Löwen Frankfurt entlassen nach 0:7-Klatsche in Kassel Trainer Olli Salo

Ein Derbysieg mit Folgen

Frankfurts Torhüter Patrick Klein und Verteidiger Kyle Sonnenburg wurden am Freitag von Doppeltorschütze Brett Cameron immer wieder vor unlösbare Aufgaben gestellt.
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Sie konnten ihn nicht stoppen: Frankfurts Torhüter Patrick Klein und Verteidiger Kyle Sonnenburg wurden am Freitag von Doppeltorschütze Brett Cameron immer wieder vor unlösbare Aufgaben gestellt.

Die Derbyschmach beim Rivalen der Kassel Huskies saß tief: Die Löwen Frankfurt entließen einen Tag nach der 0:7-Klatsche ihren Trainer Olli Salo.

Kassel - Trainer Tim Kehler ging nach der Pressekonferenz erstmal freudestrahlend ans Buffet für Spieler und Betreuerstab im Kabinengang – dieser 7:0-Derbysieg der Kassel Huskies gegen die Löwen Frankfurt machte Appetit auf mehr. „Ich bin wirklich stolz auf die dezimierte Truppe“, sagte Kehler – er musste auf fünf Spieler verzichten und verlor nach wenigen Minuten im ersten Drittel auch Ryan Olsen. „Er konnte nach einem Zusammenstoß mit den Helmen nicht mehr richtig sehen“, so Kehler, der glücklich war, dass sich sein Team von dem neuerlichen Ausfall nicht aus dem Konzept bringen ließ.

Ganz anders Gästecoach Olli Salo. Schon bei der Pressekonferenz konnte man sehen, wie sehr ihn diese Klatsche mitgenommen hatte. „Nach dem 0:2 sind wir komplett raus gewesen. Ein 0:7 darf nicht passieren. Der Gegner war wirklich stark, aber wir haben ihm auch geholfen“, sagte Salo. Am Samstag zog der (eigentliche) Aufstiegsaspirant aus Südhessen dann die Reißleine. Salo muss gehen, Sportdirektor Franz Fritzmeier übernimmt vorerst. Das klingt vertraut? Ja! Bereits im März 2018 entließen die Löwen ihren damaligen Trainer Paul Gardner nach einer Niederlage in Kassel während der Playoffs, auch da übernahm Fritzmeier.

Historisch hoher Heimsieg der Huskies

Das 7:0 war der höchste Heimsieg gegen Frankfurt in der Geschichte der Huskies und zugleich nach dem 8:1-Erfolg bei den Löwen im März 2016 der zweithöchste Erfolg gegen den ewigen Rivalen. Auch der erfahrene Verteidiger Derek Dinger musste das erstmal verarbeiten. Er drehte um Mitternacht noch eine Runde mit dem Hund um den Block. „Das erwartet man so nicht. Ich habe schon viele rasante Derbys erlebt, aber so was noch nicht“, sagte Dinger. Auch er lobte sein Team, das einen Großteil der Partie mit nicht mal drei kompletten Reihen absolvieren musste, während die Löwen mit pickepackevollem Kader angereist waren: „Wir haben brutal Charakter gezeigt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es nur ein Spiel war.“ Einen Wermutstropfen gab es dann aber doch für Dinger: „Was wäre hier in der Halle losgewesen, wenn die Fans da gewesen wären?“

Dass dieser Sieg nur über die richtige Einstellung möglich war, betonten alle Huskies. „Das war eine sensationelle Teamleistung. Wir haben simpel gespielt, die Zweikämpfe gewonnen und waren mental bereit“, sagt beispielsweise Ex-Löwe Lukas Laub, der zum zwischenzeitlichen 5:0 traf. Auch Sportdirektor Manuel Klinge war angetan von seiner Mannschaft: „Wir sind sehr froh. Wenn man angeschlagen in ein Spiel geht, kann das auch richtig zusammenschweißen.“

Chancenverwertung als Pluspunkt

Ein echtes Faustpfand der Huskies war die Chancenverwertung. „Wir haben zuletzt am Killerinstinkt gearbeitet, auch wie man in sogenannte ‘dirty areas’ kommt“, erklärte Laub. In diesen schmutzigen Bereichen waren die Huskies am Freitag ständig zu finden, immer wieder ackerte beispielsweise Doppeltorschütze Brett Cameron vor dem Gästetor um die Scheibe. „Bretts Auftritte sind nicht in Tore und Punkte aufzuwiegen, er arbeitet viel für das Team“, lobte Kehler seinen kanadischen Landsmann. Cameron gab das Lob zurück: „Das war ein toller Teamerfolg. Das beginnt schon hinten mit Jerry.“ Torhüter Jerry Kuhn feierte gegen Frankfurt sein erstes Spiel ohne Gegentor in dieser Saison, 33 Schüsse wehrte er ab und war vor allem zu Spielbeginn Fels in der Brandung. Nach Olsens Ausfall überzeugten auch Verteidiger Marco Müller als Stürmer und Alexander Bojarin, der seine ersten Minuten im Profi-Eishockey bekam.

Die höchsten Derbysiege der Huskies

8:1 in Frankfurt (18. März 2016)

7:0 gegen Frankfurt (18. Dezember 2020)

6:0 gegen Frankfurt (20. November 1994)

5:1 gegen Frankfurt (23. Februar 2018)

Von Björn Friedrichs

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