DEL will Regeln ändern

Münchner Goalie verschiebt Tor bei Konter des Gegners: Clever oder grob unsportlich? 

Ein Torwart sorgt für Wirbel im Eishockey. Von „clever“ bis „grob unsportlich“ reichen die Bewertungen für eine Aktion David Leggios, der beim 5:2 seiner Red Bulls München sein Tor aus den Angeln hob.

Und zwar genau in dem Moment, als Bremerhavens Ross Mauermann allein auf ihn zustürmte. Leggios erzwang so vor dem Torschuss eine Spielunterbrechung.

Sein Kalkül: Den folgerichtig verhängten Penalty nahm er in Kauf, um eine Nachschussmöglichkeit des gegnerischen Stürmers zu verhindern. Sein spektakulärer Plan ging auf: Leggio wehrte den Strafschuss des verdutzten Mauermanns ab und sorgte so beim Stand von 1:1 für einen Hallo-wach-Effekt bei seinem Team.

Die Frage ist nun, ob Leggios Verhalten clever war oder unsportlich. „Vielleicht ist es unfair, aber es ist nicht gegen die Regeln“, sagte Münchens zweifacher Torschütze Jon Matsumoto. David Leggio bekam von seinem Arbeitgeber Redeverbot. Trainer Don Jackson sagte: „Es ist nicht an mir, sein Verhalten zu beurteilen.“ Und dann lächelnd: „David ist eine clevere Person, die sich eine Taktik zurechtlegt, die ihr hilft.“

Thomas Popiesch gab keinen Kommentar ab, doch aus Gestik und Mimik des Bremerhavener Trainers, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, sei seine Verärgerung deutlich zu erkennen.

Abkühlung: Münchens Torwart David Leggio. Foto:  dpa

Der Kasseler DEL-Schiedsrichter Carsten Lenhart (48) bestätigt, dass die Schiedsrichter „alles richtig gemacht haben und es über die Regeln derzeit keine Handhabe gegen Leggio“ gebe. Bei einer Schiri-Schulung am Wochenende in Wolfsburg sei die Aktion des Münchners ein großes Thema gewesen. Natürlich. Fakt aber sei, dass Leggio eine Lücke im Regelwerk genutzt habe. Denn: „Über das Verhalten der Torhüter bei Kontersituationen ist nichts erklärt“, erläutert Lenhart.

So sei das absichtliche Torverschieben nur in normalen Spielsituation zusätzlich zum Penalty mit zwei Strafminuten wegen Spielverzögerung zu ahnden. „Auch wenn er den Helm abgenommen oder den Schläger geworfen hätte, wäre es beim Penalty geblieben.“ Auch auf technisches Tor hätte nicht entschieden werden können, da das Tor ja nicht leer gewesen sei.

Diese Lücken im Regelwerk gab es auch in der American Hockey League. Aber sie wurden geschlossen, nachdem Leggio 2014 bei einem 2:1-Konter ebenso agiert hatte. Dort gibt es seither zusätzlich zum Penalty eine Spieldauerstrafe. Eine Variante, die nun auch die Deutsche Eishockey-Liga erwägt. Spielleiter Jörg von Ameln beschrieb Leggios Verhalten als „grob unsportlich“. Disziplinarische Maßnahmen gegen den Torwart werden geprüft, schon zum Wochenende sollen die Regeln angepasst werden.

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