Strafen zwingen.

Trainer

Kevin Gaudet ist ein ruhiger Typ, der seinen Spielern viel Verantwortung übergibt. Das ist sicherlich auch ein Faktor, warum Bietigheim jetzt zum vierten Mal in Folge im Finale steht. Rico ist ein lebendiger Typ, der seine Spieler bis ans Limit bringt. Spieler, die mental vorher nicht so stark waren, sind es unter ihm geworden.

Dass sie uns geschlagen haben, hat den Huskies Selbstbewusstsein gegeben und noch mehr Vertrauen in das, was sie können. Das ist ein Prozess, den sich jeder Trainer zu Saisonbeginn wünscht. Rico hat einen herausragenden Job gemacht.

Kraft

Zweifelsohne kann sie zu einem Faktor werden. Aber Bietigheim hat die vergangenen Jahre mit keinem allzu großen Kader bestritten, aber trotzdem einen Weg gefunden zu gewinnen. Die Erfahrung dürfte ihnen auch helfen, die möglichen Ausfälle von Frederik Cabana und David Wrigley zu kompensieren.

Sollte es Kassel gelingen, sie hart anzugehen, sie zu zwingen, Strafen zu nehmen, dann könnte es ein Vorteil für die Huskies werden. Ricos Team hat einen Schnitt von 25 Jahren, Kevins von 28. Und jüngere Beine erholen sich schneller als ältere. Je länger die Serie geht, desto mehr könnte es ein Faktor für Kassel werden.

Tipp

Das erste und das dritte Spiel der Serie entscheidet in der Regel darüber, welche Mannschaft das Momentum auf ihrer Seite hat. Ich erwarte eine sehr enge Serie. Ich tippe auf sechs Spiele: Derjenige, der heute Abend gewinnt, wird der sein, der die Serie in sechs Spielen für sich entscheidet.

Unser Experte

Rich Chernomaz (52) ist seit 2013 Sportdirektor des Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurt. Nach der Trennung von Tim Kehler im Dezember übernahm er in Personalunion auch den Trainerjob. Bereits von 2003 bis 2010 trainierte der Kanadier das DEL-Team, führte es 2004 zur Deutschen Meisterschaft. Zwischen 2011 und 2013 war er Chefcoach beim ERC Ingolstadt, sowie bei der Nationalmannschaft Ungarns. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Frankfurt.

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