Dritter Sieg im dritten Spiel - Entscheidung in der Verlängerung

Der Playoff-Wahnsinn geht weiter: Huskies siegen 3:2 gegen Bietigheim

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Machte erneut die Krake: Huskies-Keeper Markus Keller.

Bietigheim. Der Playoff-Wahnsinn der Kassel Huskies steht kurz vor der Krönung: Sie haben auch das dritte Spiel der Final-Serie bei den Bietigheim Steelers gewonnen.

Kurz vor dem Ende der ersten Verlängerung machte Jamie MacQueen den 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 1:0)-Sieg im Hexenkessel EgeTrans-Arena perfekt.

Dritte Partie, dritter Sieg. Schon am Freitag können sie in eigener Halle die Meisterschaft perfekt machen. Besser geht es nicht. Doch was war das wieder für ein Krimi. Die Kasseler kassierten zwei Unterzahl-Tore, verloren Daoust mit einer Spieldauer-Strafe – und triumphierten dennoch zum zweiten Mal auswärts beim Meister.

Die Huskies erwischten einen Traumstart in die Partie: Gerade 85 Sekunden waren gespielt, als Carter Proft die Scheibe zu Michi Christ passte, der sie von links am chancenlosen Sinisa Martinovic vorbei über die Linie beförderte. Besser konnte es nicht losgehen. Wie würden die Gastgeber damit umgehen? An der Antwort beteiligt war einer, der überraschend erstmals in dieser Serie für die Steelers auf dem Eis stand: Der bislang verletzte David Wrigley gab gleich in der ersten Überzahl die Vorlage für das Tor, das nur knapp zwei Minuten nach der Kasseler Führung zum Ausgleich führte. Marco Müller saß gerade die erste Strafe der Kasseler ab, als Wrigley und Borzecki die Scheibe zu P. J. Fenton brachten und der mit einem harten, präzisen Schuss Markus Keller im Huskies-Tor keine Abwehrchance ließ. Ihm rutschte die Scheibe durch die Schoner.

Dem heimischen Publikum war anzumerken, dass sie die Schiedsrichter-Schelte ihres Trainers Kevin Gaudet mitbekommen hatten. Fast jeder Check der Huskies, und war er noch so fair, wurde in der aufgeheizten Atmosphäre mit Pfiffen quittiert, fast bei jedem forderten die gut 4400 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Halle eine Strafe. Und die Huskies? Die behielten einen kühlen Kopf. Auch wenn sie sich Bietigheimer Dauerdrucks erwehren mussten. Bastian Steingroß von der Blauen Linie, Shawn Weller mit einem verdeckten Schlagschuss, Matt McKnight am kurzen Pfosten, Ex-Husky Sebastian Alt aus der Distanz – es waren die besten einer Reihe guter Gelegenheiten, die sich die Gastgeber herausspielten. Doch ein ums andere Mal hieß die Endstation Keller.

Und die Huskies, die antworteten auf ihre Weise. Ganze 59 Sekunden war das zweite Drittel alt, als Alex Heinrich sah, dass Jean-Michel Daoust sich am linken Pfosten freigelaufen hatte – Heinrichs Querpass kam an und der kleine Kanadier schob die Scheibe hinter Martinovics Rücken ins Tor. Doch dann wurde es schwer für die Kasseler. Denn auch ihr zweites Powerplay nutzten die Gastgeber eiskalt. Wieder war es Fenton, der zum 2:2 traf (27.). Und dann wurde es noch schwerer für die Huskies. Denn den Rest dieses zweiten Spielabschnitts bestritten sie nicht nur fast durchgehend in Unterzahl, sie mussten den Rest der Partie auch auf Daoust verzichten, der nach einem Check gegen Borzecki fünf Minuten plus Spieldauer kassierte (33.). Da es seine zweite große Strafe in den Playoffs ist, fehlt er den Huskies im nächsten Spiel am Freitag.

Doch wie die Huskies diese Dauer-Unterzahl, diesen Dauerdruck der Gastgeber überstanden, das war klasse. Auch, weil der Bietigheimer Hallensprecher den Hexenkessel zusätzlich befeuerte („Wir begrüßen Jamie MacQueen auf der Strafbank“). Fast eine Minute lang waren nur drei Kasseler Feldspieler auf dem Eis, weil auch Heinrich zunächst noch draußen war. Dann brachten sie mit vereinten Kräften auch die weiteren vier Minuten zu viert unbeschadet über die Runde. Weil entweder einer Kelle oder Körper in die Schüsse von Fenton, Auger und Steingroß brachte. Oder aber, weil Keller wieder die Krake machte: Der Keeper hatte wie schon am Freitag gefühlt zehn Arme und entschärfte jeden Schuss, der auf sein Tor kam.

Und dann begann der Schlussabschnitt. Mehr Spannung geht wohl kaum in diesen Playoffs. Da sind die Gastgeber, die egal aus welcher Position sie auch schießen, immer wieder an Keller scheitern. Vorn setzen die Huskies Nadelstiche – so wie erst Carter Proft, dann Austin Wycisk im Nachsetzen. Doch ein Tor, das fällt einfach nicht. Es gibt wieder Verlängerung. Wohl dem, der Baldrian-Pillen zur Nervenberuhigung eingepackt hat. Es ist ein offener Schlagabtausch. Keller klärt. Pimm muss mit blutender Nase behandelt werden. Kann aber weitermachen. Die Bietigheimer buhen Huskies-Coach Rico Rossi aus, der sich beim Schiedsrichter-Gespann beschwert, weil die keinen Bietigheimer bestraft wird. Shawn Weller provoziert, Mathias Müller muss mit auf die Strafbank. Gegenstände fliegen aufs Eis. Auszeit Kassel. Und die wirkt: 4:31 Minuten vor dem Ende der ersten Verlängerung: Manuel Klinge setzt sich auf der rechten Seite durch. Sieht Jamie MacQueen. Der trifft ins obere Eck. Wahnsinn! Die Huskies können am Freitag in eigener Halle Meister werden.

Die DEL2 Playoffs 2017 und Playdowns mit allen Terminen und Ergebnissen haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Statistik

SR: Köttstorfer/ Klein (Rosenheim/Stuttgart),

Z: 4400

Tore: 0:1 (1:25) Christ (Proft), 1:1 (3:53) Fenton (Borzecki, Wrigley – 5:4), 1:2 (20:59) Daoust (Heinrich), 2:2 (26:10) Fenton (Just, Steingroß – 5:4), 2:3 (75:29) MacQueen (Klinge, Heinrich)

Strafminuten: Bietigheim 8, Kassel 17 + Spieldauer Daoust

Der Ticker zum Nachlesen

Live Blog DEL2-Playoffs: Bietigheim Steelers - EC Kassel Huskies
 

 

Das Video zum Spiel finden sie im Laufe des morgigen Vormittags an dieser Stelle.

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