Heute kommt Bad Tölz, am Montag in Bietigheim knackt Kasseler magische Grenze

Huskies: Michi Christ über 600 Spiele für seinen Heimatverein

Michi Christ kniet vor der 600 aus Pucks in der Kasseler Eissporthalle.
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Damit steht er auf Platz drei der Huskies-Dauerbrenner: Michi Christ steht am Montag vor seinem 600. Spiel für die Kassel Huskies.

Er knackt eine magische Grenze: Wenn der DEL2-Hauptrundenmeister am Montag in Bietigheim antritt (17 Uhr), wird der Kasseler Michi Christ zum 600. Mal das Trikot der Kassel Huskies tragen. Nur Manuel Klinge (622) und Sven Valenti (602) stehen noch vor ihm. Ein Gespräch über eine besondere Zahl und außergewöhnliche Vereinstreue vor dem Topspiel heute gegen Bad Tölz (16 Uhr).

Hätten Sie spontan die Zahl Ihrer Huskies-Spiele parat gehabt?

Jein. Vor der Saison wusste ich, dass ich dahin kommen könnte. Dann kam die Verletzung, ich war öfter mal draußen, danach schwebte der Gedanke nur noch im Hinterkopf herum.

Nun steht da am Montag die 600. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Davon kann ich mir zwar nichts kaufen, aber diese Zahl macht mich sehr stolz. Kassel ist mein Heimatverein. Und gerade wenn ich an die glorreichen Zeiten der Vergangenheit mit Hans Zach denke, wer hier alles aufgelaufen ist, die große Tradition des Klubs – und ich jetzt zu denen gehöre, die Geschichte geschrieben haben, dann ehrt mich das.

600 Spiele für einen Klub, warum?

Wenn meine persönliche Entwicklung maßgebend gewesen wäre, hätte ich wechseln müssen. Aber ich habe Familie, Freundin, Freunde hier. Kassel ist meine Heimatstadt. Früher war ich Fan, habe vom Heuboden die Cracks angefeuert. Jetzt bin ich selbst ein Crack. Dabei hätte ich früher nie gedacht, dass ich in Kassel landen werde.

Das müssen Sie erklären.

Ich habe mal zu den Top fünf meines Jahrgangs in Deutschland gehört. Meine Karriere hat sich aber nicht so entwickelt, wie ich mir das mit 18, 19 vielleicht mal erhofft habe. Und dann kam der Punkt, an dem ich mich um meine Zukunft kümmern musste. Ich bin nach einem Jahr in Crimmitschau 2011 zurückgekommen, habe meine Ausbildung begonnen. In der Oberliga haben wir unglaubliche Jahre erlebt. Auch wenn es für mich in all den Jahren persönlich nicht immer zu 100 Prozent zufriedenstellend war: Warum sollte ich wechseln und all das aufgeben, was ich hier habe? Und man muss auch noch was sagen.

Nur zu.

Wir hatten in Kassel immer gute Teams, die viel gewonnen haben. In 13 Jahren habe ich drei Meisterschaften gefeiert. Wenn es dieses Jahr klappt, wäre das die vierte. Das schaffen nicht viele. Und ebenso besonders ist es, im Stadion so viele Menschen zu kennen. Wir sind wie eine große Familie: meine Eltern auf dem Heuboden, mein Bruder, der mit meinem Neffen regelmäßig da war, Sponsoren, Freunde: Das war und ist ein Riesenkapitel für mich. Und bei allen möchte ich mich wirklich bedanken.

Wie hat sich der Spieler Christ verändert?

Von wild zu etwas ruhiger. In allen Lebenslagen. In der Kabine sitze ich neben Oliver Granz. In ihm erkenne ich mich wieder. Der ist auch ein kleiner Wilder, auch wenn ich in dem Alter schon mehr Kämpfe hatte. Ich habe vor Energie gestrotzt, wusste nicht, wohin damit. Aber wenn du älter wirst, machst du dir mehr Gedanken. Auch darüber, was mit einem Schlag vielleicht kaputt gehen kann. Ich freue mich heute darüber, dass ich junge Spieler führen kann, auch neben dem Eis. Ich gehöre trotz allem zur Gruppe der Führungsspieler.

Trotz allem – meinen Sie damit, weil Sie noch kein Tor erzielt haben?

Auch. Es wird nicht einfacher, wenn alle drüber reden. Es gab viele Spiele, in denen ich wenig Eiszeit hatte, dann verkrampfst du. Mittlerweile kann ich das beiseiteschieben. Wichtig ist, dass wir am Ende Meister werden. Dann ist das alles sowieso vergessen. Wobei ich betonen muss: Allein die Vorstellung, dass du vielleicht den Pokal vor dem leeren Heuboden hochheben musst, ist in Worten gar nicht zu beschreiben. Das ist ohne Fans nicht dasselbe. Gerade wenn ich an die letzte Feier 2016 denke: Wo waren wir nicht unterwegs, was hatten wir nicht für einen Spaß. All das könnte dieses Mal nicht stattfinden. Aber: Wir sind Profis und wollen unsere Mission erfüllen.

Neben den Titeln – welche Spiele sind besonders in Erinnerung?

Da fällt mir sofort mein Hattrick in Rosenheim mit Happy Train ein.

Und was waren die größten Herausforderungen?

Wir Kasseler haben immer gesagt, wir könnten ein Buch schreiben, über das, was wir erlebt haben. Zu den größten Herausforderungen für mich zählte auch, manche Entscheidungen des Trainers zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn ich persönlich manchmal anders entschieden hätte.

Sie sind der letzte aktive Husky, der beim Aufstieg 2008 dabei war.

2008 war ich ein junger Scheißer, habe meine erste Saison gespielt und habe es geliebt. Eishockey war noch mehr old school, anders, härter, damals waren mehr Männer dabei. Ich denke vor allem an unseren Ü30-Klub um Hugo Boisvert, Mike Pellegrims, Shawn McNeil und Drew Bannister. was die schon gesehen hatten, da habe ich gezittert. Aber ich habe alles gegeben. Es waren prägende Erinnerungen. Wie alle Fans nach dem Sieg aufs Eis gestürmt sind und du dich wie ein Rockstar fühltest. Wie Pellegrims zwei weiße Stretchlimos organisiert hat und wir damit zum Rathaus gefahren sind. Der Empfang dort. Gerade weil ich das erlebt habe, ist es so traurig, dass es dieses Jahr alles unter uns stattfinden müsste.

(Von Michaela Streuff)

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