„Enttäuschung ist riesengroß“

Huskies kämpfen nach  Playoff-Aus mit den Emotionen

Anerkennung für die Mannschaft: Die Fans auf dem Heuboden bedanken sich nach dem Ende der Saison mit einem Banner bei ihren Huskies. Foto: Diekmann

Kassel. Der Heuboden ist vorbereitet. Das Playoff-Aus ist am Sonntagabend nur wenige Sekunden alt, da entrollen die Fans ein Plakat: „Danke für großartige Momente".

Mit lautem Applaus holen sie ihre Huskies ein letztes Mal aufs Eis zurück.

Alex Heinrich trägt einen Kapuzenpulli mit dem Schriftzug: „Playoffs, jetzt erst recht.“ Der Verteidiger ist einer der Ersten, der in ein Mikrofon spricht. „Natürlich ist die Enttäuschung nach so einem Spiel riesengroß. Wir hatten gehofft, die Wende einleiten zu können. Aber wenn du eine Serie nach so einer Partie in der Overtime verlierst, ist das besonders bitter“, sagt er.

Ähnlich sieht das Stürmer Michi Christ. Sein langärmeliges rotes Oberteil ist an der Seite gerissen. Seit seinem Dreierpack gegen Rosenheim im letzten Hauptrundenspiel trägt er das zerfledderte Teil unter dem Trikot mit der Nummer 13. „Heute hat es kein Glück gebracht“, erklärt er. „Es war unser bestes Spiel in der Playoff-Serie. Aber Landshut hatte diesen letzten Biss mehr.“ Die Enttäuschung überwiege, ergänzt er. „Wir waren schließlich Dritter nach der Hauptrunde. Vor diesem Hintergrund ist das Aus unglücklich.“

Nach diesen Worten folgt er den Huskies in die Kabine, die Tür schließt sich. Trainer Rico Rossi versammelt sein Team, hält eine Ansprache, von der er später sagt, sie sei ihm nicht leichtgefallen. Nach ein paar Minuten kommt Matt Tomassoni heraus. Im Anzug, nicht verschwitzt wie seine Mitspieler. Der Verteidiger musste das Overtime-Drama nach seiner Sperre von der Tribüne aus verfolgen. „Das war richtig hart“, beschreibt er seine Gefühlslage. „Besonders vor dem Hintergrund, dass dies möglicherweise das letzte Spiel der Saison sein könnte. Eigentlich willst du unten auf dem Eis sein, deinen Mitspielern helfen.“

Seine Mannschaft habe nicht schlecht gespielt, sagt er. „Wir hatten gute Torchancen, aber der Landshuter Torhüter hat klasse gehalten. Der EVL ist kein Team, das ein hohes Risiko geht. Die Landshuter standen defensiv sehr gut. Wir hatten in der Summe mehr Gelegenheiten als sie, aber sie haben sie ganz einfach genutzt.“ Er genieße es, Teil der Huskies zu sein, fügt der US-Amerikaner an. „Wir können natürlich stolz auf diese Saison zurückblicken. Wir sind der beste Aufsteiger seit Jahren. Und das, obwohl wir nur mit 15 Spielern begonnen haben. Es war großartig mitzuerleben, wie wir als Team im Laufe der Saison zusammengewachsen und gereift sind.“

Ende der Playoffs: Huskies verlieren gegen Landshut

Das betont auch Manuel Klinge. Doch so kurz nach dem Ende überwiegt auch bei ihm die Enttäuschung. „Wir haben gekämpft, bis wirklich nichts mehr ging. Mit ein bisschen mehr Glück hätte das Ergebnis anders ausgesehen. Aber so ist es manchmal im Sport“, sagt der 30-Jährige. Einen Krimi dieser Länge aber, den hat auch er noch nicht erlebt. „In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir hier schon einige verrückte Spiele mitgemacht. Was die Kraft angeht, war das schon sehr hart. Aber so was muss man auch mal mitmachen, um mitreden zu können.“ Auch der Kapitän betont zum Abschluss dieser Saison noch einmal den ungeheuren Zusammenhalt. „Wir haben einen Teamgeist, der nicht üblich ist. Vor einem Jahr saßen wir in der Kabine und sind aufgestiegen. Und wenn uns da einer gesagt hätte, wir reden in dieser Saison ein Wort in den Playoffs mit, hätten wir wahrscheinlich laut gelacht. Aber wir haben hart dafür gearbeitet und es verdient, soweit gekommen zu sein.“

Die Emotionen überwältigen den auch sonst meist so gefassten Trainer. Rossi bricht während der Pressekonferenz später kurz die Stimme weg, als er sagt: „Es ist jetzt schwer, all die positiven Dinge zu sehen. Diese Mannschaft hat mich nie enttäuscht. Sie hat immer alles gegeben, immer Respekt gezeigt. Sie ist charakterlich unglaublich stark. Diese Saison werde ich so schnell nicht vergessen. Die Niederlage schmerzt natürlich, aber wir sollten den großen Blick nicht verlieren. Die Zukunft in Kassel ist sicher.“

Video vom Spiel:

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