Eishockey

Achterbahn-Derby der Gefühle: Ein Huskies-Sieg für die Geschichte

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Ihr Strahlen sagt alles: Die Derbysieger Alex Karachun, Michi Christ, Maxi Adam, Mario Scalzo, Marco Müller und Lois Spitzner (von links) lauschen der Humba der Fans auf dem Heuboden.

Bei der DEL2 haben es die Kassel Huskies ein weiteres Mal geschafft: Sie boten ihren sportbegeisterten Fans eins der spannendsten Spiele der Saison.

  • Kassel Huskies sorgten im Derby gegen die Löwen Frankfurt für ein Wechselbad der Gefühle. 
  • Die Huskies gingen als Sieger aus dem Kräftemessen der hessischen Rivalen hervor.
  • Der nächste Gegner ist derEV Landshut.

2:0 - 2:3 - 5:3 - 5:5 - 7:5 - schon die Torfolge beschreibt es: Das 130. Eishockey -D erby Huskies und Löwen, zwischen Kasselern und Frankfurtern, es wird in die Eishockey-Geschichte eingehen als das Achterbahn-Derby der DEL2

Als spektakulärstes, aufregendstes und torreichstes Kräftemessen derewigen hessischen Rivalen seit dem Wiederaufstieg 2014.

Kassel Huskies: Achterbahnfahrt der Gefühle im Derby

Da lagen die Hausherren 2:0 vorn, obwohl sie nicht zwei Tore besser waren als der gut organisierte Gegner. Da verloren sie das zweite Drittel 0:3 nach drei ungenutzten Kontern und schienen fix und fertig. 

Doch dann siegten diese Kasseler nach einem sensationellen Schlussdrittel noch 7:5. Knapp 5000 Besucher hatten mit ihnen Himmel und Hölle erlebt, dann feierten sie gemeinsam nach zuvor vier Niederlagen diesen Triumph mit grenzenloser Erleichterung.

„Das war eines der spannendsten Spiele meiner Karriere. Playoff - Eishockey“, fasste Matchwinner Denis Shevyrin die Partie zusammen. Aber der Reihe nach.

DEL2: Das Aufwärmen

In den ersten 40 Minuten zeigten die Huskies zwei Gesichter. Zunächst das der Effektiven, die durch Ryon Mosers perfekten Strafschuss beim DEL2 Spiel genau in den Giebel und Corey Trivinos elften Saisontreffer 2:0 führten, auch dank Jerry Kuhns famoser Paraden. 

Dann aber folgte das Gesicht einer Truppe, die mit dem letzten Tropfen Sprit im Tank daherkommt.

„Das zweite Drittel war das schlechteste der gesamten Saison“, bekannte Trainer Tim Kehler angesichts von 4:18 Torschüssen und 0:3 Treffern. 

Die Frankfurter hatten das Spiel nicht nur gedreht, sie spielten Katz und Maus mit den Huskies. „Wir sind eingeknickt, uns hat der Biss gefehlt, wir haben die Köpfe hängen lassen“, urteilte Huskies-Stürmer Noureddine Bettahar über diese Phase.

Die Wildwest-Szene mit den Kassel Huskies

DEL2: Das letzte Drittel beginnt. Die Huskies liegen 2:3 zurück. Die Hoffnung auf eine zweite Wende ist gering. Der Puck ist kaum eingeworfen, da fährt Denis Shevyrin einen höchst grenzwertigen Check gegen Manuel Strodel. 

Der Frankfurter geht parterre, ist kurz benommen, kann aber weitermachen. Es gibt keine Strafe gegen den Kasseler, keine Diskussionen.

Nur Bully. Shevyrin sagt: „Nach so einem zweiten Drittel muss man ein Zeichen setzen. Es war ein harter Check, aber er war sauber.“ Die Teams formieren sich, da fährt Löwe Adam Mitchell raus zur Spielerbank,Mike Mieszkowski springt über die Bande. 

Und der will nicht spielen, sondern Strodel rächen, läuft schnurstracks auf Shevyrin zu und attackiert den Kasseler. Wildwest auf dem Eis.

Die Folge: Zwei Strafminuten gegen Shevyrin, Ausschluss für Mieszkowski. Dessen Trainer Matti Tiilikainen bringt später den Spruch des Tages und behauptet: „Ich habe die Szene nicht gesehen.“ 

Und Bettahar stellt dann treffend fest: „Sie haben uns durch diese doofe Strafe das Momentum zurückgebracht.“

Die Schlüsselszene: Frankfurts Mike Mieszkowski (links) hat Husky Denis Shevyrin (rechts) attackiert, die Linienrichter Maxim Huttenlocher und Artur Stach greifen ein. Danach wird Mieszkowski ausgeschlossen.

DEL2: Die zweite Wende

Denn nun kommen die heißesten fünf Minuten seit Jahren und tatsächlich diesezweite Wende. Es dauert nur neun Sekunden, dann trifft Alex Karachun im Nachschuss zum 3:3.

1:50 Minuten später haut Justin Kirsch nach Supersolo den Puck zum 4:3 unter die Latte. Und als dann auch noch Ben Duffy nach Doppelpass mit Karachun in Überzahl das 5:3 gelingt, stehen die Fans und die Weichen auf Sieg in diesem Spiel der DEL2.

Die Fehlgriffe der Kassel Huskies

Doch es passt zu diesem irren Spektakel, dass ausgerechnet der große Rückhalt nun patzt bei durchaus haltbaren Distanzschüssen

Zweimal greift Kuhns Fanghand ins Leere, nur fünf Minuten nach dem 5:3 steht es schon 5:5.

Eine Erklärung dafür hat der sichtlich geschaffte, kleinlaute Torwart nicht („ich bin heilfroh, dass die Patzer nicht das Spiel entschieden haben“) nach der achten Partie in 17 Tagen. 

Marco Müller schon: „Körperlich sind wir nicht platt, aber mental. Der Kopf ist nicht frei, wenn es fast nur noch Eishockey gibt in deinem Leben.“

Das Happy End bei der DEL2

Diesmal aber klappt es endlich wieder mit einem Happy End für die Huskies in der DEL2. Weil Shevyrin von der Blauen Linie trifft und Karachun seinen nun schon siebten Doppelpack perfekt macht mit dem 7:5 ins verwaiste Löwen-Tor. 

„Das waren die passenden Antworten zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Tim Kehler. „Für die Fans war das ein unterhaltsames Spiel – als Coach aber brauchst du solche Partien nicht häufiger. Aber letztlich zählt, dass wir einen Weg zum Sieg gefunden und das glückliche Ende hatten.“

Und als Lohn bekam sein Team etwas, was aufgrund der Reisestrapazen zuletzt selten war: einen freien Tag, Zeit für Familie und Freunde. 

Und die lässt sich mit einem Derbysieg doppelt genießen. Auch wenn am Freitag schon der EV Landshut kommt zum nächsten Heimspiel in der Eissporthalle.

Weitere Informationen zur DEL2: Kassel Huskies

Irrer Derby-Sieg: So ein Spiel hat Kassels Eishalle lange nicht erlebt. Ein irres Derby voller Wirren und verrückter Wendungen, mit deprimierenden Rückschlägen und plötzlichen Auferstehungen.

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