Trainer Bobby Carpenter im Interview

Kassel Huskies vor Hessenderby gegen Frankfurt: "Wir hoffen auf den Plopp"

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Platzt der Knoten? Trainer Bobby Carpenter hofft auf die Trendwende mit den Huskies. Foto:  Dieter Schachtschneider

Derby-Freitag in der Eissporthalle. Vorab äußert sich der neue Kasseler Trainer im Interview zu diesem Duell, seinen ersten Eindrücken und den Perspektiven.

Die Namen der Spieler kennt er mittlerweile, Bobby Carpenter gewöhnt sich langsam ein bei den Huskies. Und der neue Trainer steht vor dem ersten Höhepunkt mit dem Kasseler Eishockey-Zweitligisten: Am heutigen Freitag um 19.30 Uhr gastieren die Löwen Frankfurt in der Eissporthalle. 

Zwei Tage nach dem Derby spielt Carpenters Team bei den Tölzer Löwen (Sonntag, 18.30 Uhr), danach sind wegen des Deutschland-Cups zwölf Tage Pause. Wir führten ein Interview mit dem neuen Coach.

Herr Carpenter, Sie haben in den Millionenstädten Los Angeles, Washington und Boston gespielt – und jetzt sind Sie im beschaulichen Nordhessen gelandet. Haben Sie da keinen Kulturschock erlitten?

Carpenter: Nein. Den bekam ich, als ich in China war. Glücklicherweise habe ich keine großen Probleme mit Jetlag, sodass mir die Eingewöhnung hier nicht schwergefallen ist. Als ich früher meine Kinder durch die Jugendteams begleitet habe, lernten wir viele kleinere Orte kennen. Außerdem war ich ja vor drei Jahren schon einmal hier und habe erste Eindrücke gesammelt.

Unterscheidet sich das nordamerikanische Eishockey, aus dem Sie kommen, von der DEL2?

Carpenter: Eigentlich ist Eishockey überall Eishockey. Die Art, wie ich zu Hause trainieren würde, ist dieselbe, wie ich hier trainiere – mit kleinen Anpassungen vielleicht. Denn das Spiel hier ist weniger physisch, die Fläche größer. Aber egal, wo man spielt: Eishockey ist heute ein Zwölf-Monats-Sport. Zu meiner aktiven Zeit hatten wir im Sommer mal frei. Dann gingen wir ins Trainingscamp, um in Form zu kommen. Heute kann sich das kein Spieler mehr leisten. Egal, auf welchem Level er spielt: Er muss beim Trainingsauftakt fit sein.

Sind die Huskies denn fit?

Carpenter: Ja. Am Anfang haben die lange Fahrt nach Weißwasser und die Veränderungen der vergangenen Woche noch Spuren hinterlassen. Aber das hat sich gelegt. Sie haben Sonntag gut gespielt, ordentlich trainiert in dieser Woche.

Sprechen wir über das Team. Torhüter Marcel Melichercik wirkt immer mal unsicher, dahinter gibt’s mit Leon Hungerecker ein hungriges Talent.

Carpenter: Wir haben absolut kein Torhüterproblem. Marcel macht seinen Job gut. Ich habe Leon am Sonntag eingewechselt, weil das Team einen neuen Impuls brauchte. Leon wird seine Einsatzzeiten bekommen.

Welchen Eindruck haben Sie von den Verteidigern?

Carpenter: Einen guten. Sie sind sehr beweglich und schnell. Sie verstehen gut, was ich von ihnen verlange.

Gibt’s Unterschiede zu dem System, das Rico Rossi zuletzt hat spielen lassen?

Carpenter: Vereinfacht gesagt: Ich lasse die Verteidiger etwas passiver spielen. Sie sollen eher abwarten, bis der Puck zu ihnen kommt.

Und die Stürmer?

Carpenter: Ich habe noch nicht entschieden, wer am besten mit wem harmoniert. Dafür muss ich alle noch besser kennenlernen. Wir haben wenig Tore geschossen, daher sind die Jungs frustriert, machen sich Gedanken. All das klebt quasi am Schläger. Sobald sie alle mal ihre Topleistungen gezeigt haben, kann ich beurteilen, wer am besten mit wem spielt.

Stark war am Sonntag gegen Bad Nauheim die vierte Reihe mit den Kasseler Jungs Tim-Lucca Krüger und Bastian Schirmacher sowie Neuzugang Jannik Woidtke.

Carpenter: Absolut. Es war toll, zu sehen, und es ist wichtig für mich als Coach. Denn wenn du kein Erfolgserlebnis hast, wirst du physisch schneller müde. Die vierte Reihe hat den anderen nicht nur Erholungszeit ermöglicht. Wir hatten am Mittwoch im Training einen kleinen Wettbewerb, und die Jüngsten haben die meisten Tore gemacht. Sie spielen befreit auf – und können so Vorbild sein für die anderen.

Sie waren erfolgreicher Stürmer in der NHL. Haben Sie besondere Tipps, um die mentale Blockade zu lösen?

Carpenter: Ich kann ihnen Hilfen geben, ja. Aufzeigen, wie sie in gute Positionen kommen. Aber Toreschießen kannst du niemandem beibringen.

Und ausgerechnet jetzt kommt Frankfurt. Wissen Sie um die Bedeutung des Derbys?

Carpenter: Ja. Das erste Spiel der Huskies, das ich 2015 gesehen habe, war gegen Frankfurt. Es war Mike Littles erstes Spiel, kurz nach der Deutschlandcup-Pause. Es war großartig. Die Huskies haben 4:3 gewonnen.

Welche Derbys kennen Sie aus der NHL?

Carpenter: Auch da gibt es viel Rivalität, klar: Boston gegen Montreal, Washington gegen Philadelphia sind große Spiele. Auch da wird es laut. Aber am Ende des Tages sind auch diese Spiele nur Spiele, in denen es um drei Punkte geht. Das ist der Fokus, den du als Spieler und Coach haben sollst. Du solltest nicht aufgeregt sein.

Wollen sie gegen Frankfurt die Emotionen hochhalten, oder ausklammern?

Carpenter: Emotionen sind natürlich wichtig, aber die Spieler müssen sie kontrollieren. Darauf kommt es an.

Die Löwen sind Tabellenzweiter, die Huskies Zehnter. Kommt das Derby zum richtigen Zeitpunkt oder ungelegen?

Carpenter: Da gibt es zwei Sichtweisen: Klar ist es am besten, wenn du auf einen Gegner solchen Kalibers triffst, wenn du selbst in Topform bist. Dann hast du das nötige Selbstvertrauen. Aber wie großartig wäre es, die schwierige Situation mit einem Derbysieg zu beenden? Das wäre ideal, darauf hoffen wir. Denn natürlich sind wir nicht der Favorit. Deshalb wäre ein Erfolg doppelt wertvoll und eine großartige Aufbauhilfe. Es ist ein Schlüsselspiel zweifelsohne. Früher oder später wird der Knoten platzen, daran habe ich keinen Zweifel. Denn im Team steckt viel Talent. Wenn wir so engagiert auftreten wie gegen Nauheim, dann ist es eine nur eine Frage der Zeit, bis es plopp machen wird – wie bei einer Flasche Ketchup.

Kennen Sie die Situation, mitten in der Saison ein Team zu übernehmen?

Carpenter: Ja, bei den Chinesen war das so. Und dabei habe ich viel gelernt, auch viel Geduld. Insgesamt waren die Spieler viel erfahrener als unsere hier und ich hatte erwartet, dass sie vieles schneller umsetzen würden. Aber das konnten sie nicht. Deshalb musste ich einen Schritt zurückschalten.

Hilft Ihnen diese Erfahrung jetzt bei den Huskies?

Carpenter: Ja, natürlich. Deshalb halte ich mich jetzt auch zurück. Gehen wir lieber Schritt für Schritt. Die Jungs brauchen erst einmal Selbstvertrauen und Sicherheit beim Torabschluss sowie im Positionsspiel.

Erster Tag des neuen Trainers - Trainer-Interview nach der PK

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